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Klub-Treffen in Frankfurt:Kampf um die Fernsehgelder

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Union Berlin

Die Verteilung der Fernsehgelder ab der Spielzeit 2021/22 beschäftigt die Teilnehmer des Klub-Treffens in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Wer erhält ab 2021/22 wie viel Geld aus dem TV-Gesamttopf? Um das zu klären, hat der FC Bayern eingeladen - aber nur 14 Vereine. Das erzeugt Unmut in der Liga.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Der Airport Club in Frankfurt ist im deutschen Fußball eine fast schon traditionelle Stelle für geheimniskrämerische Aktivitäten. Dort trafen sich einst die Macher der Fußball-WM 2006 um Franz Beckenbauer, als Jahre nach dem Turnier Fragen zu irritierenden Millionenzahlungen auftauchten. Auch manche lukrative Vertragsunterzeichnung des Gewerbes ist dort ausgehandelt worden. An diesem Mittwoch soll der Airport Club nun der Ort sein, an dem auf Initiative des FC Bayern 14 Erstligisten sowie ein einziger Zweitligist, der Hamburger SV, zusammenkommen.

Der Zweck der Verabredung erscheint noch ein wenig rätselhaft, Unmut erzeugt sie in jedem Fall - unter anderem wegen der selektiven Einladungsliste (aus der ersten Liga fehlen Mainz, Stuttgart, Augsburg und Bielefeld). Ein zentrales Thema wird sein, wie die Deutsche Fußball Liga, in der eigentlich alle 36 Erst- und Zweitligisten organisiert sind, nach dem für 2022 angekündigten Rückzug von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert neu aufgestellt wird. Aber die Teilnehmer wird wohl auch eine Frage beschäftigen, bei der schon bald eine Entscheidung ansteht: die Verteilung der Fernsehgelder ab der Spielzeit 2021/22.

Viele Vereine werden weniger Geld erhalten

Seit Monaten läuft in der Branche deswegen ein Kampf ab. Nun gehören solche Verteilerdebatten zwar traditionell zum Geschäft, aber es hat seine Gründe, warum es dieses Mal besonders scharfkantig zugeht. Denn im vergangenen Jahrzehnt fanden die Debatten immer unter der Rahmenbedingung statt, dass der Gesamttopf für alle Profiklubs kontinuierlich und schwindelerregend ansteigt. Da ging es vor allem darum, wie viel mehr Geld jeder Einzelne erhält.

In der Corona-geprägten Gegenwart, in der sich überall finanzielle Unsicherheiten ergeben und die Abhängigkeit von den TV-Geldern offengelegt wird, müssen die Klubs damit klarkommen, dass der Gesamttopf kleiner wird - und viele Vereine weniger Geld erhalten. Die DFL nennt die konkreten Zahlen nicht, aber die ungefähre Größenordnung sieht so aus: Ursprünglich, also vor Ausbruch der Pandemie, konnten die Bundesligisten für die laufende Saison insgesamt mit zirka 1,6 Milliarden Euro rechnen. Nun sind es nur noch etwas über 1,4 Milliarden. Und für die kommende Spielzeit wird von knapp 1,3 Milliarden ausgegangen. Aber diese Zahlen sind derzeit volatil.

Die Einnahmen setzen sich aus zwei Blöcken zusammen: aus den nationalen Erlösen und den internationalen, also jenem Geld, das fließt, wenn chinesische oder amerikanische Sender die Spiele der Bundesliga übertragen. Aus dem internationalen Ressort waren vor Corona zirka 250 Millionen Euro eingeplant, inzwischen sind es noch zirka 200 Millionen.

Viele Klubs drängen auf Änderungen

Zwar tun die Vertreter der Branchenführer so, als sei der aktuelle Schlüssel recht ausgeglichen. So sagte FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Juni dem Handelsblatt: "In Deutschland gibt es eine sehr solidarische, ausgewogene Verteilung der TV-Gelder: Der Meister erhält doppelt so viel TV-Einnahmen wie der Tabellenletzte." Das gilt aber nur für die nationalen Gelder. Bei den internationalen Erlösen hingegen greifen die Großklubs um Champions-League-Gewinner FC Bayern einen ungemein großen Anteil ab. Die konkrete Mechanik ist kompliziert. Im Ergebnis führt sie dazu, dass sich die Gelder zwischen erster und zweiter Liga ungefähr im Verhältnis 82:18 aufteilen, und dass die Münchner pro Jahr fast viermal so viel TV-Geld erhalten wie das Bundesliga-Schlusslicht (zuletzt zirka 115 Millionen Euro zu zirka 30 Millionen).

Fast 4:1, das ist eine gravierende Diskrepanz, auch im Vergleich zu anderen Ländern. In Englands Premier League beträgt die Spreizung zwischen dem besten und dem schlechtesten Klub nur 1,8:1. Für die Kritiker des deutschen Verteilerschlüssels ist dieses Gefälle mitentscheidend für die Monotonie an der Tabellenspitze.

Vor diesem Hintergrund drängen viele Vereine auf Änderungen. Düsseldorfs Vorstand Thomas Röttgermann plädierte im Sommer dafür, dass alle Klubs einer Liga exakt gleich viel bekommen sollen - so wie es bis ins Jahr 2000 war, ehe auf Druck der Großklubs das System umgestellt wurde. Dieser radikalen Forderung schloss sich kaum jemand an, aber kürzlich signierten vier Erst- und zehn Zweitligisten ein Papier, in dem sie für eine gleichmäßigere Verteilung warben. Die vier Erstligisten waren Mainz, Stuttgart, Augsburg und Bielefeld - das Quartett, das jetzt nicht eingeladen wurde zum Frankfurter Treffen.

Zugleich geht es in der Debatte um eine Komponente, die der Freiburger Finanzvorstand Oliver Leki ins Spiel brachte. Er warb dafür, das Verhältnis "von sportlichem Erfolg zu finanziellem Einsatz" zu honorieren. Eine Art Preis-Leistungs-Kategorie also, in der der SC Freiburg weit oben in der Tabelle zu finden wäre. Lekis Wort hat Gewicht in der Szene, er sitzt im Präsidium und auch im Aufsichtsrat der DFL.

Die Entscheidung über die Verteilung der Gelder trifft das neunköpfige DFL-Präsidium, dem neben Seifert und Leki der frühere Schalker Finanzvorstand Peter Peters, Jan-Christian Dreesen (FC Bayern), Alexander Wehrle (Köln), Steffen Schneekloth (Kiel), Rüdiger Fritsch (Darmstadt), Oke Göttlich (St. Pauli) und Ansgar Schwenken (DFL-Direktor) angehören. Angepeilt ist eine Entscheidung für Anfang Dezember. Nun könnte ihnen aus Frankfurt noch eine kräftige Forderung mit auf den Weg gegeben werden.

© SZ vom 11.11.2020/chge
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