BVB in der Bundesliga Plötzlich ist der Letzte auf Augenhöhe

Dortmunder in Not: Axel Witsel (l.) und Paco Alcacer.

(Foto: REUTERS)
  • Borussia Dortmund kommt beim Tabellenletzten 1. FC Nürnberg nicht über ein 0:0 hinaus.
  • Der Kampf um den Titel ist nun wieder ausgeglichen. Nur noch drei Punkte trennen Dortmund vom Verfolger FC Bayern.
  • Mittlerweile krankt auch die zuvor so starke Dortmunder Offensive: Alleine Mario Götze scheitert mehrere Male am Nürnberger Torwart Christian Mathenia.
Von Sebastian Fischer, Nürnberg

Es kommt nicht oft vor, dass gewöhnliche Fußballspiele weitreichende Fragen aufwerfen, aber nach rund einer halben Stunde zwischen dem 1. FC Nürnberg und Borussia Dortmund am Montagabend war es so weit. Im Dortmunder Strafraum sprang Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens zum Kopfball. Man tritt Behrens nicht zu nahe, wenn man ihn einen gewöhnlichen Bundesligafußballer nennt, und das ist deshalb erwähnenswert, weil er sich sehr ungestört zwischen Verteidigern bewegte, die den Anspruch der Außergewöhnlichkeit haben. Behrens traf aber trotzdem fast per Kopf, Dortmunds Torwart Roman Bürki parierte. Ein paar Sekunden später, nach der anschließenden Ecke, köpfte Behrens erneut frei aufs Tor, diesmal drüber.

Die weitreichende Frage, die das aufwarf, lautete: Kann dies die Abwehr des nächsten deutschen Meisters sein? Die Antwort nach einem Spiel, das 0:0 endete, lautete: Nun ja. Der Kampf um den Titel ist nun jedenfalls wieder ausgeglichen. Es war ja vor dem Spiel mit angemessener Spannung erwartet worden, wie der Tabellenführer auf die ersten frustrierenden Wochen einer von erfolgreichem und ästhetischem Fußball geprägten Saison reagieren würde. Keinmal hatten die Dortmunder in den vorangegangenen vier Pflichtspielen gewonnen, darunter ein 0:3 in Tottenham, das wohl das Ausscheiden aus der Champions League bedeuten wird, sowie das Aus im DFB-Pokal gegen Bremen. Nun ist der FC Bayern, zwischenzeitlich mal auf neun Punkte distanziert, in der Tabelle wieder auf drei Punkte herangerückt.

Dortmunds insgesamt 15. Version einer Viererkette

Trainer Lucien Favre reagierte zunächst mit vier Wechseln in der Startelf. Der überraschendste: Marius Wolf spielte für Achraf Hakimi rechts hinten in der Viererkette und überhaupt erst zum vierten Mal in dieser Saison von Beginn an. Dreimal in Serie hatte Dortmund zuletzt drei Tore kassiert, nach dem Spiel gegen Bremen und der Niederlage in London beim 3:3 gegen Hoffenheim gar alle in der Schlussviertelstunde. Zweimal hatte der Marokkaner Hakimi, eigentlich einer der herausragenden Fußballer dieser Bundesligasaison, nicht glücklich ausgesehen. Neben Wolf verteidigten Dan-Axel Zagadou, Julian Weigl und auf der linken Seite Abdou Diallo. Es war die insgesamt 15. Version einer Viererkette, die Favre in dieser Saison ausprobierte.

"Wir erwarten, dass die Spieler weiter so spielen wie bisher, aber mit mehr Geduld", hatte Favre auf die Frage nach einer Ergebniskrisenlösung geantwortet. Und tatsächlich wurde das Spiel für den BVB von Beginn an zu einer Prüfung in Geduld und Konzentration. Der Club hatte ja in der Vorwoche nach dem Sturz auf Rang 18 Sportvorstand Andreas Bornemann und Trainer Michael Köllner entlassen, als Interimscoach hat Boris Schommers übernommen, zuvor Köllners Assistent. Er hatte angekündigt, mehr gegen als mit dem Ball arbeiten, aber "Nadelstiche" setzen zu wollen, Konter also. Auf dem Rasen sah das so aus, dass Dortmund nach zehn Minuten 80 Prozent Ballbesitz hatte und sich den Ball noch in der gegnerischen Hälfte bedacht zupassen konnte. Nürnberg verteidigte mit zwei tiefen Viererketten im 4-1-4-1. Die zwei Kopfbälle von Behrens und ein Fernschuss von Matheus Pereira blieben die einzigen Nürnberger Torchancen.

Götze scheitert im Privatduell an Mathenia

Die Stimmung war für ein Bundesligaspiel ungewohnt, was jedoch nichts mit den sportlichen Begebenheiten zu tun hatte, sondern nur mit dem Wochentag. Beim ersten Montagsspiel der Rückrunde protestierten die Ultras gegen die bei reisenden Fans so unbeliebte Anstoßzeit, indem sie zumeist schwiegen und - im Falle der Nürnberger - zwischenzeitlich pfiffen, den Deutschen Fußball-Bund beleidigten sowie zahlreiche weiße Stinkefinger auf schwarzen Transparenten in die Luft reckten und bei Dortmunder Eckbällen kleine schwarze Bälle auf den Rasen warfen. Dortmunds Jadon Sancho, der so etwas in England wohl noch nie gesehen hat, warf kurz vor der Pause einen Tennisball zurück. Zum ersten Mal an diesem Abend war der Dortmunder Frust sehr deutlich zu sehen.

Die Offensive um Sancho ist zwar selbst in den schwachen Spielen nicht unbedingt als problematischer Mannschaftsteil aufgefallen. Doch Probleme gibt es auch vorn, vor allem die Oberschenkelverletzung von Marco Reus. Die ersten Chancen hatte Dortmund nach mehr als einer halben Stunde, als Mario Götze dreimal in Serie an Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia scheiterte. Die letzte, als der eingewechselte Paco Alcácer in der 86. Minute danebenschoss.

Es blieb beim 0:0. Matthias Sammer, Experte beim TV-Sender Eurosport und seit dieser Saison Berater des BVB-Vorstands, hat in den vergangenen Tagen auch etwas zur Lage in Dortmund gesagt: "Zwischendurch musst du zu Einfachheit, Kompaktheit und totaler Disziplin, zur Gemeinsamkeit und auch mal zum gnadenlosen Verteidigen zurückkehren." Diese Vorgabe hat die Borussia am Montag erfüllt. Doch es ist davon auszugehen, dass Sammer nicht unbedingt von Spielen gegen den Tabellenletzten gesprochen hat.

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