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Deutsche Schiedsrichter:Im Netz der Steuerfahnder

Mehr als 20 Schiedsrichter werden verdächtigt, Steuern hinterzogen haben. Sieben von ihnen sollen nach SZ-Informationen am Wochenende trotzdem im Einsatz sein. Zur Anzeige brachte die Fälle ausgerechnet Manfred Amerell - die Schlammschlacht zwischen dem früheren Funktionär und dem DFB geht also weiter. Hält der deutsche Fußball das aus?

Am Montagmorgen schwärmten die Steuerfahnder aus, und schnell war klar, dass es keine gute Woche werden würde für den Ruf der Schiedsrichter in Deutschland. Die Ermittler durchsuchten Privatwohnungen und Büros, mehr als 20 Unparteiische werden der Steuerhinterziehung verdächtigt. Auch beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt nahmen die Beamten Unterlagen mit. Der DFB selbst werde nicht beschuldigt, das teilten seine Presseoffiziere eilig mit.

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Schon wieder in Verruf: deutsche Schiedsrichter.

(Foto: dpa)

Ansonsten gab man sich schweigsam - "laufendes Verfahren"! Was soll man auch sagen, wenn Schiedsrichter das Ziel von Razzien werden? Außer, dass es natürlich peinlich ist für den Fußballbetrieb, wenn ausgerechnet seine moralischen Instanzen, seine Regelhüter, im großen Stil verdächtigt werden, es mit den Regeln nicht so ernst zu nehmen?

Weil aber Theo Zwanziger, der DFB-Präsident, noch selten zu einem Thema länger als 24 Stunden geschwiegen hat, verkündete er schon Mitte der Woche in der Rhein-Zeitung, was die Ermittlungen am Ende ergeben werden: "Ich gehe davon aus, dass bei den meisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird", sagte Zwanziger. Das wäre zu wünschen. Nicht zuletzt Theo Zwanziger selbst.

Es gibt zwei Handlungsstränge in dieser neuesten Schiedsrichter-Affäre, der erste ist rasch erzählt. Er handelt von Männern, die mit ihrer Pfeife durchs Land reisen, manche durch ganz Europa, die dafür gut bezahlt werden - was sich in ihren Steuererklärungen aber offenbar nur zum Teil niederschlägt. Unterschlagene Einnahmen aus Freundschafts- und Auslandsspielen. Schummeleien bei den Fahrtkosten. Doppelt abgerechnete Ausgaben. Zum Teil im fünfstelligen Bereich. Das sind die Vorwürfe. Die Razzien seien sehr ergiebig gewesen, ist aus Ermittlerkreisen zu hören.

Strittig ist, wie diese Vorgänge kurzfristig für den Fußballbetrieb zu werten sind. Die Staatsanwälte unterstellen den Referees ja immerhin Vergehen "im Zusammenhang mit ihrer Schiedsrichtertätigkeit". Der DFB wiederum findet, Steuern zu zahlen oder nicht zu zahlen, sei Privatsache - und lässt die Betroffenen vorerst weiterpfeifen. Zehn der rund 20 Verdächtigen waren unter der Woche im DFB- Pokal im Einsatz.

Sieben werden es nach Informationen der SZ am Wochenende in erster und zweiter Bundesliga sein - Schiedsrichter, Linienrichter, vierte Offizielle. Jeden Tag sickert ein neuer Name durch; man darf gespannt sein, wie lange der Fußball das aushält.

Der zweite Handlungsstrang - und nun kommt Zwanziger wieder ins Spiel - ist die Affäre Amerell/Kempter, die sich nun seit Ende 2009 hinzieht mit immer neuen Volten. Michael Kempter, 28, der Ende 2009 zum Fifa-Referee aufstieg, wirft dem damaligen Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell, 64, sexuelle Belästigung vor, der spricht von einer einvernehmlichen Beziehung.

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