bedeckt München 31°

Erfolg von Bale in Madrid:Ein Herz zur Entlastung

Villarreal CF v Real Madrid CF - La Liga

Gareth Bale: Luxus-Herzchen zum Debüt

(Foto: Getty Images)

Gareth Bale trifft im ersten Einsatz für Real und beruhigt fürs Erste die Debatte um seine teure Verpflichtung. In Madrid rücken andere in den Blickpunkt: Ronaldo, der verlängert, und Torwart Casillas, der wohl weg will.

Von Oliver Meiler, Barcelona

Auch den Besten passieren dumme Fehler, Flanken in den Himmel zum Beispiel, die für den Strafraum gedacht gewesen wären. Als Gareth Bale bei seinem Debüt mit Real Madrid im Stadion El Madrigal zu Villarreal seinen ersten Ball so richtig verhauen hatte, da hob ein ironischer Chor aus einer Fankurve der Heimmannschaft an, den er wohl in spanischen Stadien in Zukunft noch oft zu hören bekommen wird: "Tú sí que vales!", intonierten sie, "Oh ja, du bist es wert!" Gemeint ist das Geld, ungefähr 100 Millionen Euro, die beträchtliche und kontrovers debattierte Summe seines Sommertransfers von Tottenham Hotspur zu den Madrilenen. "Tú sí que vales" ist auch der Titel einer spanischen TV-Talentshow.

Nun, die Geschichtsbücher dieses Sports werden vielleicht einmal daran erinnern, dass der 24-jährige walisische Flügelstürmer dem Druck der millionenschweren Erwartungen, die man in ihn steckt, beim Einstand wenigstens ein bisschen gerecht wurde - sogar zählbar: In der 38. Minute schob der Linksfuß im Stil eines Mittelstürmers und mit rechts zum zwischenzeitlichen 1:1 ein, ließ sich nett abklatschen von den Kollegen, formte mit seinen Händen das obligate Herz. Danach blieb er aber unauffällig, bis zu seiner Auswechslung (61. Minute). Vier Bälle eroberte er zurück, sieben verlor er, zwei Mal schoss er aufs Tor, drei Mal flankte er, 14 Mal kamen seine Pässe an, elf Mal gelangten sie zum Gegner. Keine berauschende Statistik.

Aber immerhin spielte Bale in der Auswärts-Begegnung gegen den Aufsteiger aus Villarreal von Beginn an, obwohl er seit drei Monaten keine wirklich ernsthaften Beinübungen mehr vollführt und sich die Zeit vordringlich mit dem Warten auf die Perfektionierung seines Weltrekordtransfers verbracht hatte. Man sah ihm den Formrückstand an, vor allem dann, wenn er auf seiner rechten Seite auch mal in der Abwehr hätte aushelfen müssen. Hinten lotterten die Königlichen nämlich heftig. Vorne traf zwar noch einmal Stürmer Cristiano Ronaldo, der am Sonntag seinen Vertrag bei Real bis 2018 verlängerte. Ronaldo ist seit Bales Wechsel zwar nicht mehr der teuerste Profi, aber stimmt die kolportierte Summe von 17 Millionen pro Jahr, dann kassiert er ab sofort wenigstens in Spanien das meiste Geld - mehr sogar als Lionel Messi vom FC Barcelona.

Reals Gesamteindruck bei Villarreal war dennoch mäßig. Der Schlussstand von 2:2 reflektierte die Kräfteverhältnisse auf dem Platz nicht: Villarreal, ein Team mit Spielern aus der zweiten Liga, war über sehr weite Strecken die bessere Elf, ließ sich von den großen und teuren Namen auf der Gegenseite nicht beeindrucken, griff fast unentwegt an - schnell, vertikal, oft mit originellen Kombinationen. Man wähnte sich an Zeiten erinnert, da die Grell- gelben einmal Europa aufmischten, 2006, da schaffte man es bis ins Halbfinale der Champions League.

Wenn es gegen Real dennoch nicht zum Sieg gereicht hat, dann nur, weil Reals Torwart Diego López gegen seinen früheren Verein seine vielleicht beste Leistung gezeigt hat, Schüsse aus nächster Distanz parierte, auch solche, die schier unmögliche Reflexe abverlangten. Marca titelte danach mit einem Seitenhieb gegen die Superstars: "Der Galaktische war López." Es war schon erstaunlich, gar eine Spur denkwürdig, wie leicht sich die Stürmer von Villarreal zu ihm durchspielen konnten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite