FA-Cup Sieg für Manchester United Van Gaal nimmt bittersüß Revanche

Louis Van Gaal hat es wieder einmal allen gezeigt.

(Foto: dpa)
  • ManUnited gewinnt nach einer turbulenten Saison den ersten Titel seit der Ära Ferguson.
  • Trainer van Gaal liefert sich ein letztes Scharmützel mit der Öffentlichkeit.
Von Sven Haist, London

Nichts kann Louis van Gaal jetzt mehr auf seinem Platz halten. Von seiner Trainerbox aus sprintet er an die Seitenlinie und fällt seinem Assistenten Ryan Giggs in die Arme. Am anderen Ende des Spielfelds reißt sich Jesse Lingard, dem van Gaal das Profidebüt bei seiner eigenen Premiere als Trainer von ManUnited ermöglichte, das Trikot vom Körper und läuft auf die eigenen Fans zu. Lingard taucht ein in den roten Jubelrausch - heraus kommt ein gefeierter Prinz.

In einer Saison, in der Leicester City als 5000:1-Außenseiter die erste englische Meisterschaft der Vereinsgeschichte gewonnen hatte, dauerte es bis zur 111. Minute in der Verlängerung, bis Manchester United durch einen Volleyschuss von Lingard den Tabellen-15. der Premier League Crystal Palace besiegt hat. Der zwölfte Triumph im FA-Cup, der erste seit dem 3:0 über den FC Millwall 2004, lässt den Rekordmeister aufschließen zum Rekordpokalsieger FC Arsenal.

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"Ich bin sehr stolz, dass ich der erste Trainer nach Sir Alex Ferguson bin, der einen Titel mit United gewinnt", sagt van Gaal. Noch im Kabinentrakt ließ der Niederländer ein Foto von sich mit der Trophäe und Ferguson machen, der sich nach dem Gewinn der Meisterschaft 2013 zur Ruhe setzte.

Der englische Fußballverband verpasste dem 135. Pokalendspiel den Slogan "finales Abenteuer". Nach dem 2:1 (1:1) n.V. stiegen zunächst die Chancen van Gaals, seinen Vertrag bei ManUnited bis 2017 erfüllen zu dürfen. Auf der Pressekonferenz platzierte er vor sich die Trophäe und ächzte gegen die englischen Medienvertreter. "Ich zeige euch den Pokal - und diskutiere nicht mit euch, meinen medialen Freunden, über meine Zukunft. Vor sechs Monaten hattet ihr mich schon entlassen." Van Gaal spielte auf die Schlagzeilen am zweiten Weihnachtsfeiertag an, die voreilig sein Aus nach Uniteds 0:2 bei Stoke City verkündeten.

Als einige Journalisten am Samstagabend die Nachfragen zu seinem Verbleib nicht einstellen wollten, stand das Gespräch vor dem Abbruch. Mittlerweile ist jeglicher Respekt von beiden Seiten aus verloren gegangen. Wöchentliche Spekulationen um einen Trainerwechsel ziehen durch den roten Teil Manchesters, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Arbeit van Gaals findet längst nicht mehr statt. Beim Abgang aus dem Pressesaal hielt van Gaal den Anwesenden in der ersten Reihe den Pokal ins Gesicht. Er raunte: "Danke für die Glückwünsche!"

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Für Noch-Trainer Louis van Gaal kommt der Titelgewinn im FA-Cup wohl zu spät: Der englische Rekordmeister steht kurz vor der Verpflichtung von José Mourinho.

Den Höhepunkt des unwürdigen Schauspiels lieferte die BBC, die ausgerechnet im Moment der Abfahrt von Uniteds Teambus aus Wembley die Meldung veröffentlichte, dass eine Absetzung van Gaals vor der Partie durch den Vorstand beschlossen wurde. Eine Gegendarstellung des Vereins war dadurch gar nicht mehr möglich. Dem Fernsehsender zufolge soll Anfang der kommenden Woche José Mourinho, immer noch Freund und früher Assistent van Gaals, die Nachfolge antreten.