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Bundesliga:Leipzig stolpert - Bayer brilliert

VfL Wolfsburg - RB Leipzig

Mies gelaunt: Julian Nagelsmann in Wolfsburg.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 1:2, 0:1 Thorgan Hazard (8.), 1:1 Lars Stindl (50.), 1:2 Achraf Hakimi (71.)

"Jetzt wollen wir die nächsten drei Spiele gewinnen und dann im Spiel gegen die Bayern noch mal angreifen", sagte BVB-Abwehrchef Mats Hummels nach dem zehnten Bundesligasieg gegen Borussia Mönchengladbach in Serie. Achraf Hakimi (71. Minute) erzielte am Samstagabend den Siegtreffer zum 2:1 (1:1) gegen Gladbach. Zuvor hatten der Ex-Gladbacher Thorgan Hazard (8.) für Dortmund und Lars Stindl (50.) für Mönchengladbach getroffen.

Durch den Sieg zum Beginn einer eminent wichtigen Wochen bleiben die Westfalen im Titelrennen. Mit 51 Punkten sind die Dortmunder nun Zweiter hinter dem FC Bayern München. Die lange Zeit überlegenen Gladbacher fielen vorerst aus den Champions-League-Plätzen, können mit einem Sieg am Mittwoch im Nachhol-Derby gegen 1. FC Köln aber wieder an Bayer Leverkusen vorbeiziehen. "Wir haben heute wieder ein sehr enges Spiel gege Dortmund verloren. Obwohl wir heute auch wieder mehr verdient gehabt hätten", sagte Gladbachs Coach Marco Rose.

Zu allem Überfluss verloren die Gladbacher auch noch früh ihren Mittelfeld-Stratege Denis Zakaria. Der Schweizer war in der 30. Minute bei einer waghalsigen Rettungsaktion seines Landsmanns Yann Sommer vom eigenen Torhüter am rechten Bein getroffen worden.

VfL Wolfsburg - RB Leipzig 0:0

"Sie fragen auch keinen Virologen, wie wir gegen Wolfsburg spielen", sagte Julian Nagelsmann vor dem Spiel und wahrscheinlich wäre auch kein Virologe Deutschlands auf die Idee gekommen, Timo Werner auf der Bank zu lassen. Die Wolfsburger überzeugen in dieser Saison ja vor allem durch eine sehr körperliche, sehr robuste Abwehr und ausgerechnet in dem Spiel auf den 21-Tore-Mann zu verzichten? Nunja, aber Werner war auch angeschlagen.

Die erste Halbzeit endete prompt torlos auch wenn Angelino kurz vor Pausenpfiff eine gute Gelegenheit für RB ausließ. Nach 60 Minute kamen dann Timo Werner und Dani Olmo gleichzeitig in die Partie und Leipzig wurde aktiver, hatte deutlich mehr Torschüsse - aber traf nicht. Solche Unentschieden können natürlich verheerend sein in einem Titelkampf, in dem der FC Bayern gerade nicht so wirkt, als würde er massig Punkte liegen lassen. Bei einem Sieg morgen zu Hause gegen Augsburg, läge Leipzig fünf Punkte hinter den Münchnern. Zur Winterpause hatte RB vier Punkte Vorsprung. "Bayer Leverkusen ist nur noch drei Punkte von uns entfernt", sagte Nagelsmann, der Nachfragen zur Meisterschaft direkt abblockte: "Der Blick geht wie die ganze Saison schon nur auf die Top vier."

Hertha BSC - Werder Bremen 2:2 0:1 Josh Sargent (3.), 0:2 Davy Klaassen (7.), 1:2 Niklas Stark (41.), 2:2 Matheus Cunha (61.)

Werder Bremen hat in Berlin zur Schau gestellt, wie tief die Spuren sind, die der Abstiegskampf im Selbstbewusstsein hinterlassen hat. Selbst eine frühe 2:0-Führung reichte dem Tabellenvorletzten nicht, um einen Sieg aus der Hauptstadt mitzunehmen. Immerhin wurde es ein Punkt für die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt, die in der Liga zuvor fünf Mal in Serie verloren hatte. Ein winziger Trost im Abstiegskampf. Auf Düsseldorf (16.) beträgt der Abstand drei Punkte, auf Mainz (15.) sieben Zähler. Die beiden Teams spielen am Sonntag gegeneinander. "Das tut weh. Ein Unentschieden ist nicht genug", sagte Werder-Spieler Davy Klaassen. Mitspieler Kevin Vogt trauerte nach dem verspielten 2:0-Vorsprung am Sky-Mikrofon ebenfalls "zwei verlorenen Punkten" hinterher.

