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Fjörtoft spricht über Haaland:"Wir haben von seinem Talent gewusst"

Sport Themen der Woche KW03 Sport Bilder des Tages 18.01.2020, Fussball 1. Bundesliga 2019/2020, 18. Spieltag, FC Augsbu

Traumdebüt in Augsburg: Bei Dortmunds 5:3-Sieg gegen den FCA erzielte Erling Haaland drei Treffer.

(Foto: Renate Feil/imago images/MIS)

Der Norweger Jan Aage Fjörtoft spricht über Dortmunds Juwel Erling Haaland - und erklärt, warum er die Wahl für den BVB "typisch Team Haaland" findet.

Das erste Spiel, das Jan Aage Fjörtoft vor dem Fernseher gebannt verfolgte, war ein Landesmeisterpokalfinale mit deutscher Beteiligung. Im Vorläuferwettbewerb der Champions League siegte der FC Bayern 1975 gegen Leeds United 2:0 - Fjörtoft entwickelte Sympathien für die Engländer, weil diese in seinen Augen so tragisch verloren hatten. Später wurde Fjörtoft selbst norwegischer Nationalspieler. Er spielte in der Heimat für Hamarkameratene und Lilleström, später für Rapid Wien; über Swindon Town, Middlesbrough, Sheffield und Barnsley landete er bei Eintracht Frankfurt, wo er zwei Mal den Klassenerhalt schaffte. Einmal unter Jörg Berger, der Fjörtofts berühmten Worten zufolge ein so guter Trainer war, "dass er auch die Titanic gerettet hätte" - und einmal unter Felix Magath. Ob "Quälix" Magath die Titanic auch gerettet hätte, wisse er nicht, sagte Fjörtoft damals: "Aber die Überlebenden wären topfit gewesen."

Nach 52 Bundesligaspielen (14 Tore) ging Fjörtoft zurück nach Norwegen. Seit einigen Jahren ist er Reporter des norwegischen TV-Senders Viasport - er war vor einer Woche auch in Augsburg, wo sein 19-jähriger Landsmann Erling Haaland zum Bundesligadebüt drei Tore zum 5:3-Sieg seines neuen Klubs Borussia Dortmund beisteuerte. Und am Freitag in Dortmund, als Haaland erneut doppelt traf. Fjörtoft ist jetzt eine Art Haaland-Sonderkorrespondent: "Mein Chef hat gesagt: Zu den nächsten vier Spielen fährst du auch!"

SZ: Herr Fjörtoft, steht Norwegen auch noch unter dem Eindruck des Drei-Tore-Einstands von Erling Haaland?

Jan Aage Fjörtöft: Natürlich! Die Zeitungen waren voll mit der Geschichte. Norwegen ist ein langes Land, von Oslo bis hoch nach Kirkenes ist es fast so weit wie bis nach Rom. Gemessen an seinen fünf Millionen Einwohnern ist es aber ein kleines Land. Und wenn unsere Sportler im Ausland Erfolg haben, sind wir unglaublich stolz, wir kennen uns ja alle. Egal, ob unsere Handballer bei der EM Mitfavoriten sind oder ob Haaland bei Dortmund so einschlägt ...

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Sie haben mit Erlings Vater Alf-Inge in Norwegens Nationalelf gespielt, als sich Ihr Land erstmals für eine WM qualifizierte, 1994 in den USA. Seit wann wussten Sie, dass Alf-Inge so ein Juwel heranzieht?

Man achtet natürlich auf die Kinder von früheren Kameraden. Viele von uns haben Kinder, die im Fußball tätig sind ...

Ein Zufall?

Nein. Die haben ja quasi in den Kabinen das Licht der Welt erblickt, und wenn du dann auch noch wie Erling in Leeds geboren wirst ... Aber im Ernst: Wir haben von seinem Talent gewusst. Vor allem, nachdem er 2017 zu Molde FK gewechselt war. Da war er im Grunde schon der Stürmer, der er jetzt ist und der mich mit seinem Temperament auf dem Platz beeindruckt. Vor allem, wie er selbst Räume schafft, und dann andeutet, wo er den Ball hinhaben will. Haben Sie sein erstes Tor gegen Augsburg gesehen?

Den Schuss in die lange Ecke nach dem Pass von Jadon Sancho in den Strafraum.

Da konnte man genau sehen, was ich meine: Erling kreiert einen Raum, deutet mit dem Finger hin, wo er den Ball haben möchte, und kann die Situation ideal ausnutzen, weil er Spieler wie Hazard, Reus oder eben Sancho hinter sich hat.

Molde war ja schon Haalands zweite Profistation. Er spielte zuvor in Bryne, dem Geburtsort des Vaters.

Bryne liegt vor den Toren von Stavanger und hat eigentlich immer gute Talente hervorgebracht. Zum Beispiel Arne Larsen Ökland, der in den Achtzigerjahren in Leverkusen gespielt hat. Molde war für Erling dann nur der nächste natürliche Schritt. Die haben dort auf junge Spieler gesetzt, die sich gut entwickelt haben, und dann hatte er auch noch Ole Gunnar Solskjaer als Trainer ...

... der Bayern-Fans ein Begriff ist, weil er als Stürmer von Manchester United im Champions-League-Finale 1999 in letzter Sekunde das 2:1-Siegtor schoss.

Für einen Stürmer ist es immer gut, wenn ein Trainer deine Position versteht. Aber mindestens so wichtig wie all diese Förderung, die er als Heranwachsender bekam, war immer, dass Erling eine Familie hat, die ihm zur Seite steht, die Ratschläge gibt.

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Besonders sein Vater Alf-Inge?

Als Profi war Alfie der klassische Führungsspieler. Bei Manchester City wurde er sogar Kapitän. Außerhalb des Platzes war er immer auch ein sehr ruhiger, analytischer Typ. Das schlägt sich nun nieder.

Was meinen Sie damit konkret?

Alf-Inges Rolle ist es, Vater zu sein. Er würde keine andere Rolle ausfüllen, wenn Erling nicht Fußballer geworden wäre, sondern an der Uni studieren würde. Es gibt genügend Beispiele, wo Eltern ihre Kinder kaputt machen, auch im Fußball. Der Vorteil von Ex-Fußballern wie Alfie ist: Wir haben es nicht nötig, unsere Träume durch unsere Kinder in Erfüllung gehen zu sehen.

Alf-Inge Haaland war Mittelfeldspieler, sein Sohn ist ein 1,94 Meter großer Stürmer. Was beide aber gemeinsam haben: Um sich als Fußballer fortzuentwickeln, mussten sie ins Ausland.

Ja, das ist immer das Ziel eines norwegischen Fußballers. Obwohl in der norwegischen Liga allmählich ganz gute Gehälter gezahlt werden.

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