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DFB-Pokalfinale:Bei Pep kullern die Tränen

  • Bayern München besiegt Borussia Dortmund im Elfmeterschießen und gewinnt zum 18. Mal den Pokal.
  • Danach weint Bayern-Trainer Pep Guardiola hemmungslos.

Das Berliner Olympiastadion und das Estadio Vicente Calderón, das in Madrid liegt, sind 2312 Kilometer voneinander entfernt. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Architektonisch, stimmungsmäßig. Seit Samstag haben sie eine gemeinsame Geschichte: 2012 verabschiedete sich Pep Guardiola im Calderón-Stadion mit einem Pokalfinale vom FC Barcelona. Nun beendete Guardiola seine dreijährige Mission beim FC Bayern ebenfalls mit einem Cup-Endspiel: Seinerzeit war es ein Spiel ohne Geschichte, ein klarer 3:0-Sieg gegen Athletic Bilbao, damals trainiert von einem von Guardiola geschätzten Kollegen, Marcelo Bielsa. Diesmal ging er ebenfalls mit einem Pokal unter dem Arm - aber nach einer ausgeglichenen Partie, die nicht nur torlos in die Verlängerung ging. Sondern auch torlos ins Elfmeterschießen, in dem die Bayern mit 4:3 siegten und zum 18. Mal den DFB-Pokal gewannen.

Welch Anspannung von Guardiola abfiel, war nach dem Elfmeter von Douglas Costa zu sehen: Der nunmehr ehemalige Trainer des FC Bayern ließ seinen Tränen freien Lauf wie 2009, als er mit dem FC Barcelona den Weltpokal holte, damals das Sextuple perfekt machte. Wie damals trocknete er seine Tränen an der Schulter seines Adjutanten Manuel Estiarte (sowie von Jérôme Boateng und David Alaba) - ehe er von seinen Spielern vor der Bayern-Kurve geschultert und in die Luft geworfen wurde.

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Zuvor hatten im Elfmeterschießen Arturo Vidal, Robert Lewandowski, Thomas Müller und - nachdem Joshua Kimmich verschossen hatte - schließlich Douglas Costa für die Bayern getroffen. Bei den Dortmundern wurden Sven Bender, dessen Strafstoß von Torwart Manuel Neuer gehalten wurde, aber vor allem Innenverteidiger Sokratis zu tragischen Figuren. Denn Sokratis war über die 120 Minuten hinweg derjenige gewesen, der in einem Abnutzungskampf zum Turm einer Abwehrschlacht der Dortmunder geworden war.

Zunächst mangelt es an Torraumszenen

Es war ja tatsächlich ein Spiel gewesen, das nicht den Geruch von Eau de Cologne verströmte, sondern das nach jenem Schweiß roch, den harte körperliche und mentale Arbeit verursacht. Und in dem Sokratis überragte wie selten zuvor. Der Grieche mit dem Zungenbrechernachnamen - Papastathopoulos - wurde zum Albtraum für die Offensive der Bayern.

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Guardiola, der verletzungsbedingt auf Arjen Robben, Holger Badstuber und Mario Götze verzichten musste, ging etwas überraschend ohne den angeschlagenen Xabi Alonso in die Partie. Und das konditionierte das Spiel der Bayern. Die jeweilige Suche nach Schwachstellen des Gegners gestaltete sich schwerer als die Lösung eines falsch angelegten Sudokus.

Sowohl Dortmund wie auch der FC Bayern bestachen durch ihre Organisation, und das bedeutet: durch die klare Struktur, die ihnen ihre jeweiligen Trainer verliehen, Dortmunds Coach Thomas Tuchel und Bayerns Guardiola. Die beiden Männer, die sich am Vorabend der Partie ihrer Hochachtung versichert hatten, sorgten gewissermaßen für eine Hommage an sich selbst, für ein Spiel der Lehre. Weder Akteuren noch Beobachtern war in dieser Partie ein Wimpernschlag erlaubt, obwohl das Spiel zunächst unter einem Mangel an Torraumszenen litt.

Es kam nicht von ungefähr, dass die beiden gefährlichsten Szenen, die der FC Bayern in der ersten Halbzeit aufzuweisen hatte, zwei Versuche aus der Ferne waren. In der vierten Minute strich ein Weitschuss von Thomas Müller knapp über das Tor, das Dortmunds Keeper Roman Bürki hütete. In der 33. Minute konnte der Schweizer Schlussmann einen Schuss von Douglas Costa abklatschen. Zudem kam Müller in der 21. Minute nach einer Ecke zu einem Kopfball, der knapp am Pfosten vorbei ging.