Fortuna Düsseldorf Gegen die emotionalen Regeln des Spiels

Bleibt er jetzt doch? Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel.

(Foto: dpa)

Warum die Aufregung um Trainer Friedhelm Funkel in Düsseldorf unnötig ist - und die Verantwortlichen der Fortuna mit ihrer Groteske ihre Jobs gefährden.

Kommentar von Christof Kneer

Dass die Wahrheit auffem Platz liegt, hat Otto Rehhagel so oft betont, dass viele Sprachforscher ihn für den Erfinder dieser wunderbaren Sentenz halten. In der jüngeren Literaturwissenschaft ist Rehhagels Urheberschaft allerdings umstritten. So ist sich eine andere Strömung sicher, dass das Copyright dem ehemaligen Trainer Adi Preißler gebührt, mit dem feinen Unterschied, dass die Wahrheit in diesem Fall auffem Platz is' (und nicht: liegt). Grundsätzlich liegt man aber nicht falsch, wenn man Rehhagel hinter vielen ewigen Weisheiten vermutet, zumindest hinter denen, die nicht von Uli Hoeneß stammen.

Von Hoeneß stammen angeblich: The trend is your friend. Und: Die Tabelle lügt nicht (zwar wird Weisheit zwei von fundamentalistischen Splittergruppen Felix Magath zugeschrieben, der aber eher "Qualität kommt von Qual" erfunden hat).

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Von Friedhelm Funkel sind keine Klassiker überliefert. Er sagt halt, dass man ein Tor mehr schießen müsse als der Gegner, und wenn einer seiner Spieler mal drei Tore gegen die Bayern schießt wie zuletzt der Spieler Lukebakio, dann sagt Funkel, dem müsse man "Bleischuhe anziehen, damit er nicht abhebt". Solche Sachen eben. Achtziger-Jahre-Sprech.

Funkel, 65, ist ein Kind der Bundesliga, wie Rehhagel wohl sagen würde, über Robert Schäfer würde er das nicht sagen. Schäfer gehört zu jener schicken neuen Generation an Funktionären, denen man mitunter ein Paar solide Bleischuhe empfehlen würde, damit sie den Respekt vor den ewigen Wahrheiten dieses Spiels nicht verlieren. Unter Schäfers Führung hat sich Fortuna Düsseldorf in geradezu bestürzender Albernheit an zwei Grundweisheiten versündigt. The trend is your friend. Die Tabelle lügt nicht.

Neun Punkte hat die Fortuna aus den jüngsten drei Spielen geholt, in der Tabelle hat sich der Aufsteiger Richtung hinteres Mittelfeld vorgekämpft: Für Schäfer Anlass genug, Funkel öffentlich das Vertrauen für die nächste Saison zu entziehen. Man darf als Fortuna-Boss übrigens durchaus zu dem Schluss kommen, dass der Elf in Zukunft vielleicht ein modernerer Trainer-Ansatz gut täte; das aber ausgerechnet jetzt zu tun, grenzt an Hausfriedensbruch. Ohne Not haben Schäfer und der neue Sportchef Lutz Pfannenstiel jene Welle gebrochen, auf der die Fortuna durch den Winter gesurft ist.

Nun soll Funkel seinen Vertrag plötzlich doch verlängern, und wenn man es freundlich sieht, dann haben Schäfer und Pfannenstiel mit ihrer jähen Kehrtwende gezeigt, dass sie verstanden haben: Einen Traditionsklub kann man nicht gegen die Fans, gegen die emotionalen Regeln des Spiels und gegen die Wahrheit auffem Platz führen. Sieht man es weniger freundlich, dann haben sie höchstens verstanden, dass sie mit dieser Groteske ihre eigenen Jobs gefährdet haben.

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