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Bundesliga:Leipzig marschiert in Gladbachs Schatten

Jubelt: Patrik Schick nach seinem sehr frühen Führungstor.

(Foto: AFP)

FC Bayern - Werder Bremen 6:1 (2:1), Tore 0:1 Rashica (24.), 1:1 Coutinho (45.), 2:1 Lewandowski (45.+3), 3:1 Coutinho (63.), 4:1 Lewandowski (72.), 5:1 Müller (75.), 6:1 Coutinho (78.)

Der "Chancenwucher" hat das Potenzial, beim FC Bayern zum "Unwort des Jahres" gekürt zu werden. Gegen Werder Bremen ging es schon wieder gut los: Coutinho (2.), Serge Gnabry (5.) und Robert Lewandowski (10., 15.) vergaben anfangs ihre Gelegenheiten oder scheiterten an Bremens starkem Torwart Jiri Pavlenka. Dann bekamen sie Nachhilfe von Milot Rashica erteilt, der gleich die erste Werder-Chance zur Führung nutzte. An der Mittellinie übernahm er den Ball, dribbelte raketenhaft an Gegenspieler Boateng vorbei, der in dieser Situation wirklich sehr, sehr, sehr, sehr langsam wirkte - das 1:0 für den Außenseiter.

Und die Bayern, diesmal mit Müller auf der Bank, dafür mit Leon Goretzka im Zentrum? Rissen sich endlich zusammen. Lewandowski scheiterte noch einmal an Pavlenka, dann erzielte aber Coutinho nach schöner Gnabry-Flanke den Ausgleich. Jetzt wurde es bitter für Werder: Erst musste Gebre Selassie raus, der sich direkt vor dem Coutinho-Tor verletzt hatte. Dann gewann Lewandowski zum ersten Mal das Duell mit Pavlenka - das 2:1, Sekunden vor dem Halbzeitpfiff.

FC Bayern in der Einzelkritik

Nur Boateng wirkt wie festgefroren

Der geplagte Boateng blieb zur Halbzeit in der Kabine, für ihn kam Ivan Perisic. Und die Münchner legten nach. Coutinho erlupfte filigran das 3:1, Lewandowski erzielte das 4:1 - da war alles geritzt. Der eingewechselte Thomas Müller und abermals Coutinho mit einem Treffer der Marke "Tor des Monats" besorgten den Endstand. Zweifellos der Mann des Tages: Coutinho, mit drei Toren und zwei Vorlagen. Lewandowski lobte seinen Kollegen: "Das war sein Spiel heute, wie er das heute gemacht hat, das war überragend."

Fortuna Düsseldorf - RB Leipzig 0:3 (0:1), Tore: 0:1 Schick (2.), 0:2 Werner (58., Handelfmeter nach Videobeweis), 0:3 Mukiele (75.)

Es ist der sechste Bundesliga-Sieg nacheinander für das Team von Julian Nagelsmann und wer so eine Serie hinlegt, der ist ein Kandidat auf den Titel. Es kommt den Leipzigern nur gerade so herrlich entgegen, dass die ganze Republik auf Mönchengladbach schaut und darum viele nicht bemerken, dass RB seine Punkte im Stile einer absoluten Spitzenmannschaft holt. Gegen Düsseldorf traf schon nach einer handvoll Sekunden Patrick Schick zum 1:0 und erinnerte seinen Klub, der sich gerade mit dem Salzburger Stürmer Erling Haaland beschäftigt, dass er auch noch da ist.

Timo Werner, dessen absurde Torquote auch nur deshalb nicht so auffällt, weil Robert Lewandowski eine noch absurdere hat, machte dann das 2:0 per Handlefmeter, Nordi Mukiele erhöhte. Es ist alles bereit für das Top-Spiel gegen Dortmund am Dienstag. Und Düsseldorf? Hat sich nun sowohl gegen Dortmund als auch gegen Leipzig seine Packung abgeholt. "Gegen die Top-Mannschaften haben wir im Moment keine Chance", sagte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel nach dem Spiel am Sky-Mikro.

FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 0:4 (0:1), Tore 0:1 Reus (31.), 0:2 Sancho (66.), 0:3 Hazard (69.), 0:4 Schulz (83.)

Unter der Woche ist endgültig die gute Stimmung nach Dortmund zurückgekehrt. Der Achtelfinal-Einzug in der Champions League hat einiges ausgelöst beim BVB, diese Entwicklung wurde beim Auswärtsspiel bei Mainz 05 nicht im Geringsten gefährdet: Das 4:0 bei schwachen Mainzern war völlig verdient, Dortmund kann sich in der Tabelle weiter nach oben orientieren. "Es war wichtig, dass wir nachgelegt haben", lobte Kapitän Marco Reus, "das ist ein gutes Zeichen."

