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Eishockey: 42 Penaltys:Situationskomik und Küchenpsychologie

Während das Publikum singt: "Hey, was geht ab, wir schießen die ganze Nacht", denkt Derek Hahn sich ein Spiel gegen die umgreifende Langeweile aus - zusammen mit seinen Kumpels von der gegenüberliegenden Ersatzbank. Und das Spiel geht so: Die Spieler auf der Ersatzbank setzen sich nach und nach umgekehrt ihren Helm auf, in der Hoffnung dadurch zu treffen. Ein Aberglaube, der seinen Ursprung in der amerikanischen Baseball-Liga hat. Dort nennt man es "rally cap". Bringt auch nichts.

Nach dem 26. Penalty folgt der 27. Penalty; die Straubinger Fans reiben sich die Augen. "Wer steht da?", wundern sie sich im Kollektiv. "Der Draxinger." Tobias Draxinger, Verteidiger der Straubinger, schießt eigentlich in etwa so häufig aufs Tor wie Oliver Kahn zu seinen besten Offensivzeiten. Sein Trainer, Jürgen Rumrich, sagt, in diesem Moment habe er auf seinen Bauch gehört, "also mal den genommen, mal den genommen". Jetzt also den Draxinger. Der schießt einfach. Und trifft.

Der 28. Penalty, EHC-Center Christian Wichert läuft an, er weiß, der Puck muss an Dimitri Pätzold, dem Torwart der Straubinger vorbei. Sonst ist es vorbei für den EHC. Pätzold selbst muss, als er Wichert auf ihn zulaufen sieht, kurz an Tennis denken: "Ich komme mir vor wie bei einer US-Open-Night-Session, als ob es im fünften Satz 17:17 stehen würde." Wichert fährt nach rechts, schießt nach links, Pätzold taucht ab, hält nicht. Ausgleich. Alles auf Anfang. Großes Tennis.

Sebastian Osterloh, der Kapitän der Straubinger versucht EHC-Torwart Elwing mit Situationskomik zu überwinden, fährt acht mal zwischen der linken und der rechten Bande hin und her, bevor er abzieht. Er trifft nicht, sogar die Straubinger Bank lacht. Auch Situationskomik hilft nicht.

35. Penalty: Neville Rautert trifft. Andy Canzanello im 36. Versuch auch. Auf ein Wiedersehen. Denn: Beide Trainer holen die Küchenpsychologen aus sich heraus; sie lassen beim 37. und 38. Penalty wiederum Rautert und Canzanello antreten. Beide verschießen. Küchenpsychologie hilft auch nicht.

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