DFB Grindel, Präsident zwischen allen Fettnäpfchen

DFB-Präsident Reinhard Grindel.

(Foto: dpa)

Bayern-Chef Rummenigge und andere suchen die Schuld für die verbockte WM bei "Amateuren" wie Reinhard Grindel. Damit wollen sie nur ablenken.

Kommentar von Thomas Kistner

Endlich gute Nachrichten in einem sehr bescheidenen WM-Sommer: Der Fußball hat seine Probleme knallhart analysiert. Ergebnis: Schuld an der Schieflage ist einzig und allein Mesut Öz ... - quatsch, schuld ist der deutsche Amateurfußballbetrieb. Ernsthaft!

Unfähige Amateure! Unter dem Motto formieren sich jetzt die Granden der Profibranche. FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge knöpft sich den fürs Amateurlager zuständigen DFB-Vize Rainer Koch vor, Liga-Chef Christian Seifert fordert unter dem Eindruck der Özil/Erdoğan-Affäre harte Strukturreformen beim DFB, auch der DFL-Präsident Reinhard Rauball klagt nun via Bild am Sonntag die Amateure an: "Wir benötigen eine klare Managementstruktur mit einem hauptamtlichen Vorstand, der in der Verantwortung steht." Aber Koch und Co. - die seien da leider harthörig.

Oh weh! Was ist da noch mal passiert in diesem Sommer? Haben die Amateurvertreter die Russland-Mission verbockt?

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Der Bayern-Boss sieht ein Problem darin, dass der DFB-Präsident ursprünglich aus der Politik kommt. Auch Özil kritisiert er mit deutlichen Worten - und es gibt Neues zu Benjamin Pavard.

Eher war es doch so: La Mannschaft, in der Profis überwiegend aus der Bundesliga kicken, hatte die WM von hinten aufgezäumt. Zwar lag das WM-Quartier Watutinki bloß einen Katzensprung vom Endspielort Moskau weg, war aber längst verwaist, als die Schlussrunde begann: Da ruhten The Best schon am Strand. Und das war der logische Abschluss einer recht, hoppla: amateurhaften Saison des Profibetriebs. Deutsche Klubs waren Kanonenfutter in Europas Wettbewerben, der FC Bayern, dem im Ligabetrieb rituell die Kehle hingestreckt wird, lief gegen jeden Gegner auf Grund, der aufs Münchner Gewohnheitsrecht pfiff: ob Real Madrid in der Champions League, ob freche Stuttgarter, die zum Saisonfinale in München gewannen; ob furchtlose Frankfurter, die den DFB-Pokal in ihrer Vereinsvitrine sehen wollten. Und die vielgerühmten Nachwuchszentren? Produzieren seit geraumer Zeit eher für die zweite Liga.

Auch die DFB-internen Fehler wurden von Profis gemacht

Der Eindruck, dass da zu viele Amateure am Werk sind, drängt sich tatsächlich auf, allerdings im Hinblick auf die Hauptamtlichen, die das aus der Spur geratene Business betreiben. Wer das bezweifelt, möge den Nationalelf-Protagonisten zuhören, die sich just aus dem Urlaub zurückgemeldet haben. Manuel Neuer und Thomas Müller fällt zur Gesellschaftsdebatte um Özil/Erdoğan nur konsequent Seichtes ein. Der Kapitän fand, das Thema sei "für die, die alles gelesen haben, sehr anstrengend" gewesen; Müller sieht viele Fehler und "eine heuchlerische Diskussion, die auch von den Medien getragen wird".

Wer das verbockt hat, wenn auch die Meinungsführer des Fußballs nach so langer Denkpause nur platte Phrasen feilbieten? Klar: die Amateure. Die Debatte, die der Profibetrieb da anschiebt, ist ein alter Hut und hat mit der Özil-Affäre nichts zu tun. Sie soll dem Publikum vorgaukeln, man gehe die Probleme an, und sie soll ablenken von den Defiziten in einer Profiwelt, die sich offenbar immer noch weltmeisterlich wähnt - eine Profiwelt, die dem Bundestrainer generös acht Wochen Zeit einräumt, um Probleme zu beheben, die er selbst verursacht hat.

Wenn diese Profis also nach ihrem WM-Desaster Strukturreformen wollen, sollten sie konkret darlegen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Zumal ja auch die DFB-internen Fehler von Profis gemacht wurden: von der sportlichen Leitung bis zum Pressestab, dem nun eine teure Agentur helfen muss. Übrigens, gewiss hat auch jemand unter den DFB-Ehrenamtlichen durch amateurhaftes Verhalten zur Schieflage beigetragen: Reinhard Grindel, Präsident zwischen allen Fettnäpfchen. Dass bisher niemand seinen Rücktritt gefordert hat, nährt den Verdacht, das Profilager verfahre nach dem Prinzip, nur ein schwacher Präsident sei ein guter Präsident. Nicht für den Fußball - aber für all jene darin, die das Wort Selbstkritik nicht kennen.

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