Champions-League-Finale: José Mourinho:Fünf gegen Robben

Lesezeit: 3 min

Die Italiener huldigen Inter-Trainer José Mourinho wegen seiner siegbringenden Taktik im Finale gegen Bayern. Dafür dreht sich schon alles um seinen Wechsel zu Real Madrid.

Johannes Aumüller, Madrid

Ein Sieger darf schon einmal auf sich warten lassen. Normalerweise kommen nach einem Spiel die Trainer ziemlich zügig in die Pressekonferenz, doch Inters José Mourinho ließ sich Zeit. Viel Zeit. Erst um 0.33 Uhr, rund zwei Stunden nach Spielende, kam er, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Aber weil im Trainerleben des José Mourinho so gut wie nichts normal ist, lief auch dieser Auftritt nicht normal ab. Noch nie musste der Trainer eines frischgebackenen Champions-League-Siegers so viele Fragen zu einer Mannschaft beantworten, die gar nicht mitgespielt hatte.

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Gewann als dritter Trainer mit zwei Vereinen die wetvollste europäische Klub-Trophäe: José Mourinho. Zuvor war das nur Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld gelungen.

(Foto: afp)

José, wie hältst du's mit Real Madrid? Das war die Gretchenfrage des Abends, und der Portugiese präsentierte sich beim Lavieren um die Antwort kreativer als die meisten Akteure zuvor auf dem Spielfeld. Von mehreren wunderbaren Optionen sprach er, von der Zeit, die er jetzt für eine Entscheidung bräuchte, von dem besonderen etwas, das es zwischen ihm und Inter Mailand gebe.

Nur einmal entfuhr ihm eine verräterische Bemerkung, wobei ein Verb wie "entfahren" bei einem Taktiker wie Mourinho natürlich völlig unangebracht ist. Also, einmal sagte er jedenfalls: "Zwischen Inter und mir, das war eine wunderbare Verbindung. Sollte ich den Verein in diesem Jahr verlassen, werde ich nächstes Jahr gegen Inter spielen. Und wenn ich dann in San Siro spiele, ist es, als ob ich nach Hause komme."

Offiziell steht noch immer nicht fest, ob Mourinho im neuen Jahr Real Madrid übernimmt. Aber wer solche Sätze in einer Pressekonferenz nach dem Champions-League-Sieg formuliert, der muss sich nicht wundern, dass die Nachrichtenagenturen den Wechsel bereits als perfekt vermelden. Mourinho will zu Real, das hat er mehrfach betont. Und Real will Mourinho, den Mann, der im Halbfinale den Erzrivalen FC Barcelona bezwang und ganz Madrid somit die große Schmach ersparte, dass die Katalanen in der Landeshauptstadt die Champions League gewinnen könnten.

Ob die Real-Fans und -Macher Mourinho auch für seinen Fußballansatz mögen werden, würde die zentrale Frage des Wechsels sein. Der Inter-Trainer hatte für dieses Finale ein taktisches Konzept gewählt, das den Liebhabern der "Galacticos", des spielverliebten "weißen Balletts" eher nicht passt - mit dem die Bayern aber nur schwer zurechtkamen. Ganz engmaschig knüpfte er ein Defensiv-Netz, nur Wesley Sneijder und Diego Milito agierten mit Zug zum Tor, alle anderen konzentrierten sich aufs Verteidigen.

Selbst Samuel Eto'o und Goran Pandev, formal die Außenstürmer, gingen stets weit mit zurück. Mit Kraft und Wucht, mit vielen kleinen Fouls und notfalls auch mit rausgedroschenen langen Bällen die Münchner vom Tor weghalten - und vorne auf schnelle Konter und die Fähigkeiten von Sneijder und Milito vertrauen, das war Inters Plan. Dieser war ebenso simpel auszudenken wie schwer umzusetzen. "Das war fußballtechnisch gesehen eine Provokation", gestand Mourinho nach dem Spiel, aber es war eine erfolgreiche Provokation.

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