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Bundesliga:Werders Klassenerhalt gehört dem Publikum

Werder Bremen - Eintracht Frankfurt

Grün-weiße Wunderwand: Die Bremer Fans haben den Verein und jeden Spieler ins eigene Seelenleben hineingezogen.

(Foto: dpa)

Die Rettung in fast allerletzter Sekunde verdankt Werder Bremen der puren Leidenschaft seiner Fans.

Es wird oft darüber gestritten, wofür man, bitteschön, dieses Fußball überhaupt braucht. Gerade in Bremen gibt es eine Debatte darüber, ob eine Stadt, die kein Geld hat, dafür bezahlen soll, dass ihre Polizei eine Veranstaltung aus dem Hochpreis-Unterhaltungssegment schützen muss.

Auch die Partie des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: behelmte Beamte an jeder Kreuzung, berittene Kollegen vor dem Stadion, Blaulicht und Sirenen in jedem Straßenzug. Und das nur, weil zwei Vereine so schlecht gewirtschaftet haben, dass sie am letzten von 34 Spieltagen nicht sicher sein konnten, ob sie in der nächsten Saison in der ersten oder zweiten Liga spielen müssen. So was treibt die Dinge auf die Spitze, sportlich auf dem Platz, emotional daneben.

Der Profifußball, heißt es dann, ist doch eine Parallelwelt, versteckt im Privatfernsehen, informell abgesichert durch streng kontrollierten Zugang zu den Protagonisten, kaum jemand kann hier ein Wort sagen, das nicht irgendein Vereinsoffizieller freigeben muss. Das Geschäft machen die Vereine, den Stress mit verstopften Innenstädten, vollgepinkelten Vorgärten, prügelnden Hooligans - das hat die Öffentlichkeit.

Grün-Weiße Wunderwand aus purer Leidenschaft

Das ist die eine Sicht der Dinge. Die andere ist die, dass es nichts, tatsächlich nichts gibt, was ein ähnliches Gemeinschaftsgefühl zwischen Menschen herstellen kann, die sonst nichts miteinander zu tun haben, wie Fußball. Was zwischen dem SV Werder und der Stadt Bremen in den letzten Wochen passiert ist, könnte sogar stilbildend sein, es ist vielleicht der erste Klassenerhalt der Bundesliga-Geschichte, der auf den Tribünen errungen wurde - und nicht auf dem Rasen. Es ist eben kein Paralleluniversum, in dem sich die Millionäre in kurzen Hosen aufhalten. In Bremen haben die Fußballer bei den letzten drei Heimspielen - die sie allesamt gewinnen mussten, um die erste Liga zu sichern - von einer einmaligen Atmosphäre profitiert.

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Sie haben spüren dürfen oder müssen, je nach dem Grad der Abgehobenheit, dass sie eben nicht nur für sich oder ihr Konto, ihren aktuellen Arbeitgeber oder den nächsten Verein spielen, der sie im Falle des Abstiegs übernehmen würde. Die Bremer Fans und auch die anderen, sonst eher distanzierten Gelegenheits-Ergebnis-Verfolger, haben aus purer Leidenschaft eine grün-weiße Wunderwand gebaut, die #greenwhitewonderwall, und den Verein und jeden Spieler damit sehr tief ins eigene Seelenleben hineingezogen. Es mag pathetisch klingen, aber das überstandene Herzschlag-Finale des letzten Spieltages, die Rettung in fast allerletzter Sekunde, das 1:0 gegen Eintracht Frankfurt, gehört größtenteils diesem Bremer Publikum. Ist so.