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Final Four der Euroleague:Marschkapellen in der ganzen Stadt

"Selbst die ganz alten Leute erkennen einen hier", sagt Voigtmann, der mit seinen 2,14 Metern Körpergröße zugegebenermaßen auch kaum zu übersehen ist. Einmal quetschten sich 1500 Baskonia-Aficionados acht Stunden in einen Reisebus und kamen zum Auswärtsspiel nach Andorra mit. "Man wächst hier mit Basketball auf, es ist was Alltägliches", erklärt Voigtmann, "bei Spielen ist die halbe Stadt auf den Beinen." Unvergessen bleibt für ihn, als bei der Pokal-Endrunde eine Marschkapelle durch die Gassen tingelte und ein feiernder Fanpulk die Teams mit Bengalos begrüßte.

Mit dieser Begeisterung, aber auch mit ihrem kritischen Sportsgeist haben die Basken über die Jahre eine enge Beziehung zu ihrem Klub aufgebaut. Spieler kommen und gehen auch dort, aber der Spirit, die Idee des Zusammenhalts und der Anerkennung sind Teil von Vitorias Basketball-DNA. Das erlebten viele Große des Sports bei Baskonia, wie etwa der argentinische Spielmacher Pablo Prigioni, der später in die NBA wechselte. Oder auch der Deutsche Tibor Pleiss, der 2013 dort seine internationale Karriere startete und diesmal mit Anadolu Istanbul beim Final Four dabei ist.

Dank seiner Kultur ist Baskonia zu einem Top-Standort gewachsen, in der aktuellen Saison kämpfte sich die Mannschaft nach einem rumpeligen Start erneut in die Playoffs der besten acht Teams, wo sie dann am Final-Dauergast ZSKA Moskau (neben ZSKA stehen diesmal auch Real Madrid, Anadolu und Fenerbahce in den Endspielen) scheiterte. In Madrid oder Barcelona ist mehr Prominenz versammelt, aber im Baskenland wird eine originäre Idee des Basketballs gepflegt. "Klubs wie Real haben einen festen Kern an Spielern. In Vitoria ist die Fluktuation größer, hier geht es darum, Spieler aufzubauen, sie auf hohem Level zu festigen", sagt Voigtmann. Er selbst ist dafür ein Beispiel.

Ziel des Vereins ist es, mit kleinerem Etat konkurrenzfähig zu sein - doch für ein paar bekannte Namen reicht es in der wirtschaftlich soliden Gegend im Norden Spaniens allemal: In dieser Saison zählen zu Voigtmanns Kollegen der Georgier Tornike Shengelia und der Franzose Vincent Poirier - Profis mit mindestens so viel NBA-Potenzial wie Shane Larkin, der nach einem starken Jahr bei Baskonia 2016/17 zurück in die USA ging und nun Teamkollege von Pleiss in Istanbul ist.

Mit dem Final Four bekommt Vitoria nun weitere internationale Anerkennung, man könnte sagen: Das gallische Dorf macht sich schick für hohen Besuch. "Es ist ein Traum, den wir über Jahre verfolgt haben, und nun wird er wahr", sagt Baskonia-Boss Querejta, "das Final Four wird Vitoria-Gasteiz und das Baskenland auf die Weltkarte setzen." Und die Welt wird erfahren, wie sehr die Basken den Basketball lieben.

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