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DFB-Frauen:Französische Lehrstunde

Frankreich - Deutschland

In die Mangel genommen: Sjoeke Nüsken versucht, sich im Stade de la Meinau gegen die Französinnen Grace Geyoro (links) und Lea Khelifi durchzusetzen.

(Foto: Jean-Francois Badias/dpa)

Im 0:1 gegen Frankreich sieht Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor allem eine Erfahrung, die ihre jungen Nationalspielerinnen weiterbringen soll.

Von Anna Dreher, Straßburg/München

Bis zu diesem Moment war es so gut gelaufen. Ballsicherheit, Tempo, gute Kombinationen - allein ein Treffer hatte dem deutschen Fußballnationalteam der Frauen im Länderspiel gegen Frankreich noch gefehlt. Aber dann kam dieser Pass von Amel Majri auf Kenza Dali, die mit dem Ball weg vom Tor rannte, bis sie schön viel Platz um sich hatte, um aus etwa 24 Metern wuchtig abzuschließen. Torhüterin Merle Frohms streckte sich, stand aber zu weit vorne. Und da war sie nun nach einer halben Stunde, die erste große Verunsicherung in Form des 0:1. Im Prinzip aber genau das, was auch Teil der Erfahrung aus dieser Begegnung sein sollte.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, 53, hatte vorab eine Absage nach der anderen erhalten. Etliche Stammspielerinnen meldeten sich erkrankt oder verletzt ab: Alexandra Popp, Dzsenifer Marozsán, Melanie Leupolz, Sara Däbritz, Lina Magull, Marina Hegering, Sara Doorsoun, Kathrin Hendrich. Und so ging es am Donnerstagabend im Straßburger Stade de la Meinau vor 2000 Zuschauern auch darum, im stark verjüngten Kader jene Spielerinnen genau zu beobachten, die sich als künftige Leistungsträgerinnen erweisen könnten, sowie ihre Reaktion auf Drucksituationen - wie einen Rückstand.

"Die Mannschaft muss lernen, Mut zu haben", sagt Voss-Tecklenburg

"Nach dem Tor haben wir Mühe gehabt. Da haben wir einen Aktionismus gezeigt, der uns nicht guttut, weil es dann unruhig geworden ist", sagte Voss-Tecklenburg. "Da hat die Erfahrung gefehlt. Es gab viele Situationen, wo junge Spielerinnen gemerkt haben, auf diesem Niveau geht es schneller, da hat man nicht so viel Zeit." Ihren zuvor dominant aufgetretenen Fußballerinnen unterliefen vermehrt Fehler, es mangelte an Ruhe, Präzision und Entschlossenheit, ein konsequenter Spielaufbau kam kaum noch zustande. Selbst Linda Dallmann, die das Team im offensiven Mittelfeld gut mitgezogen hatte, patzte nun - was in der 37. Minute beinahe zum 2:0 durch Grace Geyoro führte, dieses Mal reagierte Frohms stark.

Auch deutliche Worte der Bundestrainerin in der Pause zeigten wenig Wirkung, zumal die Französinnen den Druck und das Tempo weiter erhöhten. Erst nach und nach, auch durch Wechsel, fing sich das deutsche Team wieder. "Das sind Erfahrungswerte, die uns weiterbringen", sagte Voss-Tecklenburg. "Die Mannschaft muss lernen, Mut zu haben. Da wurde einiges anders gemacht, als wir es besprochen hatten. Aber niemand hat enttäuscht. Alle haben versucht, sich voll einzubringen." Bis zur letzten Partie vor der Sommerpause am Dienstag gegen Chile (15 Uhr, ZDF) hat ihr Team nun die Möglichkeit, weiter daran zu arbeiten.

© SZ/tbr
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