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Champions League:Klopp lacht sich warm

Champions League Final - Liverpool Training

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp wirkt entspannt vor dem Champions-League-Finale.

(Foto: Carl Recine/Reuters)
  • Vor dem Champions-League-Finale gegen Tottenham Hotspur beweist Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, dass er Selbstironie einzusetzen weiß wie kaum ein anderer.
  • Angesprochen auf die sechs Endspiele, die er nacheinander verloren hat, sagt er: "Ich könnte ein Buch darüber schreiben, wie man Halbfinals gewinnt. Niemand würde es kaufen."
  • Bei all den schlagfertigen Sprüchen - nach sechs verlorenen Finals lastet Druck auf ihm.

Es war klar, dass die eine Frage kommen würde, Jürgen Klopp wusste das natürlich. Er saß in Erwartung dieser Frage kappenlos vor einer konfettibunten Sponsorenwand, die Kameras zoomten auf sein Gesicht und sendeten das Bild von seinem Bart und seinen viel zu weißen Zähnen in die Welt hinaus. Als Klopp in Mainz als Trainer anfing, da saßen fünf bis sechs Lokaljournalisten in einem Raum, den man ohne schlechtes Gewissen als Kabuff bezeichnen konnte. Nun sprach er in einem Stadion namens Metropolitano zu Weltpresse in einem Saal, der eher nach Kino oder Theater aussah.

Ist ja auch mehr Kino und Theater als Fußball, so ein Tag vor dem Champions-League-Finale. Echte Informationen bekommt man nicht, weil jede echte Information dem Gegner weiterhilft. Aber es muss jemand auftreten, und wer könnte das besser als Jürgen Klopp.

Champions League

Klopps siebter Final-Versuch

Ach ja, die Frage, sie kam natürlich sofort, als erstes, die Frage nach den sechs Finals, die er nacheinander verloren hat, und was er aus dem letzten Endspiel gelernt habe, der Niederlage gegen Real Madrid im vergangenen Jahr. "Dass man auch aus 18 Metern per Fallrückzieher ein Gegentor kassieren kann." So unvermeidlich die Frage war, so unvermeidlich war, dass Klopp darauf lustig antworten würde.

Eine kurze Auswahl weiterer Witze auf seine Kosten: "Ich könnte ein Buch darüber schreiben, wie man Halbfinals gewinnt. Niemand würde es kaufen." Oder, als er sehr seriös gefragt wurde, wie er zu den Champions-League-Reformplänen der Uefa steht und ob er etwas am Modus ändern wollen würde. "Ich würde das Halbfinale zum Finale machen." Gelächter im Saal. Als ihn ein Reporter eine "schillernde Person" nannte, zeigte er seine schillernden Zähne, lachte sein Klopp-Lachen und meinte. "Ich habe blendende Laune, ich kann mir nicht erlauben, auch vor einem Finale schon schlechte Laune zu haben."

Vielleicht ist Klopp am besten, wenn der Druck am höchsten ist

Selbstironie ist eh kaum zu schlagen und die von Jürgen Klopp schon gar nicht. Die ernste und natürlich richtige Antwort, die er auf die Frage nach seiner Pleiten-Kaskade dann auch noch gab, war: "Die sechs Finals haben nichts miteinander zu tun - ich müsste mir nur Sorgen machen, wenn ich der Grund für die Niederlagen war." Aber natürlich glaubt Jürgen Klopp das nicht.

Vielleicht ist der Tag vor einem Champions-League-Finale der Tag, an dem der höchste Druck herrscht und vielleicht ist Jürgen Klopp genau dann am besten. Die Trainingseinheit im Stadion ist komplett öffentlich, weswegen man nichts mehr wirklich trainieren kann. Also machte Jürgen Klopp, mittlerweile mit Kappe auf dem Kopf und hochgezogenen weißen Tennissocken an den Füßen, auch den Rasen zur Bühne, spielte TV-Experte Andrea Pirlo einen Ball in den Rücken, ging anschließend auf ihn zu und feixte dann als besockter Mainzer Ex-Verteidiger mit dem perfekt gekleideten Maestro des feinen Passes.