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Eishockey:Für den Moment gebrüllt

Eishockey, Herren, DEL, Saison 2020-2021, Straubing Tigers - EHC Red Bull München, 22.02.2021 Andrew Ebbett (Nr.25 - EHC

Die Favoriten obenauf: Münchens Zugang Andrew Ebbett begräbt in seinem ersten DEL-Spiel Straubings Marcel Brandt unter sich.

(Foto: Stefan Ritzinger/RS-Sportfoto/Imago)

Die Straubing Tigers verlieren das Derby gegen den EHC München in der Verlängerung. Die nächste knappe Niederlage steht für die unstete Saison der im Vorjahr noch so stabilen Niederbayern.

Von Johannes Kirchmeier

Als Sena Acolatse im letzten Drittel das 3:3 erzielte im niederbayerisch-oberbayerischen Eishockeyderby am Montagabend, da sah die Stadionregie die Zeit gekommen für ihr kleines musikalisches Statement. Sie legte die vom im Straubinger Stadtteil Alburg aufgewachsenen Kaberettisten und Musiker Hannes Ringlstetter verfasste Liebeserklärung an die Heimat ein: "Niederbayern", schallte es aus den Lautsprecherboxen durchs leere Eisstadion am Pulverturm, ein Zeichen neu gewonnener Stärke.

Der Kraftakt der Straubing Tigers nach dem zwischenzeitlichen 1:3 gegen den großen EHC Red Bull München schien sich gelohnt zu haben - und in einem solchen Augenblick ist verloren geglaubtes Selbstvertrauen schnell zurück. So war das auch beim stolzen Außenseiter, der im Vorjahr die Favoriten der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aufmischte, aber in der aktuellen Spielzeit nach dieser Galaform sucht. Das hat sich auch nach der Partie gegen München nicht verändert: 4:5 (1:2, 0:1, 3:1, 0:1) verloren die Gastgeber nach Verlängerung und verpassten so, auch ein Lebenszeichen im Playoff-Kampf zu senden. Das Straubinger Stadionregie-Statement verhallte schnell, es war nur Tigergebrüll für den Moment.

Der neue Torwart Mat Robson leistet sich erneut Unsicherheiten

Der Montagabend steht daher eben doch nicht fürs neue Selbstbewusstsein der Tigers, sondern für die unstete Saison. Erneut legten sie viel ins Spiel, kurvten aber auch erneut mit diesem einem Tor weniger als der Gegner vom Eis. In den vergangenen acht Partien passierte Straubing das sechs Mal, einmal verlor es noch 1:4 gegen Mannheim, einmal siegte es 5:1 gegen Schwenningen. Letztere Partie in der Vorwoche sei "die beste Saisonleistung" gewesen, lobte der Coach Tom Pokel, der auch nach dem Spiel gegen München sagte: "Ich bin glücklich." Er meinte damit die Leistung seines Teams - nur war die Aussage noch nicht beendet: Die Ausbeute stimme ihn halt doch wieder betrüblich. 39 Mal schoss seine Mannschaft aufs Tor, lediglich 20 Mal taten dies die effizienteren Münchner. Zudem leistete sich der neue Torwart Mat Robson erneut Unsicherheiten, er kann seinen stabilen Vorgänger Jeff Zatkoff, der im Herbst seine Karriere beendete, bislang nicht ersetzen.

Als eines der letzten Teams konnten sich die Niederbayern mit einer Saison ohne Fans arrangieren, fuhren daher als eines der letzten ihr Training wieder hoch - und es wirkt so, als könnten sie diesen Rückstand während der Spielzeit nicht mehr richtig aufholen. Sie bleiben auf Tabellenrang sechs der Süd-Gruppe und haben sechs Punkte Rückstand auf ihr Ziel: den Playoff-Rang vier, den Augsburg belegt.

"In den nächsten 14 Tagen werden wir sehen, wo es hingeht", sagt Sportleiter Dunham

Darin liegt ja auch so ein bisschen die Crux. Gegen Augsburg, den Fünften Schwenningen und den Siebten Nürnberg kämpfen die Tigers um diesen einen Playoff-Platz. Denn die finanzkräftigeren und bislang deutlich stabileren Mannschaften aus Mannheim, München und Ingolstadt scheinen uneinholbar weg zu sein. "In den nächsten 14 Tagen werden wir sehen, wo es hingeht. Wir müssen jetzt punkten, das ist so", sagt Jason Dunham, der Sportliche Leiter der Straubinger.

Dann stehen die letzten internen Duelle im Süden an - im Anschluss daran spielen alle Nordklubs noch je zweimal gegen alle Südklubs. Zuvor spielen die Niederbayern aber noch zweimal gegen Augsburg - am Freitag (20.30 Uhr) das erste Mal auswärts. Verlieren ist dann natürlich verboten, um dran zu bleiben. Aber da schließt sich ja direkt noch ein anderes Problem an: Bislang haben die Tigers in ihrem eigenen, frostig-kalten Eisstadion stark aufgespielt, aber bei den neun Auswärtsfahrten kehrten sie jedes Mal ohne Sieg zurück. Das ist selbstredend die schlechteste Bilanz der Liga. Der Freitagabend wäre also kein schlechter Zeitpunkt für ein niederbayerisches Zeichen.

© SZ/lein/and
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