Entscheidung des DOSB 3000 Bürger reden bei deutscher Olympia-Bewerbung mit

Hamburg oder doch Berlin? In vier Wochen entscheidet sich, welche Stadt sich für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 bewirbt.

(Foto: dpa)
  • In vier Wochen entscheidet der DOSB auf seiner Mitgliederversammlung, mit welcher Stadt er sich um Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 bewirbt.
  • Hamburg oder Berlin? Ein Meinungstest soll die Olympia-Stimmung in den Städten erkunden. Fraglich ist, welche Rolle die Umfrageergebnisse am Ende spielen.
Von Johannes Aumüller

Berlin oder Hamburg? Noch vier Wochen hat der deutsche Sport Zeit für eine Antwort. Am 21. März entscheidet er auf einer Mitgliederversammlung, mit welcher Stadt er sich für die Olympischen Spiele 2024 bewerben will. Er befindet sich in dieser Causa also, um ein oft bemühtes Bild der Funktionäre zu wählen, auf der Zielgeraden eines Marathons - es ist aber, um im Bild zu bleiben, ein Marathon, bei dem die Teilnehmer gar nicht exakt wissen, wie die Regeln sind. Klare und verbindliche Kriterien sind in dem langen Wettkampf zwischen den Städten vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht kommuniziert worden.

Vier Bewerbungen

Seit den Olympischen Sommerspielen 1972 in München hat Deutschland vier Versuche unternommen, die Ringe-Show wieder einmal ausrichten zu dürfen. Alle scheiterten. Die Winter-Anläufe von Berchtesgaden 1992 und München 2018 schlugen fehl. Bei den Sommerspielen waren Berlin für 2000 und Leipzig für 2012 weit davon entfernt, im IOC eine Mehrheit zu finden. Die Idee, München für die Winterspiele 2022 ins Rennen zu schicken, wurde aufgegeben, weil die Bevölkerung dagegen war.

Der aktuelle Schritt ist eine Meinungsumfrage, die diese Woche startete. In beiden Städten lässt der DOSB das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1500 Bürger fragen, wie ihre Haltung zu Sommerspielen in ihrer Heimat ist. Schon im September hatte es eine ähnliche Umfrage gegeben: Damals waren in Hamburg 53 Prozent der Bürger dafür, in Berlin 48 Prozent. Seitdem kamen andere, nicht vom DOSB in Auftrag gegebene Umfragen in beiden Städten auf höhere Zahlen, in Hamburg deutlicher als in Berlin.

Zustimmung der Bevölkerung "sehr entscheidend"

Wie maßgeblich die Ergebnisse der nun gestarteten Umfrage sind, bleibt aber unklar. Als sich der DOSB dieses Prozedere ausgedacht hatte, betonte Präsident Alfons Hörmann: Die Zustimmung der Bevölkerung sei "sehr entscheidend". DOSB-Vorstandschef Michael Vesper hingegen sagte gemäß dpa diese Woche: "Die Umfrage ist wichtig, aber nicht alles entscheidend."

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Somit ergibt sich die Situation, dass gerade alle Beteiligten Szenarien debattieren, welches Umfrageergebnis welche Folgen hat. Erhält eine Stadt 70 Prozent Zustimmung, die andere nur 30, ist der Fall klar. Liegen die Ergebnisse fünf oder weniger Prozentpunkte auseinander, fiele das in den Bereich der statistischen Fehlertoleranz. Doch was ist in den Fällen dazwischen? Ist ein Ergebnis von 58:52 sehr entscheidend - oder wichtig, aber nicht alles entscheidend?

So drängt sich manchen der Verdacht auf, dass diese Umfrage je nach Ausgang so interpretiert werden soll, wie es den maßgeblichen Strategen passt. Der deutsche Sport gilt in der Olympia-Frage als gespalten. Viele Fachverbände befürworten Berlin. Der DOSB-Spitze hingegen wird eine Sympathie für Hamburg nachgesagt, weil dort mutmaßlich die Gefahr geringer ist, dass die Bürger das Projekt ablehnen, wenn es im Herbst zu einem Volksentscheid kommt. Ein Nein bei einem Volksentscheid will der DOSB nach der gescheiterten Initiative Münchens für die Winterspiele 2022 unbedingt verhindern. Das entscheidende Datum für die Wahl ist der 16. März. Dann trifft sich das DOSB-Präsidium. Die DOSB-Mitgliederversammlung soll dessen Beschluss am 21. März abnicken. Als Rivalen treten Paris, Rom und Favorit Boston auf.