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Eishockey: Gebrochener Unterkiefer? "Ein guter Einstand"

Ice hockey Eishockey DEL RB Muenchen vs Straubing MUNICH GERMANY 15 MAR 16 ICE HOCKEY DEL D; Steve Pinizzotto

"Du musst für dein Team einstehen": Steve Pinizzotto vom EHC München im Kampf mit Sean O'Connor von den Straubing Tigers.

(Foto: imago/GEPA pictures)
  • "Du baust dir einen Feind auf und kämpfst gegen ihn, bis es vorbei ist" - so stellt sich der Bad Boy des EHC München die Finalserie gegen Wolfsburg vor
  • Faustkämpfe gehören für Steve Pinizzotto zum Eishockey dazu. Doch er kann auch Tore schießen.
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Interview von Johannes Schnitzler

Am Mittwoch war die Eishockey-Saison für Konrad Abeltshauser vorbei. Der Verteidiger hat sich vor der an diesem Freitag (19.30 Uhr, Olympia-Eisstadion) beginnenden Finalserie gegen Wolfsburg verletzt. Abeltshausers Ausfall ist nicht nur für den EHC München ein Verlust. Sondern auch für Steve Pinizzotto: Beide sind für die Musik in der Münchner Kabine zuständig. "Dance-Pop, R 'n' B, solche Sachen", sagt Pinizzotto. Nichts Aggressives, "nicht dieses Headbanger-Zeug". Das überrascht. Der 31-Jährige Deutsch-Kanadier mit NHL-Erfahrung (37 Spiele, zwei Tore) gilt als der Bad Boy der Liga. Pinizzotto hat die meisten Strafminuten in der DEL. Aber er hat auch 15 Tore erzielt. "Ich sehe ihn nicht als Tough Guy", sagt Teamkollege Jason Jaffray. "Es gibt keinen Tough Guy in dieser Liga, der einen Hattrick erzielen kann." Pinizzotto ist genau das gelungen, Anfang Januar beim 4:2 gegen Nürnberg. Ein Gespräch über Provokationen, Opferbereitschaft und die Wahl der richtigen Waffen.

SZ: Steve, zunächst: Wie viel verdienen Sie eigentlich?

Steve Pinizzotto: Oh, ja, ha ha. Ich weiß nicht, ob ich darüber sprechen will.

Im Viertelfinale haben Sie die Straubinger Spieler damit provoziert, dass Sie der bestbezahlte DEL-Profi seien.

Wissen Sie, so was kommt vor, wenn die Intensität hoch ist. Trash-Talking gehört zum Spiel.

Haben Sie schon mal von Sun Tzu gehört?

Wer?

Sun Tzu, ein General im alten China, circa 500 v. Chr. Er hat ein Buch über Militärtaktik geschrieben, das auch heute noch als Standard gilt: "Die Kunst des Krieges".

Aha.

Einige seiner Grundsätze lauten: "Stell dich dem Kampf. Schlag schnell zu und so hart du kannst. Nütze alle Mittel, um deinen Gegner zu schlagen." Kommt Ihnen davon etwas bekannt vor?

Krieg ist kein Spaß. Aber ich glaube, man kann das durchaus auf Eishockey übersetzen. Eine Playoff-Serie über sieben Spiele ist eine Schlacht. Du baust dir einen Feind auf und kämpfst gegen ihn, bis es vorbei ist. Insofern passen die Zitate ganz gut.

Sun Tzu sagt auch: "Der klügste Krieger ist derjenige, der nie kämpfen muss."

Ja, das ist auch gut. Wenn dir einer blöd kommt, kannst du das auch einfach wegwischen. Du musst nicht mit ihm kämpfen. Aber . . . ich mag es nun mal. Ich muss kein Buch lesen, um das zu wissen.

Ihre beiden älteren Brüder sind ebenfalls Eishockeyprofis. Aber Sie sind derjenige mit den meisten Strafminuten. Waren Sie ein schwieriges Kind?

Ich bin als jüngster von drei Brüdern aufgewachsen. Unser mittlerer Bruder Marc ist ähnlich wie ich. Unser älterer Bruder, Jason, ist mehr der Torjäger. Als wir klein waren, haben sie es mir ordentlich gegeben. Aber wenn ich heute zurückschaue, kann ich ihnen nicht genug danken. Sie haben mir gezeigt, wie man sich schützt.

Sie waren im Kindergarten vermutlich nicht sonderlich beliebt?

Ich war kein Schläger, keiner, der andere schikaniert. Aber ich musste in der Schule manchmal nachsitzen. Sie wissen ja, wie es in der Schule so läuft.

Sie haben Baseball gespielt und Basketball, bevor Sie sich für Eishockey entschieden. Und Sie haben auch geboxt?

Ja, ich habe ein bisschen was gemacht. Einer meiner Kumpel zu Hause kämpft in der UFC (Ultimate Fighting Championship, eine Mixed-Martial-Arts-Serie, Anm. d. Red.). Wir haben zusammen im Hinterhof trainiert. Ich wollte mich auf die NHL vorbereiten. Ich wusste, ich würde dort kämpfen müssen. Und ich wollte mich verteidigen können.

Als Sie nach München kamen, wurden Sie vorgestellt als "der neue Sheriff in der Stadt" - einer wie Wyatt Earp: erst schießen, dann fragen.

Das Körperspiel ist nun mal meine Sache. Die Zuschauer sehen es gern, wenn man einen harten Check fährt. Ich habe auch früher schon so gespielt. Ich denke, die Fans hier mögen meine Art zu spielen.

In Ihrem ersten Heimspiel mit dem EHC München gegen die Adler Mannheim haben Sie Denis Reul - 1,94 Meter, 103 Kilo - den Unterkiefer gebrochen. Wollten Sie gleich mal Ihr Revier markieren?

Das ist eine schwierige Frage. Wenn du kämpfst, bist du völlig im Augenblick.

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