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Basketballer Derrick Williams:Der Dollar-Millionär hat Bock auf Bayern

FC Bayern Basketball mit Neuzugang Derrick Williams

Derrick Williams ist eigentlich viel zu teuer und zu stark für die Bundesliga - aber er fühlt sich wohl beim FC Bayern.

(Foto: dpa)

Einen so starken Spieler wie Derrick Williams gab es noch nie bei den Bayern-Basketballern - über einen Sportler, der auf einiges verzichtet, um sich seine Träume zu erfüllen.

Erst mal eine kleine Geschichte vorneweg: Im vergangenen Juli kam Daniele Baiesi auf die Idee, dass man sich den Basketballprofi Derrick Williams mal anschauen könnte. Einen Spieler, der mit den Cleveland Cavaliers und Kumpel LeBron James im NBA-Finale stand, der einst 27 Punkte gegen die Los Angeles Clippers erzielte. Also sichtete Baiesi zusammen mit Philipp Köchling ein paar Aufnahmen mit Kostproben seiner Fähigkeiten.

Was der Sportdirektor und der Co-Trainer der Bayern-Basketballer dabei sahen, gefiel ihnen so gut, dass sie beim Geschäftsführer vorstellig wurden. Demjenigen also, der das Sportliche mit dem Finanziellen in Einklang bringen muss. Doch Marko Pesic verspürte weniger Lust, sich mit dem Spieler genauer zu befassen, er stellte dem Sportdirektor vielmehr zwei Fragen: "Wieso sollte so ein Spieler zu uns kommen? Und wie sollen wir den bezahlen?"

Jetzt sitzt Pesic ganz entspannt am Spielfeldrand im Audi Dome und beobachtet diesen Spieler im Training. Dabei ist Williams einer, der in der Bundesliga eigentlich nichts verloren hat, weil er zu gut ist für diese Spielkasse, weil er anderswo deutlich mehr Geld verdienen könnte. Bei Klubs wie ZSKA Moskau, Fenerbahce Istanbul, Real Madrid, Barcelona oder Panathinaikos Athen. All diese Mannschaften sind nun seine Gegner in der Euroleague.

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Bei der unnötigen 67:77-Niederlage am Mittwochabend in Athen war Williams mit 21 Punkten einmal mehr bester Münchner, den Sturz vom angestrebten achten Platz, der für die K.-o.-Runde berechtigt, konnte er nicht verhindern. Am Freitag schon gastiert Olimpia Mailand im Audi Dome (20.30 Uhr), da können die Münchner schon wieder einiges zurechtrücken, es geht eng zu im Kampf um die Playoffs.

Und Williams wird wieder eine Schlüsselrolle zukommen. Allein den Amerikaner beim Üben zu sehen, ist ein Vergnügen. Nicht etwa weil er andauernd Bälle in den Korb hämmert (was er natürlich auch macht), oder wie weiland Michael "Air" Jordan durch die Luft zu schweben scheint. Der 27-Jährige vermittelt einen Spaß an der Arbeit, wie ein Junge, der krank das Bett hüten musste und endlich wieder mit seinem Ball zum Spielen raus darf. Williams scherzt mit den Kollegen, macht Späße, er grinst, bei jeder Aktion, dauernd.

Wie es dazu kam, dass Williams doch gekommen ist? Dazu weiß Pesic eine Geschichte. Ursächlich war die Verletzung von Milan Macvan, dem wohl wichtigsten Spieler im Team, eine Art Williams vom Balkan. Große Fähigkeiten, absoluter Teamleader, nicht zu ersetzen, wie Pesic betont. Aber sein Ausfall in der Vorbereitung veranlasste den Geschäftsführer, sich diesen Amerikaner doch mal genauer anzusehen. Nun gefiel ihm, was er da sah, so gut, dass er sein Netzwerk anzapfte, NBA-Kontakte aktivierte, Informationen einholte.

Doch die gefielen Pesic zunächst weniger, es wurden Dinge wie Charakter, Arbeitsethos oder Konstanz in Frage gestellt. "Da habe ich Vlade Divac angerufen", erzählt Pesic, der große serbische Center spielte viele Jahre in der NBA und ist heute General Manager der Sacramento Kings, wo auch Derrick Williams spielte. "Er sagte, dass es ihm an Konstanz fehle. Er sagte aber auch, dass er ein guter Junge ist." Für Pesic der entscheidende Satz: "Bei dieser Qualität und dem Wissen, dass es charakterlich passt, sind wir hier selbstbewusst genug, um zu sagen: Das kriegen wir hin."

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Dann ging alles sehr schnell, erzählt Pesic von den Verhandlungen, "er hat sofort alles akzeptiert". Es lief sogar so glatt, dass er sich fragte: "Okay, wo ist der Fehler? Da kann doch irgendwas nicht stimmen? Wir hatten auch nicht übermäßig viel Geld zur Verfügung." Williams erklärt, dass er sich ganz bewusst für die Münchner entschieden hat, hier könne er seine Rolle finden, sagt er, "hier kann ich zum ersten Mal seit dem College wieder so spielen, wie ich es mir vorstelle."