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DFB:Der Mann, der die Zukunft des deutschen Fußballs lenkt

Meikel Schönweitz

Meikel Schönweitz, 38, begann seine Trainerkarriere im Profifußball 2010 bei der U17 des FSV Mainz 05 - und wechselte im Sommer 2014 zum DFB.

(Foto: Oliver Killig/dpa)
  • Meikel Schönweitz - gerade mal 38 und kaum in der Öffentlichkeit bekannt - ist einer der einflussreichsten Männer im DFB.
  • Als sportlicher Leiter ist er inzwischen für den gesamten DFB-Nachwuchs bis zur U21 zuständig.
  • Nach der verkorksten WM in Russland hat er sich nun auf die Suche nach einem neuen Spielertypus gemacht.

Meikel Schönweitz ist jemand, der sich gerne daran erinnert, wo er herkommt. Lässt sein Job ihm die Zeit, was nur selten der Fall ist, dann fährt er nach Geinsheim in Hessen. Dorthin, wo er selbst den Fußball lieben lernte, ihn studierte und im Alter von 14 Jahren als Trainer ein Jugendteam übernahm. Dort, wo heutzutage die erste Mannschaft des SV 1907 Geinsheim in der achten Liga kickt und die Spieler nie ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von innen gesehen haben.

Diese "Besuche an der Basis", wie Schönweitz die Heimatausflüge nennt, macht er immer wieder, um nicht den Blick auf den Amateurfußball zu verlieren. Doch eigentlich ist Schönweitz' Geschäft das komplette Gegenteil. Er lenkt nichts Geringeres als die Zukunft des deutschen Fußballs. Das mag übergroß und wenig konkret klingen. Und dennoch ist dieses Thema nach dem krachenden WM-Aus in Russland für Schönweitz gegenwärtig wie noch nie.

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Sportdirektor Hansi Flick lotst Schönweitz zum DFB

Innerhalb von etwas mehr als vier Jahren ist Meikel Schönweitz - gerade mal 38 und kaum in der Öffentlichkeit bekannt - einer der einflussreichsten Männer im DFB geworden. Dabei war Schönweitz bis 2014 noch ein gewöhnlicher Jugendtrainer bei Mainz 05. Seine Erfolge mit der U17 waren achtbar, aber nicht herausstechend. Doch dahinter steckte mehr. "Wenn er seine Teams gecoacht hat, war seine klare Handschrift zu sehen". sagt Volker Kersting, Leiter des Mainzer NLZ, über seinen einstigen Kollegen. Und dann rief der damalige DFB-Sportdirektor Hansi Flick an.

Plötzlich hatte Meikel Schönweitz das Angebot auf dem Tisch, als U15-Trainer beim DFB anzufangen, und noch ehe er richtig beginnen konnte, bot Flick ihm mehr an. So wurde Schönweitz zusätzlich eine Art Assistent des Sportdirektors als sportlicher Leiter der U15 bis U17 - ein Moderator, der nicht nur mit dem DFB-Nachwuchs in den entsprechenden Altersklassen kommunizierte, sondern auch mit Vereinen, Scouts und Landesverbänden. Seitdem stapeln sich bei Schönweitz jedes Jahr die neuen Arbeitstitel. Als sportlicher Leiter ist er inzwischen für den gesamten DFB-Nachwuchs bis zur U21 zuständig. Auch als Trainer ist Schönweitz aufgestiegen: Heute betreut er die U20 Deutschlands.

An einem Montag Anfang November trifft Schönweitz in einem Hotel im Münchner Osten ein. Zeit zu haben, um mit ihm zu reden, ist derzeit eher eine Ausnahme, die restlichen Wochen sind voller Termine. Zu verhandeln gilt es die Nachwehen der WM 2018 - der DFB schüttelt sich wie seit dem legendären Umbruch zur Jahrtausendwende nicht mehr. Und Schönweitz bekommt es in seiner Doppelfunktion als U20-Trainer und Funktionär zu spüren.