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Champions League:Häme folgt auf parareligiöse Bewunderung

Manchester City manager Pep Guardiola looks dejected after the game

Pep Guardiola nach dem Aus in der Champions League in Monaco.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Aus in der Champions League kämpft Pep Guardiola mit Spott in England.
  • Sein nahezu perfekter Karrierestart könnte nun zum Problem werden.
  • Oder wird der Einfluss des Trainers heute im Fußball grundsätzlich überschätzt?

Von Javier Cáceres

Die Glaubwürdigkeit eines Trainers sei immer an Resultate gekoppelt, so sagte es einmal der legendäre Italiener Giovanni Trapattoni. Und so überrascht nur mäßig, dass sich am Donnerstag, nach dem Aus von Manchester City im Achtelfinale der Champions League gegen den AS Monaco, Häme über den Coach der Engländer ergoss. Sein Name: Josep Guardiola. Genüsslich wurde landauf, landab vorgerechnet, welche Summen allein im vergangenen Sommer ausgegeben wurden, um den Kader für diesen damals neuen Trainer aufzupäppeln. Nun scheiterte City an einem Klub, der in seinen knapp 100 Jahren nie wirklich berühmt geworden war.

Die Häme ist quasi die Kehrseite der parareligiösen Bewunderung, die dem 46-jährigen Katalanen in den vergangenen Jahren zuteil geworden ist. Und diese war nicht selbsterwählt. Sie nährte sich vielmehr daraus, dass die Bedeutung, die Fußballtrainern beigemessen wird, mittlerweile die Essenz des Spiels zu leugnen beginnt.

Denn wenn dieser kaum zu dekodierende Sport namens Fußball eine Wahrheit bereithält, dann diese: dass der Schlüssel zu Erfolg und Brillanz in 22 Füßen verborgen ist, die gegen einen Ball treten. Einer der ersten globalen Trainer-Stars, der Italo-Argentinier Helenio Herrera, kleidete vor Jahrzehnten ein Selbsturteil in eine rhetorische Frage: "Was wäre der Fußball ohne mich?" So etwas ist von Guardiola nicht überliefert.

Er könnte noch das Opfer seines beispiellosen Karrierestarts werden. Als Trainer begann er 2007 als Coach der Reserve des FC Barcelona in Spaniens dritter Liga; zwei Jahre drauf musste er hemmungslos weinen, als er mit Barças erstem Team alles abgeräumt hatte: Meisterschaft, Pokal, Champions League, Weltpokal, spanischer sowie europäischer Supercup. Vor allem aber verzauberte sein Team mit einem Spiel, das Anleihen nahm beim Fußball des großen Johan Cruyff, aber neu und betörend wirkte; auch wegen Interpreten wie Messi, Xavi und Iniesta. Nicht nur Intellektuelle überhäuften Guardiola mit Superlativen - sondern auch solche, die den proletarischen Flair des Fußballs bewahren: "Der Pep ist ein Genie", sagte mal der gelernte Bochumer Hermann Gerland, der Guardiola beim FC Bayern als Co-Trainer zugearbeitet hatte.

In München wurde Guardiola 2014, 2015 und 2016 deutscher Meister; zweimal gewann er den Pokal; in der Champions League scheiterte er jeweils im Halbfinale. In Manchester sieht es derzeit nicht nach Titel aus; City liegt mit zehn Punkten Rückstand auf Rang drei. Die Gründe: Stützen wie der Brasilianer Gabriel Jesús oder der Deutsche Ilkay Gündogan sind lange verletzt, der Kader ist unausgeglichen und überbewertet. Der Grund für das Scheitern in der Champions League, laut Guardiola: Er habe versucht, die Spieler vom permanent offensiven Spiel zu überzeugen. "Mein Fehler war, dass ich sie nicht überzeugt habe." Nächste Saison will er es wieder versuchen.

© SZ vom 17.03.2017/schm

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