Mönchengladbach:Die Lage spitzt sich zu

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Mönchengladbach: Kann es nicht fassen: Gladbachs Breel Embolo.

Kann es nicht fassen: Gladbachs Breel Embolo.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Gladbach hat nach dem 1:2 gegen Union Berlin nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Zwei missratene Abwehraktionen entscheiden das Spiel - und führen sogar zu Mitgefühl beim Gegner.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Aus dem siegreichen Kontrahenten Max Kruse sprach das pure Mitgefühl. "Gladbach hat das Spielglück zurzeit auch nicht gerade auf seiner Seite", sagte Union Berlins Doppeltorschütze nach dem 2:1 (1:1)-Sieg bei Borussia Mönchengladbach. Drei Tage nach der apokalyptisch anmutenden 0:3-Pokal-Niederlage beim Zweitligisten Hannover 96 erlitt Gladbach trotz einer soliden Vorstellung, die eines Sieges durchaus würdig gewesen wäre, die vierte Heimniederlage nacheinander.

Es war Kruse, der die leidgeprüften Borussen sechs Minuten vor dem Ende noch tiefer ins Tal des Trübsinns schickte. Drei Punkte Vorsprung zum Relegationsplatz und vier zum direkten Abstiegsplatz haben die Gladbacher jetzt noch. Die nächsten Gegner sind die Kellerkinder Arminia Bielefeld (auswärts) und FC Augsburg (zuhause). "Da müssen wir unbedingt punkten", sagt der Trainer Adi Hütter. Die Lage spitzt sich zu.

Mönchengladbach: Max Kruse trifft für Union Berlin und hat auch noch Mitgefühl mit dem Gegner.

Max Kruse trifft für Union Berlin und hat auch noch Mitgefühl mit dem Gegner.

(Foto: Lukas Schulze/Getty Images)

Ausgerechnet zwei unglückliche Aktionen des Gladbacher Mittelfeldspielers Denis Zakaria entschieden die Partie gegen Union. Zakaria ist jener im kommenden Sommer vertrags- und ablösefreie Gladbacher, den der Klub deshalb gerne noch in diesem Januar verkaufen würde. Als Interessent gilt auch Bayern München.

Zakaria verschuldete in der 18. Minute zunächst jenen Handelfmeter, der Kruse die 1:0-Führung ermöglichte, und er traf in der 84. Minute im eigenen Strafraum einen Befreiungsschlag nicht richtig, so dass Unions Niko Gießelmann mit einem Steilpass auf Kruse unmittelbar den Siegtreffer einleiten konnte. "Es trifft uns im Moment richtig hart", sagte Hütter über Gladbachs unglückliche Situationen.

"Defensiv waren wir wieder nicht gut genug", sagt Jonas Hofmann

Die Borussia war das Spiel in einer flachen 5-4-1-Formation deutlich vorsichtiger angegangen als die vorangegangenen Partien. Wer draußen im Meer von Haien attackiert worden ist, bleibt lieber erst mal im kniehohen Wasser. Auch der Angreifer Jonas Hofmann, nach sechs Wochen wieder im Team, war erheblich in die explizite Verteidigungsarbeit involviert.

Verzichten musste die Borussia auf ihren Kapitän Lars Stindl, der sich im Training am Freitag einen Innenband-Einriss im Knie zugezogen hatte und vermutlich wochenlang ausfällt. Gladbach hat auch damit in dieser Saison Pech. Immer wieder fallen relevante Spieler aus.

Das Vorsichtige ist zwar eigentlich nicht die Art von Fußball, die der Trainer Hütter gerne spielen lässt, aber diese neue und notwendige Vorsicht tat Gladbach gut. Den 0:1-Rückstand durch Kruses Elfmeter (18.) glich der im vergangenen Sommer gekommene junge Franzose Kouadio "Manu" Koné in der 40. Minute durch einen traumhaften Schlenzer aus 16 Metern zum 1:1-Halbzeitstand aus. Schon die Vorbereitung durch Breel Embolo und Hofmann hatte sehr gut ausgesehen und überdies gezeigt, dass die Gladbacher Fußball-Kultur noch hier und da aufblitzt. "Gut, Jungs!", rief der Stadionsprecher nach dem Pausenpfiff in sein Mikrofon, als handele es sich auf dem Rasen um E-Junioren.

Mönchengladbach: Was soll er tun? Es läuft nicht für Adi Hütters Gladbacher, eine Trennung vom Trainer soll aber noch kein Thema sein.

Was soll er tun? Es läuft nicht für Adi Hütters Gladbacher, eine Trennung vom Trainer soll aber noch kein Thema sein.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Die so zurückgewonnene Stabilität ermutigte die Gladbacher in der zweiten Halbzeit zu mehr Offensive. Allzu viele gute Torchancen erspielten sie sich zwar nicht, weil sie gegen latent gefährliche Berliner auch nicht zu viel wagen wollten, doch alleine die Gelegenheit für den jungen Flügelspieler Luca Netz eine Viertelstunde vor Schluss, als er den Ball aus fünf Metern übers Tor schoss, wäre für eine Führung gut gewesen.

Trainer Hütter will seinem Team "nullkommanull Vorwurf" machen

Dass die Partie tatsächlich noch verloren ging, lag in der 84. Minute dann eben auch an der missratenen Abwehraktion von Zakaria. Der Schweizer hatte eine Hereingabe von Levin Öztunali nicht richtig getroffen und nur knapp außerhalb des Strafraums zu Unions Gießelmann gespielt, der mit einem Pass in die Tiefe vorbildlich jenen Kruse erreichte, der zum 2:1-Endstand traf.

"Wir mussten das Glück beanspruchen", gestand der Berliner Trainer Urs Fischer. "Union hat aus einer Chance zwei Tore gemacht", sagte Gladbachs Hütter und wollte damit aufzeigen, als wie unglücklich und unverdient er die Niederlage empfand.

Von dieser Meinung war sein Angreifer Hofmann zwar gar nicht so weit entfernt, er erkannte aber auch in dieser unglücklichen Niederlage die nüchternen Defizite der Borussia. "Es geht am Ende um die entscheidenden Momente und defensiv waren wir wieder nicht gut genug", sagte er. Mit 37 hat Gladbach die drittmeisten Gegentreffer der Liga. In den vergangenen drei Pflichtspielen gab es allein vier Elfmeter gegen die Borussia. Auch das ist Ausdruck ungenügenden Defensiv-Verhaltens.

"Die Niederlage ist ein weiterer Nackenschlag", sagte Hütter, "allerdings hat die Mannschaft ein ganz anderes Gesicht gezeigt als in Hannover." Er könne ihr "nullkommanull Vorwurf" machen: "Die Abwehr hat sehr gut ausgesehen." Er habe Spieler auf dem Platz haben wollen, "die 90 Minuten alles geben" - und die habe er auch gesehen. Nun hat Gladbach zwei Wochen Zeit, um sich auf das Kellerduell in Bielefeld vorzubereiten. Dann geht es direkt wieder ans Eingemachte - und für Hütter einmal mehr um Argumente für eine Fortsetzung seiner Arbeit. Noch deutet nichts auf eine Trennung hin.

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