Schalkes Aus in der Champions League Tedesco flüchtet nach der Schmach

  • Der FC Schalke 04 geht im Champions-League-Achtelfinale bei Manchester City unter.
  • Trainer Domenico Tedesco geht nach dem 0:7 anders als üblich gleich in die Kabine. Ob er weitermachen darf, bleibt offen.
  • Er selbst gibt zu, dass er den größten "Spannungsverlust, seit ich Trainer bin", gesehen hat.
Von Philipp Selldorf, Manchester

Es war natürlich eine nette Geste der Spieler von Manchester City, ihrem besiegten Gegner Mann für Mann Trost und Zuspruch zu gewähren. Außenverteidiger Kyle Walker und Mittelfeldspieler Bernardo Silva legten dabei lange Wege zurück, der englische und der portugiesische Nationalspieler ließen keinen Schalker aus, für jeden der sichtlich schwer geschlagenen Kollegen hatten sie ein paar nette Worte. Allerdings ist es schon ein seltsames Prinzip von Pep Guardiolas Citizens, das andere Team erst hemmungslos zu demontieren und zu blamieren - und ihm dann das aufrichtige Beileid auszusprechen.

Domenico Tedesco blieben die freundlichen Worte versagt, der Schalker Trainer hörte sich noch den Schlusspfiff an, der die 0:7-Niederlage gegen Manchester City besiegelte, nahm Guardiolas Umarmung entgegen und nahm dann zügig den Ausgang. Der Kreis, zu dem er üblicherweise seine Spieler nach der Partie zusammenruft, wurde diesmal nicht gebildet. Während Tedesco in der Kabine Zuflucht suchte, mussten die Profis ohne ihren Frontmann vor die Fans treten und sich Beschimpfungen und Beleidigungen anhören - ein trostloser Büßergang, der auf Schalke zur Gewohnheit zu werden droht.

Kein Vorgesetzter äußert sich zu Tedesco

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Die Abwesenheit des Trainers wurde von vielen Beobachtern als Zeichen einer Konsequenz gedeutet, die nach Betrachtung dieses Fußballspiels logisch erschien. Doch Tedesco dachte, wie er eine halbe Stunde später versicherte, "wirklich keine Sekunde" an Rücktritt, dies sei "die letzte Thematik, mit der ich mich beschäftige", bekräftigte er. Stattdessen präsentierte er einen Plan für das am Samstag bevorstehende Bundesliga-Duell mit RB Leipzig. Erster Schritt: die Gedanken an die Schreckensnacht von Manchester löschen ("in spätestens 48 Stunden muss das Spiel aus den Köpfen sein"). Zweiter Schritt: den nächsten Job vorbereiten und erfolgreich erledigen. "Ich glaube definitiv daran, hundertprozentig", behauptete Tedesco.

Ob seine Vorgesetzten auch daran glauben, und ob sie ihm weiterhin den immer gefährlicher werdenden Abstiegskampf in der Bundesliga anvertrauen wollen, das wurde am Ort der Schmach nicht geklärt. Kein Vorgesetzter äußerte sich. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider, der Tedesco das Gebot einer "Trendwende" auferlegt hatte, damit er Trainer bleiben dürfe, wollte keine Erklärung über den neuen Stand der Dinge abgeben. Dies sei auch vor der Rückreise nach Deutschland am Mittwoch nicht zu erwarten, sagte ein Vereinssprecher. Das lässt sich so deuten, dass Schneider nicht mehr bereit ist, Tedesco in der Öffentlichkeit zu stützen. Es könnte aber auch sein, dass die Vereinsführung darüber beraten möchte, ob sie dem geschätzten Trainer doch noch eine letzte Chance gibt. Nicht zuletzt hängt die Antwort auf diese Frage von der Alternative ab. Die Zeit ist knapp bis zum Samstag.

Eine Trendwende war der Auftritt in Manchester gewiss nicht. Jedenfalls keine Wende zur Besserung. 35 Minuten hielt Schalke mit diszipliniertem Außenseiter-Fußball die Null, dann durchbrach Silva die Abwehrreihe, um einen gechipten Steilpass aufzunehmen, Jeffrey Bruma konnte ihn daran nur mit einem Körpereinsatz hindern, den der französische Schiedsrichter Clément Turpin für regelwidrig hielt. Dies war eine harte Entscheidung, "es war ein Elfmeter, den man geben konnte, aber nicht musste", wie Tedesco meinte, bloß war das später nicht mehr wichtig. Wichtig war lediglich, was passierte, nachdem Sergio Agüero das 1:0 erzielt hatte. Schalke "sackte zusammen", wie der Trainer resümierte, das Ausmaß des Zusammensackens beschrieb er mit einem Superlativ: "Der größte Spannungsverlust, seit ich Trainer bin." Zwar ist Tedesco erst 33, offenbar bezog er in die Rechnung aber auch die Arbeit mit den Jugendmannschaften in Stuttgart und Hoffenheim ein.