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Bundesliga:Trainer Weinzierl scheitert am alten Schalke

FC Schalke 04 v 1. FC Koeln - Bundesliga

Markus Weinzierl mit Maskottchen Erwin

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Vier Ligaspiele mit null Ertrag zeigen beim FC Schalke 04 die Dringlichkeit einer neuen Spielidee. Doch vorerst sieht der Trainer Rückfälle in alte Muster.

Der Steigermarsch gehört traditionell zum musikalischen Vorspiel im Schalker Stadion. Das Licht geht aus, Handylichter leuchten, und dann lauscht man andächtig, wenn es heißt: "Glückauf, glückauf / der Steiger kommt." So war das auch am Mittwochabend, als der 1. FC Köln in Gelsenkirchen gastierte, und auch sonst war alles wie gehabt: Am Ende jubelten die Kölner, daran muss man sich in Gelsenkirchen wohl gewöhnen. Zum dritten Mal hintereinander gewann der FC sein Punktspiel auf Schalke, sodass die Gastgeber allmählich überlegen sollten, im Angesicht dieses Gegners dem alten Bergmannslied einen neuen Titel zu geben: Glückauf, der Stöger kommt!

Peter Stöger, 50, ist gewiss nicht zufällig der Schrecken der Schalker. Am Mittwochabend waren es zwar die 13 Kölner Feldspieler sowie Torwart Timo Horn, die 113 Kilometer auf dem Rasen zurücklegten - aber die Regie beim 3:1-Sieg hat unverkennbar der österreichische Trainer geführt. Er hat seine Mannschaft nicht nur mit den richtigen Anweisungen ausgestattet, um den nach drei Niederlagen in der Liga gemütsmäßig angegriffenen Gegner mürbe und müde zu machen. Stöger hat auch im richtigen Moment die richtigen Figuren bewegt, um die Chance zum Sieg zu nutzen.

Mit einem offensiven Wechsel - Angreifer Simon Zoller für Mittelfeldspieler Marco Höger - gab er den Anstoß, um die im 1:1-Remis erstarrte Partie in die wunschgemäße Richtung zu lenken. Vier Minuten später schoss Anthony Modeste das 2:1. Eine Überraschung war das nicht.

Der orthodoxe Kern in der Nordkurve verstummt

Später sah sich Stöger Fragen nach seinem "mutigen" Manöver ausgesetzt, die ein Eigenlob provozierten. Aber auch dies gehört zu seinen erfreulichen Eigenschaften: Auf billigen Ruhm hat er's nicht abgesehen. Kölns Trainer versteht es, die Tatsachen für sich sprechen zu lassen: "Uns war schon klar, dass wir Räume bekommen konnten", teilte Stöger auf seine coole Art mit, "Zoller ist ein guter Spieler, es passte ganz gut zur Spielidee." Mancher Schalker mag zusammengezuckt sein, als er dieses magische Wort vernahm.

Die Einführung und Etablierung einer programmatischen "Spielidee" ist auch das Leitmotiv jenes Auftrags, den Markus Weinzierl im Sommer in Gelsenkirchen angenommen hat. Eine sportliche Identität hatte sich während der vergangenen Jahre durch die ständigen Führungs- und Richtungswechsel allenfalls in Spurenelementen entwickeln können: Schalke lebte - und das immerhin nicht schlecht - von seiner Größe und seinem Nachwuchs. Die Hoffnung der Anhänger, dass der neue Trainer Weinzierl diesen Substanzen nun eine bruchsichere Grundlage geben könnte, sind am Mittwochabend fürs Erste schmerzhaft enttäuscht worden.

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Selbst der orthodoxe Kern in der Nordkurve ist zunehmend verstummt, als Schalke in der zweiten Halbzeit einen Rückfall in alte Muster praktizierte: verschleppter Spielaufbau, statisches Angriffsspiel, fatale Kurzschlüsse in der Defensive. Null Punkte nach vier Spieltagen stellen somit nur das eine Problem dar - das an sich schon schlimm genug ist. Das andere besteht in der Erkenntnis, dass sich das Niveau weniger schnell entwickelt hat, als man nach den guten Spielen gegen die Bayern (0:2) und in Nizza (1:0) glauben wollte.