Erklärung von Wolfgang Niersbach:Warum die Fifa die Zahlung nicht zurückgefordert hat?

Lesezeit: 5 min

Warum er seine Unterschrift zur Darlehens-Rückzahlung nicht ausschließen kann

Da wiederhole ich das, was ich auch in dem Interview auf dfb.de letzte Woche gesagt habe: Ich kann mich daran nicht erinnern, kann es aber auch nicht ausschließen. Bei der Vielzahl der Vorgänge, die bei der Abwicklung und der Vorbereitung der WM da täglich auf dem Tisch waren. Ich kann es nicht ausschließen. Aber jedenfalls ist dann wohl gesprochen worden, verhandelt worden. Da war ich persönlich nicht eingebunden, das waren eben die Zuständigkeiten, die lagen woanders. Und dann ist wohl im April oder Mai 2005 die Rückabwicklung geschehen, der Gestalt, dass damals noch die Absicht war, eine besondere Fifa-Gala in Berlin durchzuführen. Da gibt es entsprechende Unterlagen, dass der Antrag der Fifa gestellt wurde, dass das OK sich an dieser Gala beteiligen solle. Diese Vorlage wurde entsprechend erstellt, ging in die Gremien OK-Präsidium und Präsidialausschuss, wurde dort genehmigt und dann ist dieser Betrag von 6,7 Millionen Euro, der entsprach den zehn Millionen Schweizer Franken, auch zurücküberwiesen worden an die Fifa.

Warum der DFB das Geld von der Fifa nicht zurückgefordert hat?

Also die Fifa war am Anfang über die Finanzkommission dort eingeschaltet und eingebunden plus bei der Rückabwicklung. Ich bin vorgestern, also am Dienstag, bei Franz Beckenbauer in Salzburg gewesen und kenne erst seitdem einigermaßen genau diesen ersten Teil, also wie überhaupt der Kontakt zu Robert Louis-Dreyfuss zustande gekommen ist. Und den weiteren Ablauf hat auch Franz Beckenbauer nicht mehr präsent. Was nicht verwundert bei Dingen, die so lange zurückliegen. Die 6,7 Millionen tauchen auch in allen Jahresabschlüssen auf. Und nach den Dokumenten, die uns vorlagen, es hat einige Zeit gedauert, die zusammenzukriegen, ist der Vorgang innerhalb des Organisationskomitees auch absolut nachvollziehbar und verständlich gewesen. Auch die Frage, wie die Gala abgesagt wurde: Hättet ihr da das Geld denn nicht zurückfordern müssen? Die lässt sich so beantworten, dass da schon erhebliche Organisationskosten entstanden waren, sodass man gesagt hat, wer genau, weiß ich auch nicht, wir lassen das so. Die kommen ohnehin in die Schlussabrechnung mit der Fifa und berücksichtigen das.

Was er sich persönlich vorzuwerfen hat?

Die Zuständigkeiten im OK, wie wir sie damals hatten, die sind ihnen bekannt. Was habe ich mir persönlich vorzuwerfen? Ich habe von dem Vorgang erfahren im Juni etwa, den Tag genau kann ich nicht sagen, über Umwege. Daraufhin habe ich eine interne Untersuchung hier im Hause erbeten, die einige Zeit gedauert hat, aber es ist zweifellos mein Versäumnis gewesen, die anderen Mitglieder des Präsidiums nicht dann auch frühzeitig informiert zu haben. Das muss ich ganz eindeutig auf meine Kappe nehmen und habe das auch den Kollegen und Freunden aus dem Präsidium sowie auch den Vorsitzenden der Landesverbände so vermittelt. Vielleicht noch ein Punkt, der auch immer wieder in der Berichterstattung auftauchte, dass es ein Gespräch gegeben habe im Frankfurter Airport-Club, wo man innerhalb der alten OK-Besetzung darüber gesprochen hätte. Dies stimmt also nicht.

Bei dem Treffen am Flughafen war die WM kein Thema

Wir haben uns da getroffen, aber da ist über dieses Thema nicht gesprochen worden. Da ging es generell um mögliche Dinge, die sich aus der ISL-Insolvenz ergeben könnten. Aber da war dieses Thema nicht der Fall. Und ich persönlich habe bis auf einige Smalltalks Robert Louis-Dreyfuss auch nur einmal länger getroffen. Das war aber zwei Jahre nach der Weltmeisterschaft, als er auch schon von seiner schweren Krankheit gezeichnet war. Das ist so in etwa der Sachverhalt. Die wichtige Botschaft steht: Das Sommermärchen war ein Sommermärchen und es bleibt ein Sommermärchen und ist nicht mit unlauteren Mitteln nach Deutschland gekommen. Und das zweite Stück der Aufklärung, da habe ich auch letztlich bis zum Dienstag gebraucht, um das so zu verstehen, wie ich es Ihnen auch versucht habe zu vermitteln."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema