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Doping:"Seine Beweise werden das Regime nicht stürzen"

Das war Walsh, zumal der hohe Insider angab, vertrauliche Dokumente zu verbotenen Substanzen und Korrespondenzen etwa mit dem Nationalen Olympischen Komitee zu besitzen. Kamajews Herztod beendete das Projekt, ehe es begann. Rodschenkow aber, dem Fogel da bereits zur Ausreise verholfen hatte, schlug das Ableben der Ex-Kollegen so auf den Magen, dass er in den US-Medien auspackte. Und gegenüber Fogel. Wobei er, so die gängige Vermutung, nicht alles Wissen in die Untersuchung des Sonderermittlers McLaren gesteckt habe.

Aus der Erwartung, dass Rodschenkow bisher unbekannte, noch weitergehende Vorwürfe und Dokumente zum staatlich orchestrierten Betrugssystem präsentieren könnte, speist sich die große Anspannung vor der Premiere. Auch im Kreml, der, wie Englands Presse spekuliert, in Alarmstimmung versetzt sei. "Quellen im Kreml-Dunstkreis sagen, dass Putin und einige seiner engsten Minister mit Sorge darauf schauen, was Rodschenkow sagen wird", berichtete die Mail on Sunday und prophezeit: "Seine Beweise werden das Regime nicht stürzen, aber Köpfe könnten rollen."

Kronzeuge Rodschenkow spricht erstmals selbst

Licht könnte Rodschenkow nun in drei Themenkreise bringen, die der vom Internationalen Olympischen Komitee dirigierte Sport bisher trickreich abzudunkeln versucht. Auch Ermittler McLaren hat dazu einen irritierenden Beitrag geleistet. Sein Report ist eine enorme Betrugsdokumentation mit erschöpfender Detailfülle, zugleich aber verschleiert er die Rolle der Kernverantwortlichen. Das im ersten Report im Juni konstatierte Staatsdoping mildert McLaren in Report zwei von Dezember explizit ab auf eine nur "institutionelle Verschwörung" - eine an der, Achtung: Sportministerium, Geheimdienst FSB, Kontrolllabor und Anti-Doping-Agentur beteiligt waren.

Nun also der Film zum Fall. Kronzeuge Rodschenkow spricht erstmals selbst. Das könnte all die Schutzbehauptungen der russischen Sportführung und ihrer olympischen Bundgenossen zum Einsturz bringen: Dass das russische NOK und Sportminister Witali Mutko, heute Vizepremier und Vorstand des Fußball-Weltverbandes Fifa, nie was mitgekriegt hätten von dem, was Ministeriale und NOK-Angehörige damals trieben. Und dass natürlich der Fußball völlig außen vor ist - für den McLaren allein 33 Verdachtsfälle auflistet. Brechen diese Pfeiler, wäre der vom IOC formalistisch verriegelte Weg für eine Kollektivsperre der Russen für die Spiele frei, etwa für den Winter 2018 in Pyeongchang. Weist Rodschenkow gar konkret Verwicklungen Mutkos nach, müsste der Herr über Russlands Fußball und die WM 2018 stürzen - weil ihn dann die Fifa-Ethiker sperren könnten. Das allein würde Thema drei schwer beschädigen, das wichtigste aus Sicht des Kreml: das WM-Turnier 2018. Auf das die ganze Welt schauen wird.

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