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Bundesliga: VfB Stuttgart:Verträge auf Champions-League-Niveau

Was den VfB umtreibt, ist mehr als die Ungewissheit, ob man in der nächsten Saison noch gegen Dortmund spielt oder gegen Paderborn. Es ist eine umfassende Unsicherheit über die Zukunft, von der der VfB nicht viel mehr weiß, als dass sie kommt. "Ich tue, was in meiner Verantwortung liegt und plane", sagt Bobic. Womöglich wird er seinen Job im Abstiegsfall behalten dürfte, sicher ist das nicht. Beim Trainer Labbadia ist das noch viel weniger sicher. Er müsste wohl gehen.

Es macht die Sache kompliziert, dass auch im Falle des Klassenerhalts vieles unklar ist. Präsident Erwin Staudt wird Amtsmüdigkeit nachgesagt, eine Mitgliederversammlung, die über einen neuen Präsidenten befindet, ist erst für Herbst geplant - gut möglich also, dass mitten in der Saison ein neuer Präsident kommt, der weder mit dem Manager Bobic noch mit dem Trainer Labbadia arbeiten will. Und eine Vorverlegung der Versammlung, etwa in den Mai, lehnt der Aufsichtsrat ab - Staudt soll noch in Amt und Würden erleben dürfen, wie im August das Stadion mit einem Länderspiel gegen Brasilien eingeweiht wird.

Für den kämpferischen Herzblut-VfBler Bobic eine unübersichtliche Situation; er müsste selbst nach Klassenerhalt damit rechnen, dass der Bau einer neuen Elf unter den diffusen Zukunftsaussichten leidet. Womöglich bewilligt ihm der legendär sperrige Aufsichtsrat weniger Euro, als er für einen dringend nötigen Umbruch im Team brauchen würde - mit dem Argument, dass ein neuer Präsident vielleicht ganz andere Vorstellungen habe.

So ist zurzeit vieles blockiert in Stuttgart, nicht nur die Mannschaft. In dieser Situation muss Bobic eine Vision von einem neuen VfB entwickeln, aber möglichst so, dass es der alte VfB nicht merkt. "Im Abstiegskampf kann man gut erkennen, auf welche Spieler man bauen kann und auf welche eher nicht", sagt er. Namen kann er nicht nennen, weil die, auf die er nicht bauen will, erstmal für den Klassenerhalt kämpfen sollen.

Ein großes Geheimnis ist es aber nicht, dass Profis wie Marica, Boulahrouz, womöglich auch Pogrebnjak keine Ära mehr prägen werden; auch Gelegenheitsgenies wie Kuzmanovic und Molinaro stehen unter strenger Beobachtung, ebenso ehemalige Größen wie Delpierre oder Gentner. "Ich weiß, wie der VfB der Zukunft aussehen soll", sagt Bobic. Ein Abstieg dürfte das Tempo des Umbruchs verschärfen, denn anders als Hertha könnte es sich der VfB kaum leisten, seinen Erstliga-Kader durch die zweite Liga zu schleppen. "Wir haben viele Verträge auf Champions-League-Niveau", sagt Bobic.

In zwei Jahren erwarten sie beim VfB einen Spitzenjahrgang aus der hochdekorierten eigenen Jugend. In zwei Jahren kommt die Zukunft, bis dahin müssen sie irgendwie durchhalten.

© SZ vom 16.04.2011/jüsc
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