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DFB-Elf beim Confed Cup:Löws kleiner Konflikt

  • Die junge DFB-Elf merkt, dass sie beim Confed Cup mehr als konkurrenzfähig ist.
  • Joachim Löw plant die Aufstellung gegen Kamerun deswegen mit einem Hintergedanken. Es geht nicht mehr vor allem ums Experimentieren.

Joachim Löw ist eine globale Institution. Das hat nie jemand ernsthaft bezweifelt, aber es wurde einem nochmal bewusst, als auf der Pressekonferenz an der Schwarzmeerküste ein Reporter des brasilianischen Medienkonglomerats Globo fragte, wie Joachim Löw denn die Entwicklung des brasilianischen Fußballs nach "diesem Halbfinale" sehe. Löw musste grinsen, um dann die Entwicklung in Brasilien artig zu loben. Neu aufgestellt nach der 1:7-Demütigung gegen die DFB-Elf, bessere Ergebnisse, immer Mitfavorit bei einem Turnier, sagte der Bundestrainer sinngemäß. Der Reporter schien zufrieden zu sein.

Confed Cup "Magath und Löw habe ich am meisten zu verdanken"
Julian Draxler im SZ-Interview

"Magath und Löw habe ich am meisten zu verdanken"

Julian Draxler ist mit 23 Jahren der jüngste DFB-Kapitän bei einem großen Turnier. Warum er sich beim Confed Cup dennoch alt fühlt und warum ihm Felix Magath gutgetan hat.   Von Philipp Selldorf

Dem Bundestrainer sah man bei all seiner löwschen Entspanntheit am Tag vor dem letzten Gruppenspiel gegen Kamerun nicht an, dass da ein kleiner Konflikt heraufzieht unter der strahlenden Sonne von Sotschi. Löw hat ja unendlich oft betont, dass dieses Turnier zum Experimentieren da ist. Gewinnen, so die Aussage vor dem Auftaktspiel gegen Australien, sei nicht der Maßstab von allem. Nun hat er aber eine Mannschaft im Teamhotel sitzen, die gegen Chile endgültig gemerkt hat, dass sie trotz ihrer wenigen Länderspiele mehr als konkurrenzfähig ist. Wenn man gegen Vidal und Sanchez bestehen kann, warum soll dann nicht auch der Pokal drin sein?

Einige Spieler haben noch keine Minute absolviert

Spieler wie Leon Goretzka, Timo Werner oder Joshua Kimmich haben selbst bei diesem Turnier auf dem Platz eine Körpersprache wie junge Wölfe auf der Jagd, nun kommt ihr Ehrgeiz auch abseits des Platzes durch. "Wir gehen rein, um zu gewinnen", sagte Goretzka auf der Pressekonferenz zum Spiel gegen den Afrikameister. Kimmich ärgerte sich schon zuvor, dass sie Chile nicht geschlagen haben. Der Bundestrainer hat nun aber versprochen, dass hier jeder mal irgendwie zum Einsatz kommen soll. Was tun? Seine Hunde an die Leine legen? Alles für den Erfolg oder alles für die Ausbildung?

Denn das Weiterkommen ist zwar wahrscheinlich, aber noch nicht sicher. Und Kamerun ist ein Gegner, der Widerstand leisten kann. "Es wird das laufintensivste und körperlich anstrengendste Spiel", sagte Löw. Also kein Gegner, den man im Vorbeigehen wegfrühstückt. Aber was tun mit Spielern wie Kerem Demirbay, Amin Younes, Marvin Plattenhardt, Benjamin Henrichs oder Kevin Trapp, die noch keine Minute gespielt haben?

Younes habe gegen San Marino gespielt, Trapp gegen Dänemark im Tor gestanden, erklärte Löw und rechnete das WM-Qualifikationsspiel und das Freundschaftsspiel einfach in den Komplex "Confed Cup" mit ein. Ob aber Trapp zum Beispiel nach Leno und ter Stegen seine Einsatzzeit gegen Kamerun bekommen wird, da wollte sich Löw im Gegensatz zu den anderen beiden Partien, als er den Torhüter lange vorher bekannt gab, nicht festlegen. Er hat schon auch gesehen, dass ter Stegen gegen Chile vor allem mit dem Ball am Fuß sehr gut gespielt hat.