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Sportpolitik:China - der heißeste Trend des Weltsports

Chinas Fußball-Nationalmannschaft

Chinas Fußball-Nationalmannschaft singt die Hymne.

(Foto: dpa)

Die neu eingeführte Fußball-Klub-WM 2021 findet ausgerechnet in China statt. Das Land vergrößert seinen Einfluss in verschiedenen Sportarten - Menschenrechte interessieren höchstens am Rande.

Gianni Infantino schien darauf bedacht zu sein, keinen einzigen Erdenbürger zu übersehen. In dieser Woche entschied der Fußball-Weltverband unter seiner Führung, dass die erste reformierte Klub-WM mit 24 Teilnehmern 2021 in China stattfindet. Und als der Fifa-Boss dies verkündete, teilte er mit: "Es wird ein Wettbewerb, auf den sich jeder Mensch, jedes Kind und jeder, der Fußball liebt, freut."

In Wahrheit ist es natürlich ein Wettbewerb, auf den sich vor allem ein paar Fifa-Funktionäre und die Bosse einiger großer Klubs freuen. Denn er bringt bestimmt mehr Milliarden Euro ein, als es auf der Welt Menschen, Kinder und Fußball-Liebhaber zusammen gibt. Von den normalen Fans hingegen braucht solch ein Projekt schon grundsätzlich kaum jemand; von den Vertretern von Europas Fußball-Union (Uefa) und manch großen nationalen Ligen übrigens auch nicht, weil sie eine Konkurrenz zu eigenen Wettbewerben fürchten. Dass die Fifa die Premiere just in China steigen lässt, erzeugt zusätzliche Irritationen - und passt nur zu gut zum Trend des Weltsports.

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Der Sport wirft sich ja seit geraumer Zeit gerne autokratischen, aber schwerreichen Regimen wie Russland und Katar an den Hals. China gehört natürlich auch schon länger zu den beliebten Partnern, aber aktuell spielt es eine besonders zentrale Rolle. Die 1,4 Milliarden Einwohner, der riesige Markt, die vielen Investoren, die politische Unterstützung für den Sport durch die Staatsführung um Xi Jinping - welch Wonne für Funktionärs- und Vermarktungsherzen. Was interessiert da schon Chinas bedenklicher Umgang mit Menschenrechten.

Bei der Fifa zeigt sich die Abhängigkeit zum Beispiel im Sponsoring der Wanda Group, eines großen chinesischen Mischkonzerns. Dass China nun nach der Klub-WM auch die richtige WM erhält, etwa die im Jahr 2030, gilt als wahrscheinlich. Aber das Thema beschränkt sich keineswegs auf den Weltverband: In vielen großen europäischen Klubs steckt chinesisches Kapital, für manchen Liga-Manager bleibt Shanghai Sehnsuchtsort eines Pflichtspiels, und auch der Deutsche Fußball-Bund ging vor ein paar Jahren eine umfassende Partnerschaft mit China ein.

Bei so viel China-Nähe des Fußballs darf das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht hinten anstehen. Peking wurde Ausrichter für die Winterspiele 2022, obwohl es in Sachen Gigantismus und Umweltzerstörung sogar Sotschi 2014 übertrumpfen dürfte. Zu den zahlungskräftigsten Sponsoren gehören inzwischen der Onlinehändler Alibaba und der Milchproduzent Mengniu Dairy. Daneben stellt China in Zaiqing Yu auch einen IOC-Vize und in Yang Yang bald die Vizepräsidentin der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Wie passend, Doping und China ist ja auch so eine Geschichte.

China hat schon gezeigt, dass es halbe Kontinente kaufen kann, da ist der Sport ja ein fast kleines Problem. Welche Folgen sein starker Einfluss im Sport aber haben kann, das zeigt sich in diesen Tagen in der NBA, Nordamerikas Basketball-Liga, für die China ebenfalls der wichtigste Auslandsmarkt ist. Vor drei Wochen bekundete Daryl Morey, Teammanager der Houston Rockets, via Twitter seine Sympathien mit den Demonstranten in Hongkong. Der Aufschrei in China war natürlich groß, und es wurde viel Druck auf die NBA aufgebaut. Wenn US-Vizepräsident Mike Pence nun ätzt, die Liga habe sich wie ein Tochterunternehmen des Regimes verhalten, ist das zwar überzogen und wohl die Replik auf die viele Kritik aus dem nordamerikanischen Profisport an Pence' Chef Donald Trump. Überzeugend aber ist das Bild nicht, das die NBA abgibt, sondern bestenfalls ambivalent. Doch es wäre interessant zu sehen, was im Fußball los wäre, wenn ein wichtiger Vereinsboss Sympathien mit Hongkongs Demonstranten bekunden würde.

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