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DFB-Gegner Aserbaidschan:Die Schläger von Baku

Der Journalist Rasim Alijew liegt in einem Krankenhaus. Mehrere Rippen sind gebrochen, aber ein Interview mit dem Oppositionsfernsehen, das kann er ohne größere Probleme geben. Es gibt ein Video dieses Gesprächs, Alijew sagt, er habe Schmerzen trotz der Schmerzmittel, er kratzt sich dabei mit einer Hand am Kopf. Die Ärzte sagen, es sei nichts Lebensbedrohliches. Ein paar Stunden später ist er tot.

Alijew war einer der wenigen unabhängigen Journalisten in Aserbaidschan, und sein Tod hat mit dem Fußball zu tun. Am Sonntag spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft in Kaiserslautern gegen Vertreter des Landes am Kaspischen Meer, und einer der Gründe, warum Alijew sterben musste, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Platz stehen.

In Deutschland kennt man Alijews Geschichte, weil die WDR-Sendung "Sport inside" sie recherchiert hat. "Sport inside" ist eine investigativ-kritische Sportsendung. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten finden, dass Sonntagabend um 22:45 Uhr im Regionalprogramm ein angemessener Sendeplatz dafür ist, weswegen die Beiträge meist relativ wenige Menschen sehen. Aber diese Story ist bis zu Reinhard Grindel durchgedrungen. Am Samstag sagte der DFB-Präsident: "Dieser Vorgang ist unfassbar tragisch, das Leid der Familie unermesslich." Er wolle die Verbandsvertreter von Aserbaidschan beim offiziellen Essen darauf ansprechen.

Niemand weiß, warum der Journalist starb

Die Geschichte vom Tod Alijews beginnt mit einer türkischen Flagge. Der Klub FK Qäbälä aus Aserbaidschan spielt auf Zypern, und der Fußballer Jawid Hüseynow zeigt nach dem Spiel die rote Fahne mit Stern und Halbmond - auf der gespaltenen Insel eine Provokation. Nach dem Spiel spricht ihn ein Journalist darauf an, Hüseynow reagiert beleidigend. Alijew sieht ein Video der Beleidigung und schreibt auf Facebook: "Ich möchte nicht, dass so ein unverschämter und schlecht erzogener Fußballer mich auf den Fußball-Plätzen Europas repräsentiert."

Hüseynow liest diesen Beitrag und schreibt Alijew, er wolle sich mit ihm in einem Café am Stadtrand von Baku treffen. Alijew kommt, Hüseynow nicht - dafür dessen Cousin und eine Handvoll Schläger. Sie werfen Alijew auf den Boden, treten auf ihn ein, eine Überwachungskamera filmt die Szene. Alijew kann fliehen, kommt ins Krankenhaus und gibt sein letztes Interview. Dann stirbt er. Warum, weiß man nicht.

Die Justiz im autokratischen Aserbaidschan verurteilt den Cousin zu 13 Jahren Haft, den Fußballer Hüseynow zu vier Jahren Gefängnis. Nach 14 Monaten kommt Hüseynow aber wieder frei - ohne Angaben von Gründen. Im März spielt er bei der Partie gegen Deutschland erstmals wieder Fußball. Menschenrechtsaktivisten vermuten, dass Hüseynow Unterstützung von Oligarchen bekommen habe, der DFB-Präsident will es nun genauer wissen. Es müsse im Interesse der aserbaidschanischen Regierung liegen, deutlich zu machen, "warum es zu einer Verkürzung (der Haftzeit) gekommen ist", meinte Grindel.

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