Dortmund legte bestens los, Nico Schulz scheiterte in der Anfangsviertelstunde gleich mehrfach für den BVB. Einmal traf er das Außennetz, dann hatten die Mainzer Glück, dass der Schiedsrichter das doppelte Handspiel von Jeremiah St. Juste nach einer Schulz-Flanke als nicht-elfmeterwürdig ahndete. Reus erlöste die Dortmunder nach einer halben Stunde mit dem Führungstreffer (siehe "Zahl des Tages"). Nach der Pause nutzte Jadon Sancho die Überlegenheit zum zweiten Treffer. Hazard und Schulz machten alles klar.

1. FC Köln - Bayer Leverkusen 2:0 (0:0), Tor 1:0 Cordoba (73.), 2:0 Bornauw (84.)

Die Vorzeichen für das rheinische Derby schienen klar, doch es verlief völlig konträr. Die Kölner, obwohl vor dem Spieltag Tabellenletzter, waren das bessere, agilere, gefährlichere Team. Die zuletzt starken Leverkusener spielten für einen Champions-League-Aspiranten seltsam uninspiriert. Zwei Platzverweise gegen Aleksandar Dragovic (62.) und Leon Bailey (77., Tätlichkeit) schwächten die Leverkusener, am Ende schaffte der Effzeh einen überraschenden, aber folgerichtigen Derbysieg.

Bei Köln spielte ein gewisser Jan Thielmann mit, der erste Bundesligaspieler des Geburtsjahrgangs 2002. Der legte Anthony Modeste sogar das vermeintliche Führungstor auf - es wurde wegen klarer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Jhon Cordoba machte es in der zweiten Halbzeit besser, sein Treffer wurde aber minutenlang im Kölner Keller auf seine Gültigkeit überprügt - eine Zentimeterentscheidung. Sebastiaan Bornauw erzielte den umjubelten Endstand. "Jeder Spieler hat sich voll reingehauen, deshalb haben wir den Sieg und die drei Punkte geholt", sagte Kapitän Jonas Hector bei Sky.

Hertha BSC - SC Freiburg 1:0 (0:0), Tore 1:0 Darida (53.)

Da ist er, der erste Saisonsieg für Hertha BSC unter Jürgen Klinsmann. Der Trainer kann bekanntlich Wunderdinge vollbringen, diesmal beorderte er überraschend den 35-jährigen Vedad Ibisevic in die Startelf. Zunächst jedoch nicht mit der erwünschten Wirkung: Die Hertha spielte schwach in der ersten Halbzeit, zur Pause pfiffen die nur knapp 37.000 Fans in der Arena deutlich vernehmbar.

Das änderte sich schlagartig, als Vladimir Darida kurz einen Distanzschuss sehr ansehnlich im Freiburger Tor unterbrachte. "Ich hatte viel Raum und befand mich auf meiner Lieblingsposition", jubilierte Darida nach seinem Treffer gegen seinen Ex-Verein, für den er selbst zwei Jahre lang gespielt hatte. Die Freiburger enttäuschten.

SC Paderborn - Union Berlin 1:1 (1:1), Tore 0:1 Ingvartsen (7.), 1:1 Pröger (33.)

Unentschieden im Duell der Aufsteiger, und zwar ein eher schmeichelhaftes für den SC Paderborn. Union Berlin zeigte zunächst, dass es endgültig in der Liga angekommen ist. Gleich nach sieben Minuten brachte Marcus Ingvartsen die Unioner mit einem wirklich schönen Linksschuss von der Grenze des Strafraums in Führung. Anschließend vergaben die Berliner eine Vielzahl von Chancen, um auf 2:0 oder gar 3:0 zu erhöhen. Das nutzten die Paderborner, für die Kai Pröger nach einer abgefälschten Flanke zum Ausgleich traf. Trotzdem ist der SCP durch den Kölner Sieg wieder Tabellenletzter. "Wer weiß, wofür der Punkt noch gut ist", sagte Pröger.

Zahl des Tages: Was wäre das Leben ohne Statistiken: Marco Reus hat bereits zum 50. Mal das 1:0 für Borussia Dortmund erzielt. Herzlichen Glückwunsch!

Schlag des Tages: Patsch, da landete die Hand von Leverkusens Leon Bailey im Gesicht des Kölners Kingsley Ehizibue, der - das muss in diesen Tagen im Profifußball gelobt werden - stehen blieb und sich nicht theatralisch hinplumpsen ließ. Leverkusens Sportchef Rudi Völler war bedient: "Zwei Dinge dürfen nicht passieren: keine dummen Fouls und nicht provozieren lassen. Beides ist heute leider passiert."

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