DOSB:Lausanne senkt den Daumen

Thomas Bach und Alfons Hörmann

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (rechts) bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum des Sportdachverbandes mit IOC-Chef Thomas Bach.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Auf beispiellose Art mischt sich IOC-Chef Bach in die Debatte um DOSB-Boss Hörmann ein. Die Forderung nach Aufklärung ist richtig - aber zugleich ist das offenkundig eine Retourkutsche für dessen Kritik.

Von Johannes Aumüller

Die ungewöhnliche Attacke aus Lausanne schließt mit netten Worten. "Ein freundschaftlicher Rat und eine herzliche Bitte unter Freunden" sei dieses Schreiben. Tatsächlich kann von freundschaftlich und herzlich bei diesem Vorgang aber kaum die Rede sein. Eher liegt der Schluss nahe, dass der Kaiser des globalen Olympia-Zirkus quasi öffentlich den Daumen über seinem Statthalter in der Provinz Germanien senkt.

Es ist ein ebenso beispielloser wie eindeutig zu wertender Brief an deutsche Spitzenfunktionäre, mit dem IOC-Präsident Thomas Bach die Debatte um den angeschlagenen DOSB-Chef Alfons Hörmann weiter befeuert. "In großer Sorge" sei er um den DOSB, um dessen Glaubwürdigkeit und dessen Funktionsfähigkeit, schreibt Bach. Eine umfassende Aufklärung fordert er - und gegebenenfalls zügige Konsequenzen.

Inhaltlich ist das zweifelsohne richtig. Es braucht eine gründliche Untersuchung über die Zustände im Deutschen Olympischen Sportbund unter Hörmanns Führung, seitdem kürzlich ein anonymer Brief aus der Mitarbeiterschaft eine "Kultur der Angst" beklagte. Auch muss der Sportdachverband erklären, wie es passieren konnte, dass nach der Publikation des Briefes der Name des Athletenvertreters Jonathan Koch unter einer Solidaritätsadresse für Hörmann landete, obwohl Koch dem nach eigener Aussage nie zustimmte.

Eine Pressekonferenz mit heftiger IOC-Kritik war der Bruch

Aber abseits davon legt das Schreiben die herrschenden sportpolitischen Realitäten nahe: Es zeigt, welche Folgen es in Bachs Reich haben kann, wenn man sich nicht folgsam gegenüber dem Olymp verhält. Der frühere Ski-Präsident Hörmann, 2013 sorgsam als Bachs Nachfolger an der Spitze des DOSB ausgesucht, war seither ohnehin weniger berechenbar als von manchen seiner damaligen Unterstützer erhofft. Doch der entscheidende Punkt war eine denkwürdige Pressekonferenz Anfang März, in der die DOSB-Spitze rund um das faktische Aus der Rhein/Ruhr-Bewerbung für die Sommerspiele 2032 das IOC massiv angriff. Sogar von "Falschaussagen" war die Rede. Es war damals absehbar, dass dies sportpolitisch kaum ohne Konsequenzen bleiben würde. Hinter den Kulissen gab es seitdem manches bemerkenswerte Manöver, und nun schaltet sich Bach sogar mit einer so demonstrativen Retourkutsche ein.

Immer stärker stellt sich so die Frage, wie sich Hörmann auf Dauer noch im Amt halten will. Es war schon bemerkenswert, dass nach der Publikation der Vorwürfe im offenen Brief eben nicht der übliche Reflex des Sports erfolgte, sich um seinen Spitzenmann zu sammeln; Hörmann hat sich in seiner Amtszeit durch seine herrische Art einfach zu viele Gegner gemacht. Stattdessen stellen sich diverse Spitzenverbände und Landessportbünde gegen ihn, und längst gibt es Gesprächskreise, in denen abgeklopft wird, wer denn Hörmanns Nachfolger werden könnte. Bachs Positionierung dürfte das nun noch verstärken.

Allerdings lehren die fast acht Jahre von Hörmann an der DOSB-Spitze auch eines: Wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, kann er ungemein trotzig und brutal agieren. Möglicherweise wird der gesenkte Daumen also nicht einfach so hingenommen.

© SZ/fse/cca
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