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Zwischenbilanz des FC Bayern:Der beste Achtelfinalist

Erster: Bayern-Trainer Hansi Flick beim 1:0 in Augsburg.

(Foto: Andreas Gebert/AFP)

Trotz weiterhin sichtbarer sportlicher Probleme steht der FC Bayern zur Saison-Halbzeit überraschend gut da - besonders im europäischen Vergleich.

Kommentar von Sebastian Fischer

Immer dann, wenn es gerade um ihre sportlichen Probleme geht, könnten sie beim FC Bayern theoretisch auf einen Klub verweisen, bei dem die Probleme größer sind. Es wäre kein so schlechter Vergleich. Schließlich handelt es sich bei diesem Verein um sogenannte "Königliche". Aus im Pokal gegen den Zweitligisten Kiel? Real Madrid ist gerade gegen den Drittligisten CD Alcoyano ausgeschieden! Holprige Leistungen in der Liga? Real ist in Spanien nur Zweiter! Ein in der Breite auf dem Transfermarkt im Sommer ungenügend verstärkter Kader? Pah! Madrid hat als Ersatz-Rechtsverteidiger ja auch bloß jenen Alvaro Odriozola, der in der vergangenen Saison als Real-Leihgabe in München auf der Bank saß.

Nun würden sie beim Triple-Sieger natürlich niemals derart über die europäische Konkurrenz lästern, das gehört sich nicht. Den Tatbestand der Hochnäsigkeit erfüllt bei den Bayern derzeit allein Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge - und das natürlich auch nur im übertragenen Sinne, wenn er seine Nase im Stadion mal wieder, wie von den TV-Bildern entlarvt, hoch oben über dem Mund- und Nasenschutz trägt.

Nein, sie würden beim FC Bayern nicht auf die europäische Konkurrenz verweisen, um ihre Leistungen einzuordnen. Aber gewehrt hat sich Hansi Flick zuletzt auch nicht, als er auf die These angesprochen wurde, ein Leistungstief sei bei allen hoch beanspruchten Spitzenklubs des Kontinents gerade eher normal. "Juve, wenn ich das richtig im Kopf habe, ist ein paar Punkte hintendran - wir sind vier Punkte vorne", sagte Flick. Und natürlich hatte er das richtig im Kopf. Juventus Turin ist in Italien sogar aktuell nur Sechster, der FC Liverpool hat gerade zu Hause gegen Burnley verloren. Selbst Paris-Saint Germain ist in der französischen Liga nur aufgrund des besseren Torverhältnisses Erster.

Macht Flick Hernandez vom Links- zum Innenverteidiger?

Der FC Bayern, das ist die Zwischenbilanz zur Saisonhälfte nach 17 Bundesligaspielen, steht von allen Champions-League-Achtelfinalisten am besten da. Und auch wenn die jüngsten Bundesligasiege gegen Freiburg (2:1) und Augsburg (1:0) alles andere als beeindruckend waren, scheint Flick taktisch zumindest vorerst eine Lösung für die zuvor obligatorischen Gegentore durch die Mitte gefunden zu haben.

Worin Real allerdings schon weiter zu sein scheint als der FC Bayern, das ist die Kaderplanung. Angeblich steht Abwehrchef David Alaba ja vor einem Wechsel nach Madrid. Und wer ihn in München ersetzen soll, wird interessant. Rummenigge bestätigte der Bild schon mal, dass man sich mit Verteidiger Dayot Upamecano von RB Leipzig "befassen" werde, von dem bekannt sei, dass er eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag besitze. In jedem Fall sollte der Transfer wirksamer sein, als es die Verpflichtung der vier Neuen im Spätsommer 2020 bisher war.

Denn das wird auch noch eine Herausforderung dieser Saison: Ob Bouna Sarr, Marc Roca, Douglas Costa und Eric Maxim Choupo-Moting noch beweisen, dass sie eine bessere Kaderergänzung sein können, als es Odriozola in der Triple-Saison war. Der Spanier kam in München nur auf fünf Einsätze.

© SZ/bkl
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