Bundesliga Montagsspiele sind ein Wurmfortsatz, den keiner braucht

Eindeutige Botschaft: Frankfurter Fans am Montagabend in Wolfsburg.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Die Proteste der Fans gegen Montagsspiele verdeutlichen das Versagen der Verbände. Die Kicks produzieren nur Verlierer.

Kommentar von Carsten Scheele

Es könnte teuer werden für die Deutsche Fußball-Liga (DFL), jedenfalls wenn die Wolfsburger Fans ihre Drohung wahrmachen und der DFL ihre verpassten Zuschläge am Band des großen Autobauers in Rechnung stellen. "Wegen euch kriegen wir keinen Feiertagszuschlag", prangte auf einem Plakat am Montagabend, und darunter: "Schichtarbeiter gegen Montagsspiele." Auch bei den Frankfurtern war der Ärger groß: Von ihnen steht kaum einer bei Volkswagen am Band, sie mussten sich aber am heiligen Ostermontag stundenlang über die Autobahn quälen, weil sie der Spielplan zur Reise nach Ost-Niedersachsen zwang.

Das fanden die Anhänger so toll, dass sie kurz nach dem Anpfiff hunderte kleiner roter, gelber, grüner und blauer Osterei-Attrappen aufs Spielfeld warfen, die von krabbelndem Stadionpersonal erst mal weggeräumt werden mussten. Das Spruchband dazu lautete: "Montagsspiele gehen uns auf die Eier."

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Fernsehen für einen kleinen, exklusiven Klub an Konsumenten

So ging das fünfte und letzte Montagsspiel dieser Saison, das 1:1 zwischen Wolfsburg und Frankfurt, sogar mit einer humoristischen Note zu Ende. Vermutlich, weil die Fans ja wissen, dass sie im erbittert geführten Streit einen Sieg errungen haben: Zwar wird weiterhin von Freitag bis Sonntag zu allen möglichen Uhrzeiten Bundesliga-Fußball gespielt, in sogenannten "englischen Wochen" auch dienstags und mittwochs. Ab der Saison 2021/22 soll es aber keine Montagsspiele mehr geben.

Dass die Kicks zum ungeliebten Termin nur Verlierer produzieren, war auch am Ostermontag wieder zu sehen: Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia nannte die Stille auf den Rängen "gespenstisch", zumindest während der ersten Halbzeit, als die Fans aus Protest den Support verweigerten (und nur ab und zu Parolen gegen DFL oder DFB grölten). Und das Ganze in einem halb leeren Stadion, weil sich der ein oder andere Autobauerangestellte tatsächlich für den Feiertagszuschlag und gegen das Stadion entschieden hatte.

Der Protest der Fans war in dieser Saison die eine Seite der Montagsdebatte. Die andere war das Versagen der Verbände, die es nie geschafft haben, den Montagabendtermin seriös im Pflichtprogramm zu etablieren. In der zweiten Liga sind die Montagsspiele einst zur Marke geworden - auch weil die Spiele aus Bielefeld, Dresden oder Kaiserslautern jahrzehntelang im frei empfänglichen Fernsehen präsentiert wurden.

Die Montagsspiele der Bundesliga hat in dieser Saison dagegen kaum jemand verfolgt. Das Bezahlfernsehen hat die Partien seriös übertragen - insgesamt blieben die Montagsspiele aber einem kleinen, exklusiven Klub an Konsumenten vorbehalten. Wie der Wurmfortsatz eines ohnehin langen Spieltages, den wirklich keiner braucht, der nun noch zwei Jahre weiterleben darf - und dann aber endlich abgekoppelt wird.

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