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Eriks Zabels Dopingbeichte:Zabel will innere Ruhe wiederfinden

Gedopt wird in vielen, vielen Sportarten. Die Radler samt ihrer unsäglich dreisten und dummen Verbände stellen sich nur so dermaßen blöd bei der Aufarbeitung des Problems an, dass sie Abscheu und menschliche Trauerspiele produzieren. Jan Ullrich zum Beispiel, einer der großen Helden und Geldbringer des Radsports, wird seit Jahren so falsch beraten, dass Depressionen und Burn-outs die logische Konsequenz der ewigen Lügerei sind. War er 1997 beim bislang einzigen Tour-Sieg eines deutschen Radsportlers gedopt? "Wir müssen ja jetzt niemanden mehr für dumm verkaufen, es gibt inzwischen genug Berichte, wie es damals war", antwortet der damalige Teamkollege Zabel.

Die alte Regel: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr", dürfte nun auch bei Zabel gelten. "Ich weiß, dass dieses Interview hier unangenehme Folgen haben kann", sagt er, er wolle aber jetzt seine innere Ruhe wiederfinden und wieder in den Spiegel schauen können. Wenn er das schafft, hat Erik Zabel wohl viel erreicht mit seiner Offenbarung. Beruflich muss er sich indes umstellen, in Hamburg wurde bereits sein Angebot angenommen, den Sportdirektor-Posten für die Cyclassics abzugeben.

Dass Erik Zabel nun die aktuelle Radsport-Generation vom Dopingverdacht praktisch freispricht, ist mindestens naiv. So hemmungslos wie zu Zabels Zeiten wird zwar nicht mehr am eigenen Körper herummanipuliert. Doch warum soll der Tour-Sieger 2013 Chris Froome ohne Hilfsmittel genauso schnell den Berg hinauftreten wie einst der König der Doper Lance Armstrong? Zabels Sohn Rick steht mit 19 Jahren am Anfang seiner Karriere, da müssen die alten Sünder nun retten, was zu retten ist. Immerhin versichert Vater Erik, dass er mit Sohn Rick zum Thema Doping "längst klar" ist.

Doping-Ausreden

"Ich wollte für Chancengleichheit sorgen"

Das System Radsport hat sich aber praktisch nicht verändert, überall arbeiten noch die gleichen Kader, der Weltverband UCI wird von Verharmlosern und Vertuschern geleitet. Bei der Tour de France steht keineswegs zur Debatte, das Streckenprofil abzumildern, um die Belastungen für die Athleten zu reduzieren.

Sind die Etappen spektakulär, kommen mehr Zuschauer, übertragen mehr Fernsehsender, zahlen mehr Sponsoren ein ins System der Sportler, Trainer, Betreuer, Funktionäre, Ärzte. Und weil die schnellsten Fahrer am meisten von diesem Kuchen abkriegen, wird die Neigung zum Zauberfläschchen systemimmanent gefördert. Da kann man auf seine Gesundheit nur noch am Rande achten und ein Verräter fliegt raus. Erik Zabels Offenbarung hat das eindrucksvoll belegt.

Dopingfälle bei der Frankreich-Rundfahrt

Die Tour-Täter