Drogenproblem im englischen Fußball Kiffen, koksen, trinken

Im Mutterland des Fußballs gibt es nicht nur Probleme mit der Alkoholsucht von Spielern, sondern auch mit anderen Drogen: Laut einem TV-Bericht haben mehr als 40 britische Fußballer Kokain geschnupft oder Cannabis geraucht. Doch der Verband FA verzichtet weitgehend auf die Nennung von überführten Sündern - mit einer interessanten Begründung.

Von Thomas Bierling

Britische Fußballer haben selten zu Vorbildern getaugt. Die nordirische Legende George Best starb im Alter von nur 59 Jahren an den Folgen einer Lebertransplantation. Der Alkohol hatte seine Leber zerfressen, aber selbst nach der Transplantation konnte er nicht aufhören zu trinken. Kurz vor seinem Tod ließ er seinen letzten Tipp übermitteln: Sterbt nicht wie ich.

Der einzige Spieler, dessen Kokain-Konsum nun öffentlich ist: der frühere Profi von Birmingham City, Garry O' Connor (links).

(Foto: dapd)

Der Alkohol stellt ein großes Problem im britischen Fußball dar. Nicht in allen Fällen so dramatisch wie bei Best oder Paul Gascoigne, der ebenso mit seiner Alkoholsucht kämpft. Aktuell rüffelt Nationaltrainer Fabio Capello den erst 22-jährigen Stürmer Andy Carroll öffentlich für sein Trinkverhalten. "Er muss sich bessern und weniger trinken", sagte Capello.

Aber der Alkohol ist nicht die einzige Droge, die dem britischen Fußball zu schaffen macht: Neben dem Umgang mit Alkohol steht eine Diskussion über den Umgang mit Kokain, Cannabis und Amphetaminen bevor.

Wie der britische Fernsehsender Channel 4 berichtete, soll der englische Fußballverband FA den Drogenkonsum von mehreren Profisportlern verheimlicht haben. Der Fernsehsender gab bekannt, dass ihm eine Liste mit Namen von ehemaligen und noch aktiven Fußballern vorliege, die in den vergangenen acht Jahren positiv auf verbotene Substanzen getestet wurden. Aus rechtlichen Gründen nannte er aber nur einen Namen: den des 29-jährigen Stürmers Garry O'Connor vom schottischen Erstligisten Hibernian FC.

In der Saison 2009/2010 soll er positiv auf Kokain getestet worden sein, als er noch für Birmingham City aktiv war. Der Kokainmissbrauch fand während einer langwierigen Leistenverletzung statt - die zweimonatige Sperre des Verbandes fiel daher nicht weiter auf. 2006 war er für 2,4 Millionen Euro von seinem Heimatverein Hibernian FC zu Lokomotive Moskau gewechselt, nach zwei Jahren in Russland ging er für vier Millionen Euro Ablöse zu Birmingham City. Trotz dieser Ablösesummen ist O'Connor aber eher unbekannt.

Sorgen um die Rehabilitation

Neben O'Connor sollen laut dem Fernsehsender 42 weitere Spieler positiv auf Drogen getestet worden sein. Dass die Vorfälle erst jetzt bekannt werden, hat mit der Politik des englischen Verbandes zu tun. Laut der FA werden die Namen nicht veröffentlicht, um die größtenteils jungen Spieler zu schützen. Sie sollen die Möglichkeit haben, sich nach einem Vergehen mit sogenannten Party-Drogen wie Cannabis oder Kokain zu rehabilitieren. Auf ihrer Website verteidigt sich die FA, dass die Vergehen nicht unter die Bestimmungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) fallen, und deswegen nicht gemeldet werden müssten.

Für die Meldepflicht der Wada ist die Art der Substanz entscheidend. Handelt es sich um leistungssteigernde Mittel wie Anabolika oder Erythropoetin (Epo), muss die Wada informiert werden, egal, ob sie im Training oder im Wettkampf nachgewiesen werden. Drogen wie Kokain oder Cannabis müssen im Fußball dagegen nur gemeldet werden, wenn der Test bei einem Wettkampf positiv ausfällt. "Der Nachweis einiger Party-Drogen wie beispielsweise Cannabis stellt nur unter Wettkampfbedingungen einen Verstoß dar", erklärte Berthold Mertes, der Sprecher der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland (Nada).