bedeckt München 11°

Schalke vor Aus in der Europa League:Horst Heldt versucht zu vermitteln

Inzwischen ist aber klar, dass Trainer Ralf Rangnick mit Raúl wenig anfangen kann. Raúl war noch nie der Schnellste, mit 34 Jahren wird sich das auch nicht mehr ändern lassen. So scheint der Stürmer den Vorstellungen Rangnicks von einem Tempofußball, wie er ihn einst in Hoffenheim organisiert hat, im Wege zu stehen. Das Verhältnis der beiden ist stark abgekühlt, wie es im Umfeld heißt.

Nach Finnland fuhr Raúl nicht mit. Offiziell, weil Schalke die Sehnen und Knochen des betagten Angreifers auf dem Kunstrasen in Helsinki nicht ramponieren wollte. Doch den Beobachtern fiel auf, dass Raúl bei einem Einsatz am Donnerstag für keinen anderen Klub mehr im Europapokal hätte spielen dürfen, was die Aussichten auf einen Verkauf geschmälert hätte.

Dumm nur, dass die Schalker ohne Raúl völlig kopflos in die finnische Abwehr hineinrannten und -passten. Ohne Inspiration und Ideen, vom Rangnickschen Tempofußball so weit entfernt wie ein Traktor von einem Formel-1-Rennen. "Wir haben über weite Strecken die falschen Mittel gewählt, sind viel zu früh von außen nach innen gezogen und haben so diesem Bollwerk in die Karten gespielt", erkannte der Trainer immerhin. Um hinzuzufügen: "Ich glaube, dass es auch für Raúl nicht einfacher gewesen wäre."

Dumm allerdings auch, dass Raúl am vergangenen Samstag einiges dazu beigetragen hat, dass die Schalker das Bollwerk 1. FC Köln mit 5:1 abfertigen konnten. Zum Beispiel ein herrliches Lupfer-Tor, das noch in jedem Jahresrückblick einen Sonderplatz einnehmen wird.

Hier der leuchtende spanische Weltstar, von dem nie ein böses Wort kommt, dafür regelmäßig ein zauberhafter Moment der Fußballkunst. Dort der bekannt selbstbewusste, bisweilen launische Trainer, der eine Blamage in Finnland verantworten muss. So steht es gerade um die Schalker Befindlichkeit und damit steht es nicht besonders gut um Ralf Rangnick und den Klub.

In dieser prekären Lage steuern die Gelsenkirchener auf das Gastspiel in Mainz zu (Sonntag, 15.30 Uhr). Die Rheinhessen haben sich nach ihrem Aus in der Europa League erstaunlich schnell erholt und stehen wie im Vorjahr mit Rangnickschem Tempofußball auf Platz eins. Ob Raúl im neuen Mainzer Stadion wieder dabei ist? Manager Horst Heldt versucht zwischen den Parteien zu vermitteln so gut er kann, noch vor dem Spiel in Mainz soll es ein Gespräch mit allen Beteiligten geben. Doch die Erfolgsaussichten scheinen gering. Aus Málaga meldete sich etwa Scheich und Klubinhaber Abdullah Al-Thani und behauptete: "Wir haben erreicht, dass Weltklassespieler zu Málaga kommen wollen, wie in den Fällen von Raúl, Sneijder und Eto'o, die alle Interesse zeigen, zu uns zu wechseln", sagte er der Sportzeitung As.

Málaga wäre finanziell interessant, doch Raúls Verzicht auf die Reise nach Helsinki zeigt eher, dass der 34-Jährige noch einmal im Europapokal wirken möchte. Málaga hat sich nicht einmal für die Play-off-Runde zu Beckenbauers Cup der Verlierer qualifiziert. Ob es aber für Schalke noch zu mehr reicht, ist nach dem 0:2 am Donnerstagabend sehr unsicher. Ob mit oder ohne Raúl.

© sueddeutsche.de/mikö, luk

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite