DFB-Torschütze Marco Reus:Perle für den Rest der Welt

Lange war Marco Reus das schönste Versprechen aus dem Ausbildungsbetrieb des deutschen Fußballs - beim 4:2 gegen Griechenland krönt er seine Leistung mit einem spektakulären Treffer. Damit ist der Neu-Dortmunder in der Hierarchie der deutschen Mannschaft weit nach oben gerutscht.

Thomas Hummel

Nach 23 Minuten hatte sich bereits die Hierarchie verschoben auf dem Rasen des Danziger Stadions. Bastian Schweinsteiger führte den Ball, der Ersatzkapitän und Mittelfeldregent, er führte ihn und führte ihn. Zwanzig Meter weiter vorne stand Marco Reus, DFB-Frischling aus Mönchengladbach, und breitete wartend die Arme aus. Hey, spiel mich an! Als Schweinsteiger nicht reagierte, klatschte Reus gar laut vernehmlich in die Hände. Mann, jetzt spiel' endlich! Doch Schweinsteiger spielte nicht, es war schon zu spät, auch die Griechen hatten das Klatschen gehört.

Quarter Final Germany vs Greece

Torschütze zum zwischenzeitlichen 4:1 - Marco Reus.

(Foto: dpa)

Dabei hätte er gerade in dieser Phase des Spiels blindlings den Ball auf Reus passen können. Rund um die 25. Spielminute hatte der 23-Jährige in diesem EM-Viertelfinale gegen Griechenland mehr gute Szenen als Schweinsteiger im ganzen Spiel. Einmal passte er zusammen mit Miroslav Klose und Mesut Özil den Ball direkt, die griechische Abwehr kam weder mit den Augen noch mit den Beinen hinterher, doch Özil scheiterte am Torwart.

Eine Minute später stand Reus frei am Elfmeterpunkt, doch er konnte sich nicht entscheiden zwischen Torschuss und Vorlage, der Ball trudelte links vorbei. Beim nächsten Angriff war Reus wieder frei durch, traf aber nur die Fahnen der Fans hinter dem Tor.

Obwohl Joachim Löw in diesem Moment draußen einen kleinen Veitstanz vor Ärger aufführte ob der vergebenen Chancen, wusste nun auch der letzte Zuschauer auf dem Globus, warum er in diesem wichtigen Spiel einen international Unbekannten auf das Feld geschickt hatte. Und dafür Thomas Müller rausnahm, den doch jeder von der WM in Südafrika kennt oder vom Champions-League-Finale in München.

Dass die Fußball-Weltöffentlichkeit nicht schon früher auf Marco Reus aufmerksam geworden war, war indes weniger dem Bundestrainer anzulasten. Lange war Reus schon das schönste Versprechen aus dem Ausbildungsbetrieb des deutschen Fußballs gewesen. Die Liga staunte über das schnelle, junge Borussia Mönchengladbach, und sie staunte über den schnellen, jungen Reus. Auch Löw staunte ein bisschen und holte das 70-Kilo-Leichtgewicht mit den schnellen Beinen in die Nationalmannschaft. Die ersten vier Einladungen musste Reus aber zurückweisen, weil er sich kurz zuvor verletzt hatte.

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