Eintracht Frankfurt:Nicht der einzige Eintracht-Profi, der sich Tatoo hat stechen lassen

Varela sagt hingegen, dass die Rötung der tätowierten Stelle nicht der Rede wert gewesen sei. Der Klub habe ihn zu einem Hautarzt geschickt, der mit der Eintracht zusammenarbeitet. Und dieser habe ihm bescheinigt, dass er "nichts" habe und auch einem etwaigen Einsatz nichts im Wege stehe. "Ich frage mich, was Real Madrid mit Sergio Ramos machen müsste. Der tätowiert sich jede Woche". Jenseits davon habe er sich als Profi nie etwas zuschulden kommen lassen, auch nicht in Frankfurt. "Ich kann mir nicht erklären, warum man mich so hart bestraft. Zudem bin ich nicht der einzige Eintracht-Profi, der sich vor dem Finale ein Tattoo hat stechen lassen. Aber nur ich wurde ans Kreuz genagelt, als ob ich gegen den Trainer handgreiflich geworden wäre oder mir sonst etwas geleistet hätte. Warum da verschiedene Maßstäbe angelegt werden, ist mir ein Rätsel", sagt der frühere uruguayische U-20-Nationalspieler Varela. Und: "Ich würde nie etwas machen, was meiner Mannschaft schaden würde".

Für ihn ist die Suspendierung vor dem Finale in vielfacher Hinsicht bitter. Zu Beginn der vergangenen Bundesliga-Saison hatte er einen Bänderriss im Sprunggelenk erlitten. Keine langwierige Sache, dachte man. Doch dann zog sich die Genesung auch deshalb hin, weil eine Schraube, die eingesetzt wurde, sich so verdreht hatte, dass er "höllische Schmerzen" hatte. Er musste ein zweites Mal auf den Operationstisch - nachdem er sich auf Bitten des Trainers für diverse Spiele hatte fitspritzen lassen. "Er brauchte mich, hat er gesagt. Ich habe für die Eintracht meine Gesundheit, vielleicht sogar meine Karriere aufs Spiel gesetzt. Ich wollte der Mannschaft und dem Trainer helfen", sagt er. Und versteht auch deshalb nicht, dass er nun wegen einer Lappalie wie der Rötung nach einem Tattoo suspendiert worden sei. Nachdem er in den letzten vier Ligaspielen insgesamt 265 Minuten auf dem Platz gestanden hatte - und auch im Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach (7:6 i.E.) mitwirkte. "Ich war körperlich endlich bei 100 Prozent", sagt er.

Er will in Deutschland bleiben

Daran, dass seine Zeit bei der Eintracht vorüber ist, dürfte nicht mehr zu rütteln sein, der Leihvertrag der Eintracht mit Manchester United läuft im Sommer aus. "Mein Manager hat mir vor Monaten erzählt, dass zwei Bundesligisten interessiert sind, mich für die kommende Saison zu verpflichten. Aber ich wollte nicht mal die Namen wissen, ich habe sie erst jetzt erfahren. Ich wollte bei der Eintracht bleiben", sagt Varela. "Mir gefällt es hier in Deutschland, ich mag die Atmosphäre in den Stadien, die Fans, alles."

Die Atmosphäre eines Pokalfinales hätte er sich gerne gegönnt, doch der Verein teilte ihm schriftlich mit, auf Englisch, dass er die Genehmigung habe, "sofort" nach Uruguay zu fliegen. Er sei über dies "eingeladen", dem Cup-Finale in Berlin beizuwohnen, in fetten Buchstaben und unterstrichen steht aber auch, dass er "nicht aufgefordert" sei, in die deutsche Hauptstadt zu reisen. Am Samstagabend aber wird er daher vor dem Fernseher sitzen und seinen Kameraden die Daumen drücken, "viele haben mich angerufen und mir gesagt, dass sie die Entscheidung nicht verstehen können. Für sie hoffe ich, dass mein Tattoo seinen Zweck erfüllt - und der Eintracht Glück bringt".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB