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BVB Fans und der Anschlag:Stadionverbote des BVB gegen kampfbereite Fans

Unter Dortmunds Fans gibt es die "Normalos" auf den Sitzplätzen, die vom meist jungen Stehplatz-Publikum ein bisschen verachtet werden, wenn sie nicht gerade miteinander Bier trinken. Es gibt die Logen-Leute, denen man in Dortmund mit noch mehr Skepsis begegnet als in anderen Stadien, die aber Geld mitbringen und die sich vor und nach dem Spiel in den VIP-Lounges ein bisschen wichtig finden können, den wahren Spaß aber wohl verpassen. Aber auch unter den Fans der Südtribüne gibt es Stämme und Gruppen: die rund 500 Ultras etwa, die sich als Elite der Fans ansehen und die in der Mitte der Südtribüne die Taktgeber sein wollen. Es gibt aber auch auf der Südtribüne ganz normale Fußball-Fans, die sich über das Gemeinschaftserlebnis freuen.

Seit den Krawallen gegen RB Leipzig sind ganz andere Splittergruppen ins Rampenlicht geraten. Eine Woche danach hielt die hessische Polizei auf der Autobahn mehrere Busse auf. An Bord vor allem Schläger der Gruppe "0231 Riot", die sich selbst als "Ultras" bezeichnen, denen aber die übrigen Ultras-Grüppchen das Recht absprechen, sich so zu nennen. Die Riots gelten als massiv rechtsradikal unterwandert. In einem Kampfsportstudio in Dortmunds Nordstadt trainieren sie sich zu Kraftpaketen. Wohin sie mit der Kraft sollen, erscheint unklar. Andere Fangruppen berichten von Einschüchterungen und Gewalt gegen andere BVB-Fans. Auf der Reise nach Darmstadt, wo "0231 Riot" sich offenbar die nächste Randale vorgenommen hatte, stoppte die Polizei die Truppe und stellte Sturmhauben, Waffen und Pyrotechnik sicher.

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Dortmund

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Bei der Aufnahme der Personalien stellte sich heraus, dass die Dortmunder "Riots" sich Verstärkung aus polizeibekannten rechtsradikalen Gruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen organisiert hatten. Der BVB hatte an der Festnahme der kampfbereiten Reisegruppe mitgewirkt und im Nachgang für Stadionverbote gesorgt. Der Frust war groß. Wenige Tage später fand die Polizei an den Umfriedungsmauern der Dortmunder Galopprennbahn ein Graffito mit der Drohung der Gruppe gegen den BVB-Chef: "Aki Watzke, aus der Traum, bald liegst du im Kofferraum!" Watzke, der als der Verantwortliche für Stadionverbote gegen Rechte und Schläger gilt und zuletzt seine Gangart deutlich verschärft hat, wollte die Drohung nicht allzu ernst nehmen. Die Polizei sah das anders und bot ihm Personenschutz an.

In Dortmund sind sie einigen Ärger mit den Rechtsradikalen gewöhnt

Nicht nur deshalb galten die Rechten, die in einer winzigen Minderheit beim Stadionvolk sind, auch bei dem Anschlag als durchaus mögliche Verdächtige. Auch wenn man ihnen das Know-how für den Anschlag nicht wirklich zutrauen wollte. In Dortmund sind sie einigen Ärger mit den Rechtsradikalen gewöhnt, die sich im teilweise angestoßenen alten Industrie-Stadtteil Dorstfeld eingenistet haben. Im Rat der Stadt sitzen, weil es in NRW keine Fünf-Prozent-Klausel bei Kommunalwahlen gibt, auch zwei Vertreter von rechtsradikalen Gruppen. Aber die Stadt erscheint trotz immer noch elf Prozent Arbeitslosigkeit einfach zu sozialdemokratisch durchwirkt, um wirklich als Aufmarschort für Propagandisten von rechts zu taugen.

Das zweite, im Internet veröffentlichte Selbstbezichtigungsschreiben, in dem angeblich antifaschistische Attentäter proklamierten, der BVB distanziere sich zu wenig von den Rechten und Neonazis, war deshalb in Dortmund noch weniger ernst genommen worden als das islamistische Bekennerschreiben. Die meisten wissen in Dortmund, dass der BVB es sich im Jahr 300 000 Euro kosten lässt, Schüler und andere Fans als "Nazi-Prävention" zu KZ-Gedenkstätten wie Dachau oder Sachsenhausen zu fahren. Schon deshalb hielten es viele Dortmund-Fans noch immer für wahrscheinlicher, dass eigene irregeleitete Extrem-Fans auf die eigene Mannschaft losgehen, als dass Islamisten eine solche Tat verüben.

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