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DFB-Pokal:"Seid ihr denn des Wahnsinns?"

1. FC Magdeburg - Eintracht Frankfurt

Lust auf Stress: Eintracht-Anhänger beim Pokalspiel in Magdeburg.

(Foto: dpa)
  • Das DFB-Pokalspiel beim Drittligisten 1. FC Magdeburg wird von Ausschreitungen der Fans von Eintracht Frankfurt überschattet.
  • Zu Beginn der zweiten Halbzeit fliegen gezielt Feuerwerkskörper in einen Magdeburger Block.
  • Nach dem Spiel tun sich die Eintracht-Funktionäre schwer, klare Worte zu finden.

Das Spiel war vollendet, was schon bemerkenswert genug war, da sorgten die Bundesliga-Profis von Eintracht Frankfurt noch für ein verstörend idyllisches Bild. Soeben hatten sie das Erstrunden-Pokalspiel beim Drittligisten 1. FC Magdeburg 4:3 nach Elfmeterschießen gewonnen (nach der Verlängerung hatte es 1:1 gestanden), als sie zu dem Block wanderten, in dem die Anhänger ihres Klubs standen. Fans und Profis beklatschten sich gegenseitig, so wie es heutzutage üblich ist in deutschen Stadien, fraglos auch, um sich gegenseitig Dank zu sagen. Und genau das war das Verstörende: Angesichts der Vorfälle, die sich kurz zuvor ereignet hatten, war der Dank an die Fans von kurioser Generosität.

Gewiss: Sie hatten die 429 Kilometer lange Reise von Frankfurt an die Elbe auf sich genommen und die Unterstützung geliefert, die man von Fans erwartet. Andererseits: In eben diesem Block wurde eine Idee geboren, die mindestens auf die körperliche Unversehrtheit von Magdeburger Fans abzielte und maximale Schäden mindestens billigend in Kauf nahm.

"Ich hatte da auch ein bisschen Angst", sagt Frankfurts Torwart Hradecky

Zu Beginn der zweiten Halbzeit waren im Frankfurter Block "Nebeltöpfe" gezündet worden, aus dem Schutz dunkler Schwaden heraus flogen dann gezielt Feuerwerkskörper in einen benachbarten Block, der als ein im Zweifel von Familien besuchter Bereich des Stadions gilt. Am Sonntag war er allerdings zum Teil von erkennbar auf Krawall gebürsteten Magdeburgern in Beschlag genommen worden, aber das nur am Rande. "Mein Gott, da sind Kinder drin!", rief der Stadionsprecher des FCM ins Mikrofon, als die Feuerwerkskörper flogen, "seid ihr denn des Wahnsinns?" Die Lage eskalierte weiter.

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Auf der gegenüberliegenden Seite versuchten Magdeburger Hooligans, auf den Platz zu gelangen, um den Frankfurter Block zu stürmen. Die Bereitschaftspolizei strömte auf den Rasen und trieb die teils vermummten Magdeburger wieder auf die Tribüne zurück, "ich hatte da auch ein bisschen Angst", sagte später Frankfurts Torwart Lukas Hradecky, der die Eintracht im Spiel hielt und beim Elfmeterschießen mit zwei abgewehrten Penaltys Matchwinner wurde. Das Spiel ruhte da bereits; als das Chaos auszuufern drohte, schickte Schiedsrichter Markus Schmidt beide Teams sogar in die Kabine. Erst nach einer elfminütigen Unterbrechung konnte die nur ob des Willens der Magdeburger interessante Partie fortgesetzt werden.

Bemerkenswerter als die Qualität des Frankfurter Spiels ("Wir waren klar die schlechtere Mannschaft", sagte Eintracht-Trainer Niko Kovac) waren vor allem die Reaktionen der Funktionäre beider Klubs auf die Bambule. "Ich will das nicht thematisieren. Das gibt diesen Chaoten nur die Schlagzeilen, die sie nicht bekommen sollten", sagte FCM-Trainer Jens Härtel. Das war immerhin mehr, als Kovac sagen wollte, er verweigerte - wie Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner - jeden Kommentar. Manager Fredi Bobic wiederum betonte mit demonstrativer Gelassenheit, man wolle sich erst "in aller Ruhe zusammensetzen", um alles zu analysieren: "Es bringt jetzt nichts, mit dem Finger auf die eine oder andere Gruppierung zu zeigen."