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Bundesliga:Die seit langem beste BVB-Niederlage in München

Bundesliga - Bayern Munich v Borussia Dortmund

Maßgeblich am Dortmunder Aufschwung beteiligt: Torjäger Erling Haaland (r.).

(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Trotz des 2:4 bestätigt Borussia Dortmund bei den Bayern den positiven Trend der vergangenen Wochen. Der Aufschwung ist aber auch bitter nötig - kurzfristig in der Liga und langfristig im Duell gegen Leipzig.

Kommentar von Martin Schneider

Es hat den BVB wahrlich schon schlimmer getroffen im Münchner Norden. Vor dem Spiel lautete das Torverhältnis der jüngsten fünf Bundesliga-Duelle in Fröttmaning - Achtung - 24:2. Oder nach Spielen seit 2015 aufgeschlüsselt: 5:1, 4:1, 6:0, 5:0 und 4:0. Das ist für ein sogenanntes "Spitzenspiel" eine absolut desaströse Zahlenreihe, weil sich eine solche Partie ja dadurch definiert, dass zwei Top-Teams aufeinandertreffen. Das aktuelle 4:2 macht die Statistik auf den ersten Blick nicht besser, aber während die anderen Spiele auch wirklich die Abreibungen waren, die sich in den Zahlen widerspiegeln, war das Spiel vom Samstagabend in den vergangenen Jahren die mit Abstand beste BVB-Niederlage in München. So komisch sich das liest.

Ja, Dortmund war in der zweiten Halbzeit weitgehend chancenlos und nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Erling Haaland offensiv weitgehend nicht mehr existent. Und nein, die Niederlage lag nicht an der einen Entscheidung von Schiedsrichter Marco Fritz, das Tackling von Leroy Sané gegen Emre Can nicht abzupfeifen. Aber Dortmund reiste ohne drei Leistungsträger nach München (Sancho, Guerreiro, Reyna), verlor mit Haaland den besten Spieler und musste unter der Woche ein kräftezehrendes Pokalspiel gegen Mönchengladbach bestreiten - der FC Bayern hatte frei, weil aus dem Pokal schon ausgeschieden.

Dortmunds Aufschwung ist da, aber er ist auch bitter nötig

Man muss bei Dortmund in dieser Saison sehr vorsichtig sein mit Prognosen, die Mannschaft hat in der Bundesliga die mit Abstand größte Leistungsspanne, zwischen Gemälde und Gewürge ist alles drin, aber angesichts des Weiterkommens im Pokal, des Sieges in der Champions League und nun des anständigen Spiels gegen die Bayern kann man den Gedanken zulassen, dass die Führungsspieler Marco Reus und Mats Hummels sich etwas dabei gedacht haben, als sie nach den Graupenspielen gegen Freiburg und Hoffenheim mit Nachdruck um Vertrauen für den neuen Trainer baten.

Dortmund befindet sich nun in einer interessanten und teilweise paradoxen Situation. Frei nach Uli Hoeneß ist der Trend schon irgendwie ihr Friend - aber Fakt ist, dass in der Liga Platz sechs aktuell viel zu schlecht ist. Der Aufschwung ist da, aber er ist auch bitter nötig. Alles außer einer Qualifikation für die Champions League wäre mit dem Kader eine Enttäuschung. Sollte das gelingen, würde es trotzdem Edin Terzic als Erfolg angerechnet werden - jenem Trainer, den man im Sommer dann durch Marco Rose ersetzen wird, der wiederum mit Borussia Mönchengladbach gerade dabei ist, alle Saisonziele zu verspielen.

Der BVB muss dennoch irgendwie unter die ersten Vier kommen. Wer noch Zweifel daran hatte, dass RB Leipzig die Transformation zum Spitzenteam gelingt, dem wird spätestens jetzt das Gegenteil bewiesen. Das 3:0 in Freiburg war die vielleicht reifste Leistung der Rasenballsportler in dieser Saison - nach dem harten Pokalviertelfinale gegen Wolfsburg und vor dem nicht minder harten Champions-League-Achtelfinale gegen Liverpool.

Langfristig scheiterte der BVB zwar, die Bayern herauszufordern, fiel aber vergleichsweise weich auf einen sicheren Champions-League-Platz. Mit Leipzig wird die Spitze enger, Fehler werden härter bestraft. Aber noch hat Dortmund den Bonus der vergangenen zehn Jahre. Was man allein daran merkt, dass mit "Spitzenspiel" trotz der desaströsen Ergebnisse und des Tabellenstandes eigentlich immer noch Bayern gegen Dortmund und nicht Bayern gegen Leipzig gemeint ist.

© SZ
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