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Christian Seifert:Der Bundesliga-Chef hilft jetzt Turmspringern

Christian Seifert

Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, soll Aufsichtsratsvorsitzender der Sporthilfe-Stiftung werden.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Christian Seifert wolle dem Amateurfußball schaden, wurde im DFB-Machtkampf zuletzt geraunt. Dabei hat der Manager etwas ganz anderes vor - für Deutschlands Olympiasportler ist das eine gute Nachricht.

Kommentar von Claudio Catuogno

Die Frage, was der Sportmanager Christian Seifert, 52, nach seinem für 2022 angekündigten Abschied als Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) so vorhat, beschäftigte zuletzt nicht nur den Fußballbetrieb intensiv. Vor etwa einem Monat zum Beispiel erreichte Seifert eine schriftliche Anfrage des Spiegel. Dem Magazin lägen Hinweise vor, hieß es darin, dass Seiferts Abschied einem "größeren Plan" folge: "dem Wechsel (...) an die Seite einer Private Equity Firma, die mit ihrem Anleger-Kapital auf das große Geld im deutschen Fußball" ziele. Am Ende dieser mutmaßlichen Seifert-Rochade stehe dann womöglich "die Herauslösung der Kronjuwelen aus dem DFB: der Nationalmannschaften, Männer wie Frauen, und des DFB-Pokals". Was er, Seifert, dazu sage? Und damit nicht genug: Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Rainer Koch, so der Spiegel weiter, solle im Zuge des Machtkampfs an der DFB-Spitze "die Befürchtung geäußert haben", Seiferts DFL wolle "den DFB strukturell zerschlagen". Was er, Seifert, dazu sage?

Ein geharnischter Brief machte das Zerwürfnis mit DFB-Vize Rainer Koch offensichtlich

Nun, Christian Seifert sagte sinngemäß dazu, das sei alles totaler Blödsinn, und er schrieb das auch in einem geharnischten Brief an Koch, der das tiefe Zerwürfnis im Verhältnis der beiden Top-Funktionäre endgültig offensichtlich machte. Koch wiederum schrieb einen geharnischten Brief zurück, in dem er strikt bestritt, irgendetwas davon je gesagt zu haben. Der Spiegel schrieb die Geschichte mit der angeblich geplanten Private-Equity-Firma und den DFB-Kronjuwelen dann trotzdem: als "Szenario", das "unter DFB-Leuten herumgeistert".

Nun gibt es eine erste offizielle Nachricht über Seiferts tatsächliches Anschluss-Engagement, und siehe da: Manche im Interessensdickicht rund um den seit Monaten tobenden Machtkampf an der deutschen Fußball-Spitze brauchen jetzt ein neues Narrativ. Christian Seifert geht zur ehrwürdigen Stiftung Deutsche Sporthilfe, er rückt dort an die Spitze des Aufsichtsrats. Was er in dieser Rolle sicher nicht tun wird: auch noch die letzten Groschen der Amateurfußballer in die Taschen des Profifußballs umleiten, oder, wie ja von manchen insinuiert wurde, gar in seine eigenen. Seifert muss jetzt vielmehr mithelfen, dass Deutschlands Moderne Fünfkämpfer vielleicht 200 Euro mehr monatlich kriegen auf dem Weg zum nächsten Olympia-Traum, oder dass die ambitionierte Kanutin oder der talentierte Turmspringer Training und Studium besser unter einen Hut bringen.

Die Sporthilfe hielt im deutschen Funktionärsgeflecht zuletzt noch am ehesten die Werte des Sports hoch

Man muss das genauso wenig verklären wie Seiferts Wirken an der DFL-Spitze. Hier war Seifert durchaus ein knallharter Vertreter der Profiinteressen, inklusive mancher fragwürdiger Nebenabsprache, die der Fußballbasis nicht gefallen konnte. Ein Verhandlungs- und Kommunikationsprofi, der in der Frankfurter DFL-Zentrale auch deshalb herausstach, weil am anderen Ende der Stadt das DFB-Spitzenpersonal bevorzugt gegeneinander verhandelte und kommunizierte. Aber wenn Seifert sein Talent jetzt so konsequent in den Dienst der Sporthilfe stellt wie bisher in den Dienst der Bundesliga, dann ist das wohl eine gute Nachricht für jene Institution, die im deutschen Funktionärsgeflecht zuletzt noch am ehesten die oft beschworenen Werte des Sports hochgehalten hat.

Das Ehrenamt wird kaum Seiferts einziger Zeitvertreib bleiben. Für jenen Mann, der den deutschen Profifußball mit ruhiger Hand durch die Corona-Pandemie steuerte, dürfte sich auch noch ein hoch dotierter Managementposten finden. Womöglich dann aber tatsächlich nicht mehr im Zentrum des Fußballgeschäfts, das ihm, wie zu hören ist, eh zunehmend auf die Nerven geht. Dass Seifert aber in Zukunft gleichzeitig dem Amateurfußball das Wasser abgräbt, wie es interessierte Kreise zuletzt streuten, und den Olympiasport voranbringt - das wäre nun wirklich eine schräge Vorstellung.

© SZ/cca/ska
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