Die Bremer hatten all ihren verbliebenen Mut zusammengekratzt und in die ersten sieben Spielminuten gepackt. Josh Sargent traf mit einem Distanzschuss (3.), Berlins Abwehr wirkte dabei wie eine Attrappe. Dann köpfelte Davy Klaassen drei Minuten später das 2:0, diesmal steigerte Torhüter Thomas Kraft seinen Marktwert nicht gerade, weil er die Flanke grob unterschätzte. Die mutigen Anfangsminuten stärkten aber nicht das Bremer Selbstbewusstsein, vielmehr schien die Reserve erschöpft. Aber weil Hertha auch einen Attrappen-Angriff aufbrachte, blieb dem Tabellenvorletzten größere Gefahr erspart.

Werder wäre aber nicht Werder ohne ein Gegentor nach Standard: Niklas Stark erzielte nach einem Freistoß per Kopf bereits das zwölfte Gegentor nach einem ruhenden Ball (41.). Nach der Pause machten die Berliner weiter Druck, die Bremer Abwehr wackelte wie ein Jenga-Turm: immer im Begriff zusammenzubrechen. Cunha stupste sie beim 2:2 um. Danach wäre Hertha mit etwas mehr Ruhe auch der Siegtreffer zuzutrauen gewesen. Beinahe hätten die Berliner zehn Minuten vor Schluss einen Handelfmeter bekommen. Doch Schiedsrichter Guido Winkmann erkannte beim Sichten der Videobilder, dass Niklas Moisander seinen Arm angelegt hatte und nichts Strafbares vorlag. Es hätte Bremens Selbstvertrauen sonst womöglich gänzlich zunichte gemacht.

FC Schalke 04 - TSG Hoffenheim 1:1 1:0 Weston McKennie (20.), 1:1 Christoph Baumgartner (69.)

Alle Plakate zu diesem hochpolitischen Spiel finden Sie weiter unten - hier erstmal das Sportliche. In einer für Schalke schwierigen Situation (sechs Bundesligaspiele ohne Sieg) lupfte Jonjoe Kenny auf Weston McKennie, der von den Hoffenheimern nicht maximal konsequent attackiert wurde und mit einem schönen Dribbling parallel zum Sechzehner mit links gegen die Laufrichtung von Oliver Baumann zum 1:0 einschoss.

In der zweiten Halbzeit rettete zunächst der VAR Schalke 04, als er die Millimeter, die Benjamin Hübner bei seinem Ausgleich im Abseits stand, registrierte. Doch nur eine Aktion später war der Ball regulär im Tor. Wieder gewann Hübner ein Kopfballduell, diesmal schob Christoph Baumgartner ein. "Wir waren in der ersten Halbzeit zu ängstlich", meinte Baumgartner später, "in der zweiten haben wir uns mehr zugetraut. Das nicht gegebene Tor war wie ein Weckruf für uns, den haben wir gebraucht." Es war insgesamt kein Fußballfest. Schalke schaltete anlässlich der ewigen Verletztenliste in den Kampfmodus - und ergatterte einen Punkt. Wie man den nun bewerten mag, ist die große Frage in Gelsenkirchen.

Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 4:0 1:0 Kai Havertz (4.), 2:0 Karim Bellarabi (15.), 3:0 Paulinho (49.), 4:0 Paulinho (55.)

Peter Bosz und Adi Hütter gelten beide als Trainer, die sich eher mehr als weniger Gedanken über ein Spiel machen. Beide kamen unabhängig voneinander zum Schluss, dass im Vergleich zum Pokal (beide zogen ins Halbfinale ein) am Mittwoch stark durchgetauscht werden muss - bei Bayer 04 starteten sechs neue Spieler, bei Frankfurt drei. Unter anderem kam Paulinho zu seinem Startelfdebüt in der Liga, was auch ein Zeichen für die Möglichkeiten ist, die der Leverkusener Kader mittlerweile wieder bietet.

Die Führung für Bayer war dann aber keine taktische Großleistung - es war ein sehr einfaches Tor. Zwei Steilpässe die linke Außenlinie entlang - Hradecky auf Wendell, der auf Diaby - und der in den vergangenen Wochen schon starke Franzose legte quer auf Kai Havertz, der nur noch reingrätschen musste. Das 2:0 war fußballerisch schon wertvoller. Nach einer schönen Kombination über Paulinho fand dessen Querpass Karim Bellarabi, der auch nur einzuschieben brauchte. Nach 15 Minuten war dieses Spiel entschieden - der Doppelpack von Paulinho nach Solo-Lauf (3:0) und nach Klasse-Zuspiel von Havertz (4:0) war Zugabe. "Es ist wie verhext", sagte Eintrachts Sebastian Rode, "wir kriegen kein Bein auf den Boden. Wir machen zu viele leichte Fehler, der Treffer zum 0:3 war der Genickbruch." Martin Hinteregger ergänzte bei Sky: "Der Sieg von Bayer war verdient." Und im Kampf um die Champions League muss Borussia Mönchengladbach definitiv nach Leverkusen gucken.

SC Freiburg - Union Berlin 3:1 1:0 Roland Sallai (35.), 2:0 Christian Günter (55.), 2:1 Sebastian Andersson (61.), 3:1 Robin Koch (82.)

Der Durchhänger des SC Freiburg (ein Sieg in den vergangenen sechs Spielen) fällt ja kaum auf, weil der Sportclub dank seiner formidablen Hinrunde so gut dasteht. Gegen Union half dem Team von Christian Streich die Stärke bei Standards. Rolland Sallai köpfte eine Grifo-Ecke ins Tor - nachdem Union-Torwart Gikiewicz allerdings mehr als grenzwertig am Trikot gezogen wurde. Der VAR griff nicht ein. "Diesmal haben wir so richtig dagegengehalten und uns behauptet. Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft", sagte Streich. Kapitän Christian Günter setzte sich dann mit der Regenbogenbinde am Arm gegen Neven Subotic durch und hämmerte den Ball zum 2:0 ins kurze Eck. Das Spiel war entschieden - der Anschluss von Andersson und das 3:1 von Robin Koch änderten nichts daran und es wird auch weiter niemand von einem Freiburger Durchhänger reden. "Freiburg war eine Spur ekliger", sagte Union-Trainer Urs Fischer. "Wenn wir uns nicht am Limit bewegen, dann wird es schwierig."

Plakate des Spieltages

Kein Plakat sorgte für eine Spielunterbrechung, alle Fan-Gruppen äußerten sich im Rahmen der erlaubten Meinungsäußerung, besonders fleißig waren die Ultras von Schalke 04, Hertha BSC und beim SC Freiburg. Auf Schalke erinnerten Fans schon vor dem Spiel an den rassistischen Spruch von Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies - der nur eine Drei-Monats-Pause nach sich zog. In Berlin waren Fußballfunktionäre Zielscheibe der Kritik und die Freiburger Fans adressierten Botschaften an ihren Ex-Präsidenten Fritz Keller, der ja jetzt DFB-Präsident ist.

Radikaler waren die Fans in Jena, die beim Spiel gegen den TSV 1860 München in der dritten Liga ein beleidigendes Plakat hochhielten. Weil sie es nicht abnahmen, schickte der Schiedsrichter beide Teams schon nach sieben Minuten in die Kabine. Die Partie konnte zu Ende gespielt werden - die Löwen gewannen 3:0.

Rekord des Tages

Kai Havertz löste mit seinem 30. Bundesligator Klaus Fischer als jüngsten Spieler ab, der diese Marke erreichte. Havertz ist 20 Jahre und 270 Tage (plus ein paar Stunden) alt, Fischer kam auf 20 Jahre und 285 Tage. In der Statistik "Fallrückzieher unabhängig vom Alter" führt aber weiter der Schalker.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikel hieß es, dass die Löwen-Fans das Plakat in Jena hochhielten. Tatsächlich waren es die Jena-Fans. Wir haben die Stelle korrigiert.

© Sz.de/tbr

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