DFB-Team Löws Botschaft: Jetzt seid ihr dran!

Marco Reus (li.) und Thomas Müller: Gebeutelt vom WM-Aus

(Foto: AP)

Der Bundestrainer hat sein sportlich-pädagogisches Versagen bei der Fußball-WM in Russland eingestanden. Nun soll die Mannschaft zeigen, was sie besser machen kann.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Die WM hat vieles gezeigt, zum Beispiel die diversen Stilformen, sich aus der Nationalmannschaft zu verabschieden. Variante 1 (Der Beleidigte) wurde bereits vor dem Turnierstart vorgeführt, und zwar von Sandro Wagner, 30. Im Zorn über seine Nichtnominierung verkündete der Reservestürmer des FC Bayern, den Bundesadler für immer abzulegen. Die Frage bleibt, ob das überhaupt geht, so ein polternder Rücktritt, wenn die internationale Laufbahn eigentlich noch gar nicht begonnen hat mit gerade acht Länderspielen. Ganz anders liegt der Fall bei Variante 2 (Der Veteran), die Mario Gomez, 33, wählte. Gomez erklärte jüngst seinen Rücktritt, öffnete aber die Hintertür: Er sei gesprächsbereit, sollte festgestellt werden, dass seine Erfahrung aus 78 Länderspielen mit 31 Toren doch noch mal benötigt werde.

Variante 3 (Der Spezialfall) bedarf sicher noch der präzisen Aufarbeitung. Denn zunächst ist es einfach nur bedauerlich, wie die Beziehung gekappt wurde von Bundestrainer Löw zu Mesut Özil, 29, mit dem er Weltmeister wurde, als dessen loyaler Förderer er immer galt. Özil hatte Löw zwar ausgeklammert, als er und seine Berater sich unter dem Kollektivvorwurf "Rassismus" nach der WM vom Deutschen Fußball-Bund distanzierten, aber zu einem Kontakt kam es seither nicht.

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Da dazu ein Handygespräch genügt, bleibt die komplette Motivlage weiter unklar. Begegnen könnten sich beide womöglich rund um die Kandidatur zur Europameisterschaft 2024, die bald schon, am 27. September, vergeben wird, und in der Özil als Repräsentant der türkischen Bewerbung und Löw als Repräsentant der deutschen erwartet werden.

Die Aufarbeitung von Misserfolgen ist immer schmerzhaft, aber sie kann auch wie in Variante 4 (Der Souveräne) erfolgen. Sami Khedira, 31, war sicher einer der Verlierer der WM, er fand keine Kontrolle übers deutsche Mittelfeld, das ihm anvertraut war. Folglich hat ihn Löw informiert, dass er für den Neustart, das Länderspiel am 6. September gegen Frankreich in München, nicht berücksichtigt werde. Khedira, so Löw, sei zwar tief enttäuscht, aber er wolle sich bei Juventus Turin empfehlen. Denn, so sei Khediras Auffassung: Aus einer Nationalmannschaft könne man gar nicht zurücktreten, dafür werde man bestenfalls nominiert.

Gewiss, da gibt es Ausnahmen, die Varianten 2 (Der Veteran) und 3 (Der Spezialfall) sind zu akzeptieren. Dennoch nutzt Löw die Haltung Khediras auch zur internen Botschaft. Gerade jetzt, da es nicht genügend begabtes Personal gibt, um mit einem radikaleren Austausch den Willen zum Neustart zu demonstrieren. Im Weltmeisterland Frankreich gibt es mehr Talent, vermisst wird im neuen, alten Löw-Team kaum jemand. Löws Botschaft vom Mittwoch lautet deshalb: Ich, der Trainer, habe mein sportlich-pädagogisches WM-Versagen eingestanden - jetzt seid ihr dran! Zu verlieren haben wir gemeinsam eh nicht mehr viel.

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