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EM-Qualifikation: DFB-Elf:Junge deutsche Tugenden

Nach dem 3:1 in Aserbaidschan lobt Bundestrainer Joachim Löw seine Mannschaft fast überschwänglich. Das Thema Ballack will er bald erledigen. Dennoch hält das kommende EM-Jahr einige Probleme für ihn bereit. Vor allem das Problem Spanien.

So ein Kurztrip nach Baku kann anstrengend sein. Am Montag mehr als 2776 Kilometer von Wien aus nach Aserbaidschan geflogen, am Dienstag um 22 Uhr Ortszeit auf den Platz zum Fußballspielen. Danach Duschen, mit dem Bus zum Flughafen und frühmorgens 3350 Kilometer zurückgeflogen nach Frankfurt. Gut, dass die deutsche Nationalmannschaft nur aus jungen, fidelen Männern besteht, denen Zeitumstellung, Nachtreisen und ein Gegner wie Aserbaidschan nicht viel anhaben kann.

Aserbaidschan - Deutschland

"Ich denke, wir haben in dieser Saison Großartiges geleistet": Joachim Löw in Baku.

(Foto: dpa)

Am Dienstagabend erlebte das Fußballland beim 3:1 im EM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan die jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten. 23,45 Jahre war der DFB-Spieler im Schnitt alt, der immer noch jungenhafte Philipp Lahm war mit 27 Jahren der Mannschafts-Älteste. "Ein komisches Gefühl, mit 27 Jahren der Älteste zu sein", gab Lahm zu.

Das Delikt Jugendwahn darf dem Bundestrainer Joachim Löw trotzdem niemand unterstellen. Die Altersstruktur in Baku ist das Ergebnis der umfassenden Reformen im deutschen Fußball zur Jahrtausendwende, die nun eine Fülle von Internatsschülern in die Kader schwemmt. Es war ein Ergebnis einer ungewöhnlichen Verletztenserie, wobei Sami Khedira, Sven Bender, Marco Reus oder Christian Träsch den Schnitt nicht wesentlich nach oben gedrückt hätten. Bastian Schweinsteiger und Simon Rolfes schon eher. Hätte der 34-jährige Michael Ballack mitgespielt, der Verdacht wäre aufgekommen, ein DFB-Präsidiumsmitglied hätte sich auf den Platz verirrt.

Dass Michael Ballack fast ein Jahr nach der Weltmeisterschaft in Südafrika noch Thema rund um die Nationalmannschaft ist, wirkt seltsam überholt. Die Nation glaubt zu wissen, was intern wohl längst feststeht: Der Mittelfeldspieler aus Leverkusen spielt keine Rolle mehr in der DFB-Elf. Spätestens nach diesen Länderspiel-Tagen ist daran kaum mehr zu rütteln. Löw nominierte nach den vielen Ausfällen lieber die U21-Spieler Sebastian Rudy und Lewis Holtby nach und stellte Philipp Lahm zum zweiten Mal in dessen Karriere ins zentrale Mittelfeld. Auf die Ballack-Position.

Löw bekräftigte in Baku seinen Willen, das Thema Ballack bald abzuschließen. Er wird sich bald mit seinem ehemaligen Kapitän treffen: "Es gibt keinen festen Zeitpunkt, aber es sollte zeitnah sein. Ich gehe jetzt noch nicht in den Urlaub, erst in zwei Wochen." Vermutlich hat der DFB gehofft, Ballack würde selbst den Rücktritt bekanntgeben und das Thema beerdigen. Doch der 34-Jährige will Löw die Überbringung der Nachricht nicht abnehmen, der Bundestrainer muss das selbst erledigen.

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