Basketball in Spanien Königlicher Zorn im Chaosfinale

Svetislav Pesic, der einst den FC Bayern trainierte, gewann den Pokal mit dem FC Barcelona.

(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Spor)
  • Im spanischen Basketball erwägt Real Madrid angeblich den Ausstieg aus der heimischen Liga, weil man mit den Schiedsrichtern unzufrieden ist.
  • Im Pokalfinale gegen Barcelona kommt es zu kuriosen Szenen - am Ende regen sich die Königlichen furchbar auf.
  • Auch in anderen Ländern gibt es Zoff um Schiedsrichter im Basketball.
Von Jonas Beckenkamp

Als das Chaosfinale des spanischen Königspokals zugunsten des FC Barcelona entschieden war, schüttelte Svetislav Pesic fleißig Hände. Er schüttelte sie jedem, der mochte, er humpelte mit seinem typischen Schelmgrinsen von Fan zu Fan, ehe er in der Kabine verschwand. Pesic, der in diesem Sommer 70 wird, hatte mit all seiner Trainerfuchsigkeit wieder einmal einen Titel gewonnen: Sein FC Barcelona ist erneut Pokalsieger des spanischen Basketballs.

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Die Frage ist nur: Wie um alles in der Welt kam es zu diesem Triumph, der an diesem Montag zu drastischen Darstellungen wie jener der Zeitung Marca führte? Dort heißt es, der Ausgang des Clásicos zwischen Real Madrid und Barça sei "der größte Skandal der spanischen Basketball-Historie". Skandalös finden sie auf Seiten der Königlichen vor allem die Schiedsrichter. Sie hatten beim 94:93 in der Verlängerung gleich zweimal kapital daneben gelegen - und beide Teams je einmal begünstigt.

Riesige Polemik in der Verlängerung

Es war ein hochklassiges, nervenkitzelndes Endspiel zwei der besten Mannschaften Europas. Ein Spiel wie ein Schwergewichtsfight. Der Clásico des Basketballs basiert auf derselben Rivalität wie jener im Fußball, inklusive aller bekannten Biestigkeiten. Barcelona hatte einen enormen Rückstand aufgeholt und sah mehrfach wie der Sieger aus, aber Real kam immer wieder zurück. Nachdem Sergio Llull Madrid mit dem letzten Wurf in die Verlängerung gerettet hatte, ereigneten sich jene zwei Szenen, die jetzt für großen Wirbel sorgen.

Als Barcelonas Chris Singleton bei einem Schnellangriff alleine Richtung Korb lief, schlug ihm Reals Anthony Randolph von hinten eindeutig auf Arm und Kopf. Ein Foul, das kaum einer in der Halle übersah, doch der Pfiff blieb aus, das Spiel lief weiter. Stattdessen nutzten die Königlichen den Gegenangriff zu einem Korb und übernahmen die Führung zum 93:92. Schon diese Aktion hatte das Zeug zum Aufreger, doch es folgte ein noch größerer: Barcelona brachte in seinem letzten Angriff wenige Sekunden vor der Schlusssirene Center Ante Tomic unter dem Korb in Position, dessen Korbleger erneut der Amerikaner Randolph abwehrte.

Ein herausragender Block eigentlich, bei dem Randolph den Ball mit den Händen ans Brett drückte. Die Szene hätte nach korrekter Regelauslegung der Sieg für Real sein müssen, doch die Schiedsrichter entschieden nach Ansicht der Videobilder anders: "Goaltending". Sie hatten gesehen, dass der Wurf erst im Sinkflug abgewehrt wurde - und gaben die zwei siegbringenden Punkte für Barcelona. Diese Konzessions-Entscheidung der Herren Schiedsrichter erfüllte die Beteiligten der Königlichen mit Wut. Kapitän Felipe Reyes war auf dem Weg in die Umkleide kaum zu bändigen. "Diebe, sie haben uns verdammt nochmal beklaut, es ist zum Kotzen", brüllte der 2,06 Meter große Veteran durch die Katakomben, "eine Schande ist das!"