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RB Leipzig im DFB-Pokal:Rätsel um Angeliño

RB Leipzig - Istanbul Basaksehir

Einer der besten Torschützen und -vorbereiter Leipzigs: Angeliño.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Just vor dem Pokalfinale streicht RB-Trainer Julian Nagelsmann einen der wichtigsten Spieler aus dem Kader und nennt dafür keine Gründe. Das löst rund um den Klub Geraune aus.

Von Javier Cáceres, Berlin

Trainer Julian Nagelsmann klang höflich, bestimmt - und kryptisch genug, um Neugierde zu wecken. Völlig überraschend teilte er am Mittwoch mit, dass Linksverteidiger Angeliño, 24, am Donnerstag im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund nicht im Kader stehen werde. "Auf die genauen Gründe wollen wir jetzt nicht eingehen...", sagte Nagelsmann in der Pressekonferenz vor dem Spiel. Und löste damit einiges Geraune aus.

Von "disziplinarischen Gründen" sprach das Portal RB Live, bei Goal und in der Bild-Zeitung war umgehend und tendenziell milder von "sportlichen Gründen" die Rede. Angeliños Leistung beim letzten Bundesligaspiel in Dortmund habe Trainer Julian Nagelsmann missfallen, in den folgenden Trainingseinheiten habe Angeliño die Reaktion vermissen lassen, die sich der Coach nach der Auswechslung zur 75. Minute erwartet hatte. Derlei war auch bei RB Leipzig zu erfahren. Andere Spieler hätten sich am Vorabend des Finales von Berlin für einen Kaderplatz aufgedrängt, Angeliño nicht. Was einigermaßen verwundert: Ausgerechnet vor dem sentimental wichtigsten Spiel der Saison - einem Pokalfinale in Berlin - lässt sich Angeliño hängen?

Nach SZ-Informationen klagte Angeliño am Samstagabend, nach Leipzigs Niederlage bei Borussia Dortmund, bei Vertrauten über muskuläre Beschwerden. Er äußerte gar die Befürchtung, dass die Saison für ihn vorüber sein könnte. Ob er sich gegenüber seinem Vorgesetzten Nagelsmann derart offen zeigte, ist mindestens fraglich. RB Leipzig hat weder eine Verletzung kommuniziert noch auf Anfrage bestätigt.

Im Februar erlitt der Spanier eine schwere Muskelverletzung

Am Montag soll sich Angeliño in einer Unterredung mit dem künftigen Trainer des FC Bayern willens gezeigt haben, im Pokalfinale aufzulaufen. Am Dienstag nahm er auch am Abschlusstraining teil, beim Spiel elf gegen elf. Doch da agierte er offenbar so schlecht, dass Nagelsmann lieber verzichtete. Und damit auf einen Spieler, der in dieser Saison auf eine Ausbeute kam, die für einen Linksverteidiger formidabel ist (acht Pflichtspieltore), und der bei RB zu den fleißigsten Flankengebern zählt.

Unbestritten ist, dass Angelinos Formkurve zuletzt nicht mehr das Level der Hinrunde erreichte. Damals war er noch Leihspieler. Der Spanier hatte aber rasch so viele Einsätze beieinander, dass Leipzig ihn per Option bei Manchester City endgültig ablösen musste. Einen endgültigen Bruch in der Form Angeliños gab es, als er Ende Februar eine schwere Muskelverletzung erlitt, die von Kommunikationspannen begleitet war - und möglicherweise auch mit dem aktuellen Mysterium zu tun hat.

Angeliño widersprach dem Klub öffentlich

Damals hatte Angeliño für Aufsehen gesorgt, weil er der Darstellung des Klubs widersprach, im linken Oberschenkel unter einem "kleinen muskulären Problem" zu leiden. "Kein muskuläres Problem, ich bin fit", schrieb Angeliño in einem sozialen Netzwerk. Nagelsmann fühlte sich offenkundig düpiert - und war darüber auch erbost. Später erzählte Nagelsmann, dass man Angeliño auf Röntgenbildern aufgezeigt hatte, dass eine weitere Belastung ein veritables Desaster anrichten und ihn gar auf den Operationstisch schicken könnte. Angelino müsse lernen, mit Verletzungen umzugehen.

Nun gab es neue Missverständnisse rund um eine Verletzung im linken Oberschenkel Angeliños - nicht an der exakt gleichen Stelle wie Ende Februar, sondern etwas tiefer, was sich möglicherweise aus der Überlastung von Muskelpartien rund um die einst verletzte Stelle erklärt. Nach Lage der Dinge zwingt sie Angeliño zum vorzeitigen Saisonaus.

© SZ/schm/bek
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