Basketball-EM:Ein wenig Freude bei Schröder

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Basketball-EM: "Wir hätten gewinnen können.": Umso größer war die Enttäuschung von Kapitän Dennis Schröder und den Kollegen nach der Niederlage gegen Spanien.

"Wir hätten gewinnen können.": Umso größer war die Enttäuschung von Kapitän Dennis Schröder und den Kollegen nach der Niederlage gegen Spanien.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Die Halbfinal-Niederlage gegen Spanien schmerzt Deutschlands Spielgestalter. Die Bronzemedaille im Spiel um Platz drei könnte vieles lindern - und dann gibt es auch noch Neuigkeiten aus der NBA.

Von Ralf Tögel, Berlin

"Das war mir schon klar, dass das jetzt kommt." Franz Wagner antwortete spitz auf die Frage, ob denn die Spanier abgezockter waren als die deutsche Mannschaft. "Wir haben verloren, das tut jetzt gerade weh. Ob es daran lag, kann jeder selbst entscheiden." Die Enttäuschung war nicht nur bei Wagner riesig, der erneut zu überzeugen wusste und 15 Punkte sammelte. Trotz der 91:96-Niederlage im Halbfinale der Basketball-Europameisterschaft gegen Spanien hat das deutsche Nationalteam in Berlin einmal mehr eine überzeugende Vorstellung gezeigt. "Wir hätten gewinnen können", stellte Kapitän Dennis Schröder zurecht fest, zu Beginn des letzten Viertels sah es auch noch danach aus, der EM-Gastgeber lag 77:72 Punkten vorne.

In einem Spiel, das ausgeglichen und von Läufen gekennzeichnet war: Mal erzielte die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds (DBB) 14 Punkte in Serie, mal konterte Spanien mit einem zweistelligen Lauf. Dann aber stellte Spaniens italienischer Trainer Sergio Scolari seine Defensive um, lies Dennis Schröder von seinem Bankspieler Alberto Diaz in Sonderbewachung nehmen und beorderte in den Hernangomez-Brüdern Willy und Juancho, sowie Usman Garube seine drei NBA-erfahrenen Abwehr-Schränke unter den Korb. Dieser taktische Kniff raubte dem deutschen Spiel erst den Kopf, dann das Tempo und letztlich den Sieg.

Schröder war bis dahin überragender Akteur auf dem Feld, sammelte 30 Punkte und setzte seine Nebenleute in Szene. Nun aber hetzte Diaz wie ein Terrier hinter ihm her und nahm den deutschen Anführer nahezu aus dem Spiel. In den letzten siebeneinhalb Minuten gelang dem deutschen Anführer keine nennenswerte Aktion mehr, geschweige denn ein Punkt. Immerhin wusste er nach der Partie in eigener Sache etwas Freudigeres zu berichten, Schröder wird in der kommenden Saison zu den Los Angeles Lakers zurückkehren. Dort freut sich LeBron James auf den bei dieser EM so stark aufspielenden Kollegen, und Schröder auf 2,64 Millionen Dollar.

Diese Mannschaft weiß wie man gewinnt", muss Bundestrainer Gordon Herbert den Spaniern zugestehen

In der Folge wurde das Spiel des DBB-Teams hektischer, es wurden falsche Entscheidungen getroffen, zu früh oder risikoreich geworfen, oder freie Würfe verweigert. Die Spanier dagegen übernahmen mit beeindruckender Ruhe und Selbstsicherheit das Kommando auf dem Parkett, vor allem Spielmacher Lorenzo Brown, kurz vor dem Turnier trotz einigem Widerstand eingebürgert, erwies sich als spielentscheidender Impulsgeber. Entweder punktete er selbst, was ihm mit 29 Zählern prächtig gelang, oder er setzte die großen Kollegen unter dem Korb in Szene - wovon vor allem die Willy (17 Punkte) und Juancho Hernangomez (13) profitierten.

"Diese Mannschaft weiß, wie man gewinnt", konstatierte Bundestrainer Gordon Herbert nach der Niederlage sichtlich geknickt. In der Tat, keine Nation stand so oft in einem EM-Halbfinale wie die Spanier, genau elfmal in den vergangenen elf Turnieren. Zudem sind sie der aktuelle Weltmeister. Kollege Scariolo stellte zufrieden fest, dass "wir die Ruhe hatten, in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen zu treffen".

Vielleicht hielt Trainer Herbert in diesen letzten Minuten zu lange an seiner Startformation fest, Daniel Theis wirkte müde, vielleicht wäre Johannes Voigtmann in dieser Phase die bessere Option gewesen. Auch Maodo Lo und Andreas Obst, der erneut eine feine Dreier-Quote aufwies und 15 Punkte erzielte, saßen in dieser entscheidende Phase lang auf der Bank. Beide versenkten in den Schlusssekunden noch wichtige Dreier, aber diese spanische Mannschaft ließ sich nicht mehr aus dem Konzept bringen.

Neben der starken Abwehr, in der sich an diesem Abend Nick Weiler-Babb und Johannes Thiemann Bestnoten verdienten, war die ausgeglichene Bank im bisherigen Turnierverlauf eine Stärke der Deutschen. An diesem Abend aber waren die Spanier auch in dieser Disziplin einen Tick besser. Diaz nahm nicht nur Schröder aus dem Spiel, er punktete auch zweistellig (10). Und dann war da ja noch Spaniens unverwüstlicher Routinier Rudy Fernandez, einziges Überbleibsel der goldenen Generation, jener Mannschaft die jahrelang den europäischen Basketball bestimmt hatte. Der 37-Jährige piesackte den DBB immer wieder mit seinen Distanzwürfen und verteidigte giftig.

Basketball-EM: Franz Wagner (re.) war nach Spielende arg geknickt, dabei spielt er eine ganz starke EM in Berlin.

Franz Wagner (re.) war nach Spielende arg geknickt, dabei spielt er eine ganz starke EM in Berlin.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Die deutsche Mannschaft wurde letztlich von einem Gegner geschlagen, der einen ähnlichen Zuschnitt hat. Und der eben diesen einen Tick routinierter war, auch wenn Wagner diese Einschätzung nicht gerne hören wollte. "Die haben sich nicht verunsichern lassen, was uns teilweise passiert ist", erklärte Thiemann, "für uns war das auch eine neue Situation, die wir nicht alle Tage haben, daraus werden wir auf jeden Fall lernen." Spanien sei derlei Spiele eben gewöhnt, und ja, "vielleicht waren sie einfach abgezockter".

Während die Iberer nun im Finale auf Frankreich treffen, können die Deutschen erhobenen Hauptes auf das Spiel um Platz drei am Sonntag blicken. "Wir können viel aus dieser Niederlage lernen", befand Wagner noch, "es ist nicht vorbei. Wir haben noch ein Spiel am Sonntag." Gegner ist Polen, das nach einer desolaten Leistung vom Olympiazweiten mit 54:95 Punkten gedemütigt worden. Kein Grund, den Gegner zu unterschätzen, wie Obst warnte: "Das ist eine starke Mannschaft, die wollen wie wir eine Medaille abgreifen."

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