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Pokal-Endspiel:Im Regen nassgemacht

DFB Cup - Final - RB Leipzig v Borussia Dortmund

Überragte zusammen mit Jadon Sancho alle: Dortmunds Stürmer Erling Haaland (Mitte, oben).

(Foto: Pool via REUTERS)

Im DFB-Pokalfinale gegen Leipzig krönt Borussia Dortmund die Serie großartiger Auftritte unter Trainer Edin Terzic und siegt 4:1 - Julian Nagelsmann tritt ohne Titel aus Leipzig ab.

Von Javier Cáceres, Berlin

Zwei Boten der Zukunft haben Borussia Dortmund am Donnerstagabend in Berlin den fünften Pokalsieg seiner Vereinsgeschichte beschert. Vor der dystopisch anmutenden Kulisse des pandemiebedingt verwaisten Olympiastadions degradierten die Dortmunder den Tabellenzweiten aus Leipzig mit 4:1. Die Boten der Zukunft waren der Engländer Jadon Sancho, 21, und Erling Braut Haaland, 20. Sie sorgten noch vor der Pause mit drei Toren für unwiderrufliche Klarheit - Haaland war es dann, der kurz vor Schluss für den Endstand eines Finales sorgte, das erst in der zweiten Halbzeit zu einem Duell auf Augenhöhe wurde und Dramatik verströmte.

Man hatte schon vor dem Endspiel geahnt, dass BVB-Interimstrainer Edin Terzic, 38, seinem Nachfolger (und designierten Chef) Marco Rose eine größere Hypothek hinterlassen würde. Ob gegen Sevilla, gegen Manchester oder gegen Wolfsburg - gerade in den großen Spielen vermochte es Terzic, seinem Team eine famose Partitur zu schreiben. Das Finale von Berlin gegen Leipzig reihte sich in die Serie großartiger BVB-Auftritte nahtlos ein. Sieht man von einem Schuss ab, den Alexander Sörloth nach schöner Vorarbeit von Dani Olmo in der 39. Minute an das Außennetz des Dortmunder Tores setzte, fanden die Leipziger in der ersten Halbzeit nicht eine einzige Lücke im akkurat zugeschnittenen Dortmunder Sicherheitsnetz, das Terzic designt hatte.

In den Stunden vor dem Finale hatte es bei den Leipzigern ein wenig Unruhe gegeben. Trainer Julian Nagelsmann verzichtete aus Gründen, die er am Vorabend nicht ausführen wollte, auf Linksverteidiger Angelino - und löste damit sogar Spekulationen um disziplinarische Verfehlungen aus. Allerdings hatte Angelino nach SZ-Informationen schon am Samstag im kleinen Kreis über Muskelbeschwerden geklagt, dem Vernehmen nach ist für ihn die Saison sogar beendet. Nagelsmann wartete dann mit zwei Überraschungen in der Aufstellung auf, die er zur Pause wieder korrigierte: Er bot Sörloth und den Koreaner Hwang Hee-chan auf, die nach der Pause Platz für Yussuf Poulsen und Christopher Nkunku machen mussten. Zur Pause hieß: als alles schon zu spät war.

Marco Reus ist brillant umsichtig

Der BVB war spürbar mit positiven Vibes auf den Platz gestürmt: Der zuletzt angeschlagene Erling Braut Haaland konnte nach zwei Spielen Verletzungspause wieder zurückkehren. Dieses Grundgefühl potenzierte dann Haalands kongenialer Partner Sancho. Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte durch den bissigen und im weiteren Spielverlauf brillant umsichtigen Kapitän Marco Reus landete der Ball über Mo Dahoud bei Sancho, der mit einem gefühlvollen Schlenzer aus 14 Metern die 1:0-Führung erzielte. Wobei ihm zugutekam, dass RB-Rechtsverteidiger Nordi Mukiele nicht einmal die Idee erkennen ließ, angreifen zu wollen.

Der Schock saß tiefer, als es der hohe Leipziger Ballbesitz erkennen lassen wollte. Keiner schien Verantwortung an sich reißen zu wollen oder zu können. Denn die Dortmunder verteidigten alles genauso konsequent und effizient weg wie sie dann vorm Leipziger Tor zuschlugen. Zum 2:0 traf Haaland, nachdem er den künftigen Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano im Strafraum mittels einer Körpertäuschung auf den Hosenboden gesetzt hatte (28.). Beim 3:0 war - nach einem von Haaland eingeleiteten Konter - wieder Sancho erfolgreich - nach einem Querpass von Reus.

Nach der Pause entwickelte sich ein Spektakel, das man im Lichte der ersten Halbzeit und des Zwischenstandes nicht mehr erwarten musste. In den ersten fünfzehn Minuten nach Wiederanpfiff sorgten die Einwechselspieler Nkunku und Poulsen mit drei Großchancen für mehr Alarm als die Spieler der Startformation in den ersten 45 Minuten. Je näher der Abgrund namens Finalniederlage rückte, desto tiefer drängten die Leipziger ihre Finalgegner gen eigene Torlinie.

Olmo haucht Leipzigs Spiel neues Leben ein

In der 71. Minute traf der ebenfalls spät (zu spät?) eingewechselte Emil Forsberg den Pfosten, Sekunden später hauchte Dani Olmo der Partie endgültig Leben ein. Er traf mit einem satten Linksschuss aus 20 Metern zum 1:3. Die Dortmunder mussten eine weitere gefährliche Szene überstehen: In der 82. Minute kullerte ein abgefälschter Schuss von Nkunku knapp am Dortmunder Tor vorbei. Dann vergab Sancho bei einem der wenigen Entlastungsangriffe eine grandiose Gelegenheit. Statt aus kurzer Distanz selbst aufs Tor zu schießen, versuchte er Haaland zu bedienen - doch sein Pass wurde abgefangen.

Leipzigs Torwart Peter Gulacsi wehrte noch einen Schuss von Reus ab - ehe Dortmund durch eines dieser klassischen, frappierenden Haaland-Tore das 4:1 erzielte. Der Norweger vereitelte am eigenen Strafraum einen Angriff der Leipziger, sprintete los und erhielt den Ball am gegnerischen Sechzehner. Er schoss sich selbst an, Gulacsi rutschte ins Leere, der Ball landete im Netz. Und das bedeutete am Ende auch, dass sich Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann ohne Titel Richtung München verabschieden wird.

© SZ/tbr